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Traditionsreiche Ruhestätte und Ort des Trostes

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Mitten auf diesem Friedhof wurde zwischen 1899 und 1905 der Campo Santo angelegt, eine seltene neugotische Grufthalle, die heute unter Denkmalschutz steht. Diese Anlage ist einzigartig im Rheinland und in seiner Form ebenso in ganz Deutschland. Foto: Andreas Herrmann
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Grabmalensemble an der Vaalser Straße: Vor 125 Jahren ist der Westfriedhof I eingeweiht worden. Foto: Andreas Herrmann
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Lädt ob seiner prachtvollen Natur auch zum Spazierengehen oder zu einer stillen Pause ein: der beschauliche Ort des Erinnerns. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der Aachener Gartendirektor Heinrich Grube war derjenige, der vor 126 Jahren die Pläne für den Westfriedhof I skizzierte. Er hatte sich auch mit der Erweiterung des Stadtgartens sowie der Lousberg- und der Salvatorberganlage befasst.

Das große Areal auf der linken stadtauswärtigen Seite der Vaalser Straße wurde am 4. Januar 1889 geweiht, am gleichen Tag gab es dort auch die erste Beisetzung: Der evangelische Friedhof „feiert“ am heutigen Samstag sein 125-jähriges Bestehen.

Wer den Westfriedhof I besucht, erfährt auf nur wenigen Metern meist einen starken Kontrast. Vom Parkplatz an der Vaalser Straße kommend führt eine Überführung zum südlich gelegenen Teil. Von der Brücke bietet sich fast zu jeder Stunde ein Blick auf viele Autos. Nur wenige Meter weiter aber empfängt die Besucher bereits eine typische, nur hin und wieder von Zuggeräuschen unterbrochene Friedhofsstille. Und mit dem Blick auf die ersten prunkvollen historischen Grabstätten scheint auch die Zeit stillzustehen.

Seit 125 Jahren finden Menschen hier ihre letzte Ruhestätte. Monumentales Gedenken und schlichte Rasengräber, Ordensgemeinschaft und Sternenkinder – ein Gang über den Westfriedhof I ist auch eine Zeitreise durch zwei Jahrhunderte.

Blick zurück in die frühe Neuzeit: Eine Brücke verband einst getrennte Konfessionen Wer als Protestant in Aachen starb, konnte bereits seit 1605 nicht mehr auf eine innerstädtische Grabstätte hoffen. Nahe der äußeren Stadtmauer, wenige hundert Meter vor dem Kölntor, befand sich auf dem Flur „Am Güldenplan“ der erste kleine protestantische Friedhof. Er diente bis 1889 als letzte Ruhestätte und wurde danach Teil des heutigen Stadtgartens.

Beide Konfessionen

Mit dessen Schließung hieß es für die evangelischen Bürger und Bürgerinnen, ihre Angehörigen noch ein wenig weiter stadtauswärts beerdigen zu lassen. Doch auch der katholische Ostfriedhof stieß Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts an seine Aufnahmegrenzen. Deshalb hatte die Stadt rechtzeitig für beide Konfessionen Grundstücke in der Gemeinde Laurensberg erworben.

In einem ersten Schritt plante Gartenbaudirektor Grube (1840-1907) den stadtauswärts links von der Vaalser Straße gelegenen kleineren evangelischen Teil. Auf ihm wurde ein kreuzförmiges Wegesystem angelegt, das in der Mitte eine großzügige Rasenfläche ausspart. Dieser von Grube vorgesehene zentrale Freiraum ist eine Besonderheit des protestantischen Friedhofs.

Seine feierliche Weihung fand am 4. Januar 1889 statt, gleichzeitig auch das Datum der ersten Bestattung. Nicht verwunderlich ist es, dass unter den vielen seither auf dem Westfriedhof I eingerichteten Grabstätten eine an den Landschaftsarchitekten Heinrich Grube und seine Frau erinnert. Seine Anlage wurde schon 1921 erstmals erweitert, in den 50er Jahren folgte die zweite Vergrößerung. Notwendig wurde sie aufgrund der fehlenden Fläche für Reihengräber auf dem Westfriedhof II, der ein Jahr später, am 1. Mai 1890 geweiht wurde.

Mittlerweile umfasst der Westfriedhof I eine Fläche von rund 62 000 Quadratmetern, begrenzt von der deutsch-belgischen Bahnlinie im Süden und von landwirtschaftlichen Flächen am Gemmenicher Weg im Westen. Dass beide Friedhöfe nach Aufhebung der Konfessionstrennung 1937 eng miteinander verbunden sind, verdeutlicht nicht nur die gemeinsame Adresse, sondern auch die zentral angelegte Brücke.

Parkähnliches Terrain

Dass die Friedhöfe nicht nur eine „Endstation“ markieren, belegen täglich die zahlreichen Spaziergänger, die den Westfriedhof auf ihrem Weg Richtung Steppenberg nutzen. Ein Törchen am westlichen Ende und ein sich anschließender Fußweg hin zur Steppenbergallee sind der letzte Teil der fußläufigen Verbindung vom Westbahnhof über die Hollandwiese und den Westfriedhof bis hin zum Friedrichwald. Dabei lädt gerade das parkähnliche Terrain des Westfriedhofs I ein zu einer stillen Pause und zu so manch einer Entdeckung. Flechten, Moose, Insekten, Vögel – sie alle schätzen das städtische Naturrefugium mit dem artenreichen Baumbestand als passenden Lebensraum.

Sehenswerte Ausrufezeichen setzen beispielsweise die mächtige Blauzeder in farblichem Kontrast zu der gelben Form des Silberahorns, vor über hundert Jahren gepflanzt im Hintergrund des Grabensemble Suermondt, Wagner, oder die seltenen Kaukasischen Fichten.

Vielfach sind es gerade die Naturimpressionen, die etwas Trost spenden. Sie machen den allumfassenden Kreislauf von Werden und Vergehen auf das Schönste sichtbar.

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