Aachen - Trinkwasser sprudelt nur aus drei Brunnen

Trinkwasser sprudelt nur aus drei Brunnen

Von: Heiner Hautermans
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Fast überall, hier beim Brunnen im Elisengarten, sollten Interessenten davon Abstand nehmen, das sprudelnde Wasser abzuzapfen. Schilder machen deutlich, dass es sich nicht um Trinkwasser handelt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Für die flächendeckende Einführung von Trinkwasserspendern in deutschen Kommunen hat sich jetzt der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) ausgesprochen. Der Ausbau könne die Attraktivität der Innenstädte erhöhen und die Vermüllung mit Plastik- und Glasflaschen reduzieren, erklärte jetzt Geschäftsführer Gerd Landsberg. Der Bundestag hatte ein entsprechendes Vorhaben schon im September positiv bewertet.

Als Vorbilder werden Italien und die Niederlande angegeben, wo die Bürger an vielen Stellen und kostenlos ihren Durst stillen können. Wie sieht die Situation in Aachen aus und wie stellen sich Stadt und Wasserversorger Stawag zu diesem Vorschlag?

60 Brunnen gibt es in der Stadt Aachen, viele davon wie Hühnerdieb, Karlsbrunnen oder Wehrhafter Schmied stehen unter Denkmalschutz und sind eng mit der Stadtgeschichte verbunden. Theoretisch also genug Stellen, an denen das im Sommer kostbare Nass an die Oberfläche gelangt. An zwei Stellen ist es sogar sehr warm, riecht allerdings nach faulen Eiern und ist für den Verzehr nicht geeignet. Im heißesten Thermalwasser Mitteleuropas nämlich, das im Elisenbrunnen und am Burtscheider Markt aus der Tiefe kommt, ist vor sieben Jahren Arsen entdeckt worden. Nachdem die Behörden zuerst vor übermäßigem Verzehr des Heilwassers, das in früheren Zeiten als gesundheitsfördernd angesehen wurde, gewarnt hatte, wird es jetzt als nicht trinkbar eingestuft.

Das Schicksal teilen sie mit fast allen anderen Brunnen, teilt Axel Costard vom Presseamt mit. Die Wasserbecken werden nämlich entweder aus Bachläufen gespeist (Fischpüddelchen oder Karlsbrunnen), was nicht unbedingt die beste Qualität hat, oder verfügen aus Gründen der Sparsamkeit über ein Speicherbecken, in dem das Wasser immer wieder in den Umlauf gebracht wird und deshalb ebenfalls einer gewissen Verunreinigung unterliegt – kein Trinkwasser. Costard: „Die meisten Brunnen sind nicht zu Trinkwasserzwecken angelegt worden, sondern zur Verschönerung des Stadtbildes.“

Als Trinkwasserspende angelegt ist lediglich die Wasserstele nicht weit von der Bank an der Ursulinerstraße, in der Nähe des Eingangs zum Elisengarten. Sie sieht zwar eher aus wie ein zweigeteilter Poller, ist aber eigens dort aufgestellt worden, durstigen Öchern oder Touristen köstliches Nass zu liefern. Der Erfolg ist allerdings überschaubar: Ganze neun Kubikmeter wurden im Jahr 2013 dort verbraucht.

Fraglich ist, wie viel davon in den Bechern lechzender Bürger gelandet ist. Sechs Kubikmeter waren es am Möschebrunnen auf dem kleinen Münsterplatz, der ebenfalls direkt an das Trinkwassernetz angeschlossen ist. Dort fließt das Wasser nur, wenn man einen Druckknopf betätigt. Wasser in Trinkqualität läuft ebenfalls an der Hotmanspiif aus dem Maul der goldenen Löwen, allerdings nur von April bis Oktober von 11 bis 18 Uhr, durch eine Schaltuhr geregelt. An diesen drei Stellen kann also bedenkenlos der Durst gestillt werden. Mehr sollen es freilich nicht werden, wenn es nach den Verantwortlichen geht.

„Das Aachener Trinkwasser hat eine ausgezeichnete Qualität, so dass es für öffentlich zugängliche Trinkwasserspender sehr gut geeignet wäre. Gegenüber abgefülltem Wasser produziert das Wasser aus dem Hahn keinen besonderen Transport- und Verpackungsaufwand“, erklärt zwar noch Eva Wußing von der Stawag. Diese Stellen müssten jedoch sehr gut konstruiert sein, um die die hohe Qualität auf Dauer zu gewährleisten. „Daher wären diese Installationen nicht nur einmalig teuer, sondern müssten auch dauerhaft gewartet und kontrolliert werden.“

Ähnlich äußert sich Axel Costard für die Stadt: „Das ist eine teure Angelegenheit. Das Gebäudemanagement würde eher davon abraten.“ Die Entscheidung müsse allerdings die Politik treffen. So endet Stawag-Sprecherin Wußing sibyllinisch: „Vor diesem Hintergrund kann die Frage noch nicht abschließend geklärt werden.“

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