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Tohuwabohu: Aachens Linke völlig zerstritten

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Da zogen sie noch an einem Strang: Vor anderthalb Jahren fanden sich mit Andreas Müller, Marc Treude und Horst Schnitzler (v.l.) drei Einzelkämpfer im Rat zur Fraktion zusammen. Von Teamgeist konnte jedoch keine Rede sein, wie sich jetzt überdeutlich zeigt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Völlig aus dem Ruder gelaufen ist die Mitgliederversammlung der Aachener Linkspartei. Knapp 80 Mitglieder hatten sich am Samstag in den Kurparkterrassen zusammengefunden, um ihre Kandidaten für den nächsten Rat zu nominieren.

Bevor es dazu kam, sorgte jedoch eine chaotische und am Ende völlig ergebnislose Programmdebatte dafür, dass noch vor dem ersten Wahlgang knapp die Hälfte der Beteiligten erregt und verärgert den Saal verließ.

Darunter auch Parteisprecher Darius Dunker, der entnervt die Sitzungsleitung abgab, und Ratsherr Andreas Müller, der somit vermutlich keine Aussichten mehr auf einen Wiedereinzug in den Rat hat.

Noch aber ist nicht sicher, ob die Sitzung nach ihrem katastrophalen Verlauf überhaupt Bestand haben wird. Denn das reformorientierte Lager der demokratischen Sozialisten kündigte bereits den Gang zum Schiedsgericht der Partei an.

Die Versammlung sei eine Farce und habe mit Demokratie nichts zu tun. Sie sei „systematisch chaotisiert” worden, sagte Dunker. Von einem „enormen politischen Schaden” sprach Andreas Müller, der sich ebenso wie Dunker zunächst noch um eine Vertagung bemüht hat, um zu kitten, was längst nicht mehr zu kitten war.

Der tiefe Riss, der durch die Partei geht, war nicht mehr zu übersehen. Am Ende hatten jene Mitglieder, die dem trotzkistischen Flügel der Linken zuzuordnen sind, eine überdeutliche Mehrheit.

Die Reformer überließen den Revolutionären das Feld, bilanzierte ein Mitglied erschreckt. Eine Schande sei das für die Partei, er schäme sich. Mehrere Mitglieder kündigten noch auf der Sitzung ihren Austritt an.

„Wollt Ihr das wirklich durchziehen”, wollte Müller wissen, der erklärte: „Eine Partei, die sich öffentlich zerlegt, macht keinen guten Eindruck beim Wähler.”

Die Antwort war deutlich: Manfred Engelhardt übernahm die Sitzungsleitung und schob die Verantwortung für das Debakel all jenen zu, die die Sitzung verlassen hatten. Ratsherr Marc Treude sprach gar von einem Sabotageversuch.

Den abziehenden „Reformen” warf Treude vor, die Linke in ein schlechtes Licht zu rücken und nicht akzeptieren zu wollen, dass sie in der Minderheit seien.

Auch Ratsherr und Fraktionsgeschäftsführer Horst Schnitzler sprach von einem mangelnden Demokratieverständnis bei jenen, die gegangen sind. Er selbst zählt sich zu jener Minderheit in der Partei, die „für einen konstruktiven Dialog und innerparteilichen Ausgleich” stehe.

Politisch und formal sei es korrekt, in der Tagesordnung weiter voranzugehen, stellten die Verbliebenen fest. In der Folge aber verständigten sie sich darauf, lediglich die ersten sechs Plätze auf der Reserveliste zu besetzen und den Oberbürgermeisterkandidaten zu küren. Alle weiteren Positionen sollen zu einem späteren Zeitpunkt vergeben werden, in der Hoffnung, dass die verschiedenen Lager bis dahin wieder zueinander finden.

Für den Rat kandidieren nach bisherigem Stand der Dinge auf Platz 1: Marc Treude. Es folgen Doreen Ulrich, Marika Jungblut, Horst Schnitzler, Martina Haase und Jakob Dircks. Bislang ist die Linke mit drei Sitzen im Rat vertreten. Als OB-Kandidat soll Horst Schnitzler antreten.

Ob und wann sich das Partei-Schiedsgericht mit den Vorgängen in Aachen befassen wird, ist noch offen. Dunker erklärte, das Vorgehen der rund 40 Verbliebenen sei nicht repräsentativ für den Kreisverband mit immerhin rund 400 Mitgliedern.

Zu vorschnellen Reaktionen wolle er sich nicht hinreißen lassen. Er hoffe, Austritte aus der Partei verhindern zu können. Er selbst erwägt, als Sprecher die Vertrauensfrage zu stellen.
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