Aachen - „Top Dogs“ feiert Premiere in der Klangbrücke

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„Top Dogs“ feiert Premiere in der Klangbrücke

Von: Eva Onkels
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Zwischen Spannung, Ratlosigkeit und starken Rollen: Das Aixpertentheater zeigt mit „Top Dogs“ ein Stück, das mit Kritik an der Konzentration des Lebens auf den Job nicht spart. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Warten Sie mit dem Kauf einer neuen Krawatte, bis unsere Beraterin Ihr Erscheinungsbild evaluiert hat!“ Im neuen Stück des Aixpertentheaters, das am Samstag, 13. Februar, in der Klangbrücke Premiere feierte, geht es um das Evaluieren, das Wiedereingliedern, aber auch um die Inhaltslosigkeit des globalisierten und auf die Wirtschaft und das Arbeitsleben fixierten Lebens.

Das Stück „Top Dogs“ von Urs Wimmer erzählt nicht die schon vielfach gehörte und gesehene Geschichte der gefeuerten Underdogs, der kleinen Leute, sondern der großen Manager, die – getroffen von der Kündigung – nicht so recht etwas mit sich anfangen können. Sie landen in einer Firma, die darauf spezialisiert ist, Führungskräfte in neue Jobs zu vermitteln; bei manchen klappt es – bei anderen nicht. „Zu alt, zu teuer, zu unflexibel“, heißt es über die Überfünfzigjährigen.

Keine Geschichte, eher Episoden

Globalisierungskritik, die leeren Phrasen einer von Anglizismen durchsetzten Arbeitswelt und letztendlich Klischeebilder von Mann und Frau ziehen sich durch das Stück, das keine Geschichte erzählen möchte, sondern verhaftet bleibt in kleinen Episoden. Das kann spannend sein und wird vom Ensemble auch gut gespielt – streckenweise zieht sich das Stück jedoch. Der Zuschauer blieb nach einigen Szenen ratlos zurück. So wird mehrfach im Stück die „Ode an die Freude“ angestimmt, deren tieferer Sinn sich nicht ganz zu erschließen vermag. Ist es eine Kritik an der Europäischen Union, deren Hymne sie ist? Ist es eine Kritik an der Vergötterung des „Business“? Es mag Teil der Konzeption des Stückes sein, dass man als Zuschauer einen Spielraum geboten bekommt, eine passende Interpretation zu finden, gestaltet sich zwischendurch jedoch schwer.

Die Höhepunkte des Stücks konnten dafür überzeugen. Vera Simon, Amanda Rodekamp, Astrid Kempen und Michael Strack – die Rollen im Stück trugen die Namen der Darsteller – spielten durchweg gutes Theater. Michael Stracks eindrucksvoller Wechsel vom weinerlichen gefeuerten Top-Manager zum rasenden Chef ging unter die Haut, Amanda Rodekamp und Vera Simon schafften in den „Gangübungen“, allein durch Körperhaltung ihre ganze Figur zu verändern. Astrid Kempen durfte in die Rolle des maskulinen „Top Dog“ schlüpfen und spielte gemeinsam mit Strack wohl eine der stärksten Szenen: „Blöde Kuh“, ein Streitgespräch zwischen Ehemann und Ehefrau in vertauschten Rollen.

Richtig gut auch „Die Schlacht der Wörter“: Die gesamte Episode offenbart all die Phrasen und sinnentleerten Wörter der heutigen neoliberalen Wirtschaftswelt, vorgetragen durch alle vier Darsteller in einer Synchronizität, die erschaudern lässt.

Nach „Der großen Klage“, dem Finale, in dem geradezu gottgleich die großen Unternehmen dieser Welt vorgetragen wurden, gepaart mit der Johannes-Offenbarung, fragte man sich, ob „Top Dogs“ nicht vielmehr eine Dystopie ist, die Geschichte einer Welt, in der der wirtschaftliche Erfolg über allem steht.

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