Aachen - Trotz Abschied: Seine Bande nach Aachen sind jetzt stark

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Trotz Abschied: Seine Bande nach Aachen sind jetzt stark

Von: Martina Feldhaus
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Hat jetzt einen heißen Draht nach Aachen: Der Berliner Musical-Sänger Samuel Schürmann. Im Grenzlandtheater begeisterte er in der Rolle der Drag-Queen Zaza. Foto: Harald Krömer

Aachen. Irgendwie zieht sich der Song „Ich bin was ich bin“ wie ein roter Faden durch Samuel Schürmanns Leben. Die Hymne der alternden Drag-Queen Zaza aus dem weltbekannten Musical „La Cage aux Folles“ (Musik: Jerry Herman, Buch: Harvey Fierstein) begleitet den Berliner Sänger und Musiker nun schon seit zwölf Jahren. Und dass, obwohl er damit ursprünglich recht wenig anfangen konnte.

Wer im Aachener Grenzlandtheater vor rund einem Jahr eine der äußerst erfolgreichen „La Cage“-Aufführungen gesehen hat, kann das wohl kaum glauben. In der Rolle der Zaza brillierte Schürmann – die Zuschauer überschlugen sich mit Lob.

„Mit Händen und Füßen gewehrt“

Als Schürmann aber erstmals „Ich bin was ich bin“ singen sollte, weigerte er sich fast. „Mit Händen und Füßen hab ich mich gewehrt. Was hatte ich mit einem alten Transvestiten mit Federboa gemeinsam?“, sagte er zu einem Rollenangebot. Das war 2002. Damals stand der erste öffentliche Auftritt mit seinen Studienkollegen der Berliner Universität der Künste, Fach Musical und Show, an. Und sein Professor Peter Kock entgegnete: „Mach das mal, das passt zur Dir.“ Schürmann wagte es – und war fasziniert von der Rolle.

Ziemlich genau zehn Jahre später – im Herbst 2012 und auf Einladung von Regisseur Ulrich Wiggers – stellte er sich mit genau dieser Nummer in Aachen vor, überzeugte restlos und sagte diesmal ohne Zögern zu. Was folgte, waren zahlreiche ausverkaufte Aufführungen im Grenzlandtheater, Wartelisten und ein durchweg positives Echo. „Das hat wirklich voll eingeschlagen. Da ging ja ein regelrechter Hype in Aachen los“, erinnert sich Schürmann. „Die Leute haben mich erkannt, sich fast um die Karten gekloppt. Das war schon unglaublich.“

Das große Interesse und das tiefe Mitfühlen des Publikums an und mit der Rolle der Zaza erklärt der Musical-Sänger so: „Die Message von ‚La Cage‘ ist einfach sehr aktuell: Es geht um Liebe in einer Familie, und dass es einfach egal ist, wie diese aussieht.“ Sprich ob die klassische Konstellation Vater-Mutter-Kind oder eine bunte Familie mit zwei Vätern in der Schwulen- und Transvestiten-Szene – darauf kommt es am Ende nicht an. „So war auch das Feedback auf mich: Viele sagten: Das kam wirklich von Herzen“, erzählt Schürmann.

Neben den Zuschauern – „ich habe selten ein so herzliches Publikum erlebt“ – haben die Aachen-Aufführungen ihm wieder einmal vor Augen geführt: Er mag die kleinere Bühne, das Nah-Dran-Sein, den Augenkontakt: „Auf so einem engen Raum kriegst Du sofort zurückgemeldet, ob es die Leute berührt. Und das ist schließlich das Wichtigste.“

Auch deshalb hat es Samuel Schürmann wohl nie wie viele seiner Kollegen auf die ganz große Musical-Showbühne getrieben. „An den Stadttheatern spiele ich nicht irgendeine Rolle, die überall auf der Welt gleich ist. Sondern ich kann mitkreieren, bin in Kontakt mit Schauspielern, Opernleuten und Musikern. Das ist toll.“ So ist es auch kein Wunder, dass er derzeit wieder in Aachen zu erleben ist. In der schrägen Märchen-Musical -Collage „Into the Woods“ mit Songtexten von Stephan Sondheim nach dem Buch von James Lapine spielt er einen biederen Bäcker mit Kinderwunsch (siehe Box).

Mit Sondheim verbindet Schürmann allerdings noch viel mehr. Denn 2007 nahm er eine Solo-CD mit Liedern des durchaus anspruchsvollen Sondheim auf, der äußerst erfolgreiche und unter anderem mit mehreren Grammys ausgezeichnete Broadway-Musicalkomponist und -texter bedankte sich dafür sogar persönlich bei Schürmann. „Sein Brief hängt tatsächlich eingerahmt bei mir Zuhause“. Sogar mit einem 20-minütigen Telefonat mit seinem Vorbild kann sich der Berliner Sänger rühmen und ist noch heute tief beeindruckt. „Das war wirklich surreal“.

Schürmanns größter Traum ist – ganz klar – die Aufführung eines Sondheim-Musicals in Deutschland: „Sunday in the Park with George“. „Das kann ich mir gut in einem Berliner Museum vorstellen“, sagt er. „Aber die Musik ist nicht so eingängig. Das wird also noch warten müssen.“ Bis dahin hat Samuel Schürmann aber wohl auch keine Langeweile. Neben Musicalrollen – nach Aachen stehen in Berlin schon Angebote bereit – will er vor allem seine Konzerttätigkeit weiter ausbauen. Und dazu hat er in Aachen ganz unverhofft einen vielversprechenden Grundstein gelegt. Über Grenzlandtheater-Indendant Uwe Brandt ist er an den Jazzmusiker Heribert Leuchter und seine Band „Swing.it“ geraten.

Perfekte musikalische Symbiose

Gemeinsam haben sie sich nun schon bei mehreren Auftritten im Grenzlandtheater und im Alsdorfer Energeticon eine echte Fangemeinde erspielt und ersungen. „Die musikalische Symbiose bei uns passt einfach“, sagt Schürmann. „Wir wollen uns als Band und Act etablieren.“ Wie ernst das gemeint ist, können Leuchter- und Schürmann-Fans sowie Liebhaber guter Musik bereits am 16. Februar erneut in der Klangbrücke des Alten Kurhauses erleben. Dann treten sie zum vorerst zum letzten Mal gemeinsam auf – und präsentieren ihre frisch eingespielte CD. Weitere Konzerte und sogar eine Tournee sind in Planung.

Was aus einem Gastspiel in Aachen als Transvestit Zaza so alles werden kann...

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