Aachen - Träume von eigener Wohnung und einer Familie

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Träume von eigener Wohnung und einer Familie

Von: Martina Stöhr
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Zeigen Gesicht: 14 Hartz-IV-Em
Zeigen Gesicht: 14 Hartz-IV-Empfänger haben Mut bewiesen. Ihre Fotografien und Geschichten sind in der Wanderausstellung „face to face” im Technologiezentrum am Europaplatz zu besichtigen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Glück heißt, Arbeit zu haben und einem geregeltem Tagesablauf nachgehen zu können”, zitierte Elke Breidenbach, Leiterin der Regionalagentur Aachen, und sprach damit all jenen aus dem Herzen, die die Anonymität durchbrochen und ihr Gesicht in der Wanderausstellung „face to face” öffentlich gemacht haben.

14 Hartz-IV-Empfänger erzählen von ihrem Leben und von ihren Träumen. „Gerne würde ich alle Gesichter sehen und ihre Geschichten hören”, sagte Stefan Graaf, Geschäftsführer Jobcenter Städteregion, mit Blick auf die 59.000 Menschen, die hier auf Hartz-IV angewiesen sind.

Sehnsucht nach Familie

„Wir interessieren uns für die Menschen und ihr Schicksal”, fügte er hinzu, als die Ausstellung „face to face” im Technologiezentrum am Europaplatz jetzt offiziell eröffnet wurde. Die Exponate entstanden unter professioneller Begleitung der Foto-Künstlerin Agnes Bläsen. Sie sind das Ergebnis von Kreativseminaren, die das Nell-Breuning-Haus zwischen 2009 und 2010 mit Langzeitarbeitslosen durchführte.

Herbert, Jahrgang 1989, ist einer von jenen, die in der Ausstellung ihr Gesicht zeigen. Er habe noch nie eine richtige Arbeitsstelle gehabt. „Ich wünsche mir, mal eine Chance zu bekommen. Ich möchte zeigen, was ich kann.” Bislang sei sein beruflicher Weg von Praktikumsstellen und Ein-Euro-Jobs gepflastert. Herbert träumt von einer Wohnung mit seiner Freundin und von eigenen Kindern.

Auch Nadine, Jahrgang 1978, sehnt sich nach einer eigenen Familie. Ihr Traum von einer Arbeit ist inzwischen in Erfüllung gegangen. Sie hat einen Minijob genau nach ihren Bedürfnissen gefunden.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist aber nach wie vor schwierig. Daran ließ auch Ralf Woelk, Vorsitzender des DGB NRW Region Süd-West, keinen Zweifel. Er warnte vor einer Euphorie über die stetig sinkenden Arbeitslosenzahlen. Es sei nicht zu erwarten, dass sich die Erwerbslosigkeit erledige. Das Normalarbeitsverhältnis habe sich in den letzten zehn Jahren dereguliert und abgebaut.

Forderung nach Mindestlohn

Woelk forderte eine Regulierung der Leiharbeit, Korrekturen bei Minijobs und einen flächendeckenden Mindestlohn. Und er sprach sich für einen öffentlich geförderten ersten Arbeitsmarkt aus.

Dann „Hartz Fear TV - Die Jensen Show” - ein Theaterstück von Langzeitarbeitslosen gibt Einblick „in den alltäglichen Wahnsinn von Hartz-IV-Empfängern”.

„Ich habe gelernt, dass ich kein schlechter Mensch bin, nur weil ich keine Arbeit habe”, sagte einer der Akteure. Für ihn beispielsweise war das Projekt vom ersten Tag ein Schritt aus der Isolation. Und seit dem sei es stetig vorangegangen.
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