Trauer: Christophe Thouet ist tot

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Er ist am vergangenen Samstag völlig überraschend in seiner Heimatstadt gestorben: Christophe Thouet, erfolgreicher Modedesigner und Schöpfer des Thouet-Mundartpreises, wurde nur 53 Jahre alt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ohne Frage zählte er zu den kreativsten Köpfen der Kaiserstadt. Und er liebte den großen Auftritt – auch wenn er selbst dabei fast immer im Hintergrund wirkte. Am vergangenen Samstag ist der Aachener Modedesigner Christophe Thouet im Alter von 53 Jahren tot in seiner Aachener Wohnung aufgefunden worden.

Ein Fremdverschulden ist nach AN-Informationen auszuschließen.

Christophe Thouets Leidenschaft galt stets seinem Handwerk, seiner Kunst – als Couturier lernte der Spross einer erfolgreichen Unternehmerfamilie das Metier bei den Größten der Zunft in Wien und vor allem in Paris. Seine extravaganten Kostüm-Kreationen eroberten von der Seine-Metropole aus, wo er rund zweieinhalb Jahrzehnte lebte und arbeitete, die Laufstege in aller Welt. Aber sein Öcher Herz trug er mit der ebensolcher Begeisterung auf der Zunge.

Seine spektakuläre Proklamation als Prinz Karneval 1985 nutzte Christophe Thouet sogleich auch, um den Platt-Fans und deren bekanntesten Protagonisten ein großes Geschenk zu machen. Seinerzeit rief er den Thouet-Mundartpreis ins Leben, mit dem seither zahlreiche prominente Persönlichkeiten und Institutionen ausgezeichnet worden sind – die Preisverleihung, die stets als großes gesellschaftliches Ereignis Anfang Januar im Rathaus stattfindet, gilt längst als eine der wichtigsten ihrer Art im Dreiländereck, die Liste der Auserwählten liest sich wie ein kleines Lexikon der bekanntesten Mundartförderer und -könner der Stadt.

Dabei hatte Christophe Thouet, der am 20. Juli 1960 als zweites von vier Kindern des bekannten Unternehmerpaars Hans-Josef und Helmi Thouet geboren wurde, nach dem Abitur am Rhein-Maas-Gymnasium sein großes berufliches Ziel längst fest vor Augen. Alles begann wie im Märchen. 1980 schrieb er einen Brief an Karl Lagerfeld. Und fragte keck an, was er tun müsse, um mindestens so erfolgreich zu werden wie der vielleicht schillerndste aller Modezaren. Der Meister antwortete ausführlich. Thouet folgte seinen Ratschlägen prompt mit großem Erfolg – und bis ins Detail bei jedem Schritt auf der Karriereleiter.

In Wien gelang ihm der Sprung in Lagerfelds Meisterklasse an der Universität für Angewandte Kunst – als einem von nur zwei Kandidaten aus 96 Bewerbern. Dann studierte er an der hoch renommierten Pariser École de la Couture, wo er 1984 sein Diplom erwarb. 1987 gründete er sein eigenes Atelier in der Hauptstadt der Mode schlechthin. Seine Mannequins bevölkerten bald die Laufstege unterm Eiffelturm, in Kyoto, München, Berlin, New York. Für seine raffinierten, mit unablässiger Liebe zum kunstvoll-komplizierten Detail geschneiderten Kostümen heimste er zahlreiche Preise ein.

So erhielt er 1992 mit dem Prix Dali eine der höchstkarätigen Auszeichnungen der Zunft. Doch seiner Heimat blieb er immer verbunden, auch vor seiner Rückkehr nach Aachen, wo er sich vor rund acht Jahren als selbstständiger Modedesigner niederließ. Thouet fertigte prachtvolle Kostüme für das sensationell erfolgreiche Musical „Gaudí“, das nach seiner Uraufführung unter der Regie von Elmar Ottenthal 1993 im Theater Aachen noch drei Jahre lang in Alsdorf begeisterte. Auch für die opulente Ausstattung der Darsteller in Ottenthals Musical-Inszenierung „Catharine“ zeichnete er verantwortlich.

Sein Schaffen wird nicht nur in Aachen unvergessen bleiben.

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