Trierer Straße: Nach den Räubern sprengt die Polizei

Von: Thomas Vogel
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Versuchte Sprengung eines Geldautomaten an der Trierer Straße: Weil die kleinen Zünder, die die Täter am Tatort zurückgelassen hatten, immer noch zündfähig waren, musste das Bombenräumkommando aus Düsseldorf kommen und sie kontrolliert sprengen. Die Polizei sperrte großräumig ab, sieben Personen wurden evakuiert. Fotos (4): Ralf Roeger Foto: Ralf Roeger
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Ein Experte für unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen ist dabei, die Sprengung der zurückgelassenen Zünder vorzubereiten. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ein lauter Knall weckt die Nachbarn der Deutsche Bank-Filiale an der Trier Straße am Freitagmorgen um kurz nach 4 Uhr. Anschließend ertönt eine Alarmsirene. Die weckt auch Patrick Hermanns, der „hinten raus“ schläft, wie er sagt. „Unsere Nachbarn haben die Jungs sogar noch gesehen“, berichtet er.

Die Jungs, das sind mindestens zwei, vielleicht noch mehr bislang unbekannte Täter, die Freitagmorgen einen Geldautomaten in der Bankfiliale sprengen und ausnehmen wollen. Ein paar Meter neben der Eingangstüre zur Bank ist eine Scheibe zertrümmert. Dort waren die Täter vermutlich eingestiegen. Dem Versuch, an das Geld zu gelangen, folgt die Flucht und einige Herausforderungen für die Einsatzkräfte, weil die alarmierte Feuerwehr Explosionsgefahr feststellt.

Vieles an dieser Tat wirkt altbekannt: Mehrere Täter, die Gas in einen Geldautomaten einleiten, um ihn auf diese Weise aufzusprengen. Oder die anschließende Flucht in einem hochmotorisierten, dunklen Audi. Das hat man so schon gehört. Der Unterschied in diesem Fall: Es bleibt beim Versuch. Aus einem für die Experten der Polizei bislang unerklärlichen Grund geht der Plan der Täter nicht auf. Bevor das Gas durch eine Explosion den Automaten öffnet, gibt es offenbar eine Verpuffung und den damit verbundenen lauten Knall, der die Nachbarn weckt.

Die Unbekannten lassen ihr Werkzeug fallen und treten Hals über Kopf die Abreise an – mit leeren Taschen, ohne Beute. Die Flucht führt Richtung Autobahn im dunklen Audi mit Alufelgen. Der Wagen hat außerdem silberfarbene Außenspiegel – ein charakteristisches Detail an den sportlichen S- oder RS-Modellen des Herstellers, in denen leistungsstarke Motoren verbaut sind.

Die gegen 4.17 Uhr alarmierten Einsatzkräfte sind schnell am Tatort. Sofort nach Alarmierung leitet die Polizei mit Unterstützung durch belgische Kollegen eine Fahndung ein. Sie verläuft erfolglos. Messungen der Feuerwehr am Tatort ergeben: Gas in der Luft. Weil Explosionsgefahr besteht, werden die umliegenden Wohnungen geräumt, die Polizei sperrt Straße und Gehsteig. Nichts fährt, nichts geht mehr.

Noch Gas im Automaten

Vom Landeskriminalamt treffen USBV-Entschärfer (USBV = Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen) ein, die bestätigen: Im Automat befindet sich noch Gas, außerdem wurden zwei Zünder zurückgelassen. Die müssen vor Ort gesprengt werden. Das passiert zwischen 9 und 9.30 Uhr. Wieder knallt es, diesmal etwas leiser. Anschließend wird zumindest die Fahrbahn wieder freigegeben und der Verkehr kann rollen.

Gleich neben der Bank, innerhalb des mit Polizei-Flatterband immer noch abgesperrten Bereichs auf dem Gehweg, befindet sich das Schuhgeschäft Hermanns. Im Eingangsbereich stehen ein paar Anwohner, die evakuiert werden mussten. Unter ihnen ist auch Patrick Hermanns, der Inhaber des Schuhgeschäfts. Aus der Bankfiliale tritt eine Frau in weißem Ganzkörperanzug und blauen Gummihandschuhen auf ihn zu. Sie zieht ihren Mundschutz etwas nach unten und spricht Hermanns an: „Sie dürfen nun wieder in ihre Wohnung. Es kann nichts mehr passieren.“

Knapp sechs Stunden nachdem der Einsatz gestartet war, es ist etwa 10.20 Uhr, stehen nur noch zwei uniformierte Polizisten vor der Bank. Sie müssen Kunden aufhalten, die in die Filiale hineinlaufen wollen. Ein Seniorenpärchen ereilt der Appell des Uniformierten gerade noch auf der Schwelle der Eingangstür. „Halt! Stop! Sie können da jetzt nicht rein. Hier ist geschlossen“, sagt der Polizeibeamte. In der Filiale halten sich zu diesem Zeitpunkt nur Mitarbeiter der Spurensicherung auf. Ein Mann im Anzug – dem Eindruck nach könnte er in einer Bank arbeiten – unterhält sich vor der Filiale mit Beamten in Zivil.

Wenig später versuchen die Beamte selbst, ob man durch die Öffnung in der Scheibe in den Vorraum zur Bank gelangen kann. Es gelingt ihnen recht mühelos.

Zeugen, die sachdienliche Hinweise geben können, bittet die Polizei sich zu melden unter Telefon 0241/9577-31401 oder außerhalb der Bürozeiten unter Telefon 0241/9577-34210.

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