Tresore im Hangeweiher: „Panzerknacker“ vor Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
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Geborgen: Drei Geldschränke holten Taucher des Technischen Hilfswerks im Dezember 2011 aus dem Hangeweiher. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nicht schlecht staunten die Männer vom Technischen Hilfswerk (THW), als sie zwei Tage vor Jahreswende 2011/2012 zu einem Einsatz an Aachens Hangeweiher gerufen wurden. Die Helfer, die immer schweres technisches Gerät an Bord haben, zogen mit ihrem Kran drei mittelschwere aufgeknackte Tresore aus dem trüben Nass des Kahnweihers im Kaiser-Friedrich-Park, der vom Flüsschen Pau gespeist wird.

Dem merkwürdigen Fund folgten an derselben Stelle weitere im April und im August 2012, als Taucher wieder zwei Tresore mit Scheckkarten und Schlüsseln, aber ohne Bargeld fanden und an Land zogen. Da tappte die Polizei noch im Dunkeln, wie sie jedenfalls verlauten ließ.

Nun stehen seit Dienstag die vier mutmaßlichen Verursacher der in vieler Hinsicht illegalen Entsorgung des schweren Metalls vor dem Aachener Landgericht. Drei der vier jungen Männer im Alter zwischen 23 und 26 Jahren, die sich über mehr als ein Jahr erfolgreich als ausgebuffte „Panzerknacker“ betätigt haben sollen, stammen aus Aachen.

Und sie sagten am ersten Prozesstag zunächst einmal gar nichts. Denn ihre Anwälte gehören ohne Ausnahme zur Spitzenklasse der Strafverteidiger im Gerichtsbezirk und sind für eine kämpferische Linie bei der Prozessführung bekannt.

Sie verordneten ihren Mandanten zunächst einmal komplettes Schweigen vor der 1. Großen Strafkammer mit dem Vorsitzenden Richter Arno Bormann. Verlesen wurde die Anklage durch den Staatsanwalt, nach der den vier Angeklagten 37 Fälle von Einbrüchen mit Tresordiebstählen aus Altenheimen und Seniorenstiften zur Last gelegt werden, die sich im Kreis Aachen, Kreis Heinsberg, im Raum Köln/Bonn oder auch im belgischen Grenzgebiet, etwa in Bütgenbach, abspielten.

Verhandelt werden auch mehrere Fälle in Aachen, wie etwa zwei Altenpflegeeinrichtungen in Laurensberg, die im Oktober und Ende November 2011 ausgeräumt wurden. Anfang November 2011 hatte man bereits ein Altenstift in Aachen ins Visier genommen, aus dessen aufgeknackten Tresor man immerhin stattliche 23 000 Euro erbeutete.

Die Vorgehensweise war laut Anklage immer die gleiche. Die mutmaßlichen Täter kauften Autos an, ersetzten die Kennzeichen durch gestohlene Exemplare und fuhren nachts zum nächsten Altenheim. Der Fahrer blieb sitzen, die anderen machten sich an die schwere Arbeit.

In insgesamt neun Fällen wurden die Panzerknacker gestört, sie ließen alles stehen und liegen und flüchteten. Beim Coup in der AWO-Einrichtung am Kennedypark im August 2012 hatten die Täter anscheinend nicht mit der Schläue der Betreiber gerechnet. Nachts knackten sie zunächst einen kleinen Tresor, in dem sich der Schlüssel zum großen Geldschrank befand. Den wollten sie dann in der Nacht danach leerräumen. Doch als sie kamen, hatte man den Tresor bereits in Sicherheit gebracht.

In der Nacht zum 18. Oktober war es dann soweit. Nach einem Bruch in Dormagen stoppte die Polizei den Fluchtwagen in Aachen-Haaren mit einer Straßensperre. Der Fahrer rammte einen Polizeiwagen, zerstörte dessen Vorderachse. Das Quartett flüchtete zu Fuß weiter und wurde per Hubschrauber verfolgt – und festgenommen.

Anwalt Norbert Hack lehnte zunächst die Ausformulierung der Anklageschrift ab. Sie sei zu wenig differenziert, die einzelnen Tatbeiträge nicht gekennzeichnet. Verteidiger Peter Nickel stellte den Antrag auf Ablehnung des Vorsitzenden der 1. großen Strafkammer wegen Besorgnis der Befangenheit.

Sollte dieser Antrag abschlägig beschieden werden, geht es mit dem ersten Aachener Panzerknackerprozess am Freitag, 3. Mai, ab 9 Uhr im Landgericht am Adalbertsteinweg weiter.

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