Tödliches Drama: Nachbar verblutet nach Trinkgelage

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Die Angeklagte Doris B. ist in der Psychiatrie untergebracht. Foto: Ralf Roeger
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In der ersten Etage (rechte Seite) des Greco-Hauses an der Hochstraße kam es am Samstag zu einer Tragödie, bei der ein Mann durch mehrere Messerstiche starb. Foto: Georg Schmitz

Aachen/Heinsberg. Doris B. (58) kann sich nicht mehr an vieles erinnern. Die Frührentnerin aus Heinsberg steht vor der Aachener Schwurgerichtskammer. Sie wird beschuldigt, am 2. März dieses Jahres einen Nachbarn getötet zu haben.

Der etwa 70-jährige Mann starb nach einem Zechgelage, weil Doris B. ihm mit einem Küchenmesser Stiche in den Arm zugefügt hatte und ihn dann im Rausch liegen ließ. So lautet der Vorwurf in der Anklageschrift auf „Körperverletzung mit Todesfolge“. Die soll die Beschuldigte, die in einer Psychiatrie untergebracht ist, im Zustand der Schuldunfähigkeit wegen einer akuten Psychose dem Opfer beigebracht haben. „Ich kann mich nur noch erinnern, dass der H. mich mit der Wodka-Flasche bedrohte. Ich wollte keinen Schlag auf den Kopf. Da habe ich ihm das Messer in den Arm gestochen.“

Dann erst nahm die Tragödie ihren Lauf. Denn der unter Blutarmut leidende und alkoholisierte Mann legte sich wohl auf die Couch und schlief ein. Er starb unbemerkt, weil auch die Beschuldigte nebenan im Sessel schlief und den Blutverlust ebensowenig bemerkte wie das Opfer selbst.

Die beiden waren Nachbarn und schienen des öfteren miteinander zu zechen. Doris B. gab an, dass ihr Leben seit dem Unfalltod ihres Sohnes im Jahr 1994 nicht mehr richtig funktioniert habe. Die frühere kaufmännische Angestellte fasste seit dieser Zeit in keinem Job mehr richtig Fuß, litt unter Depressionen und stand zeitweise unter Betreuung. Die hatte sie aber seit 2010 abgelehnt. Auf Nachfragen der Vorsitzenden Richterin Hildegard Tag kam heraus, dass sie erst nach drei Wochen in der Essener Psychiatrie wieder freiwillig Medikamente zu sich nahm.

Der Polizist, der als erster Beamter am Tatort ankam, schilderte ein „unvorstellbares Chaos“ in der Wohnung des Opfers. So etwas habe er in seinem Berufsleben noch nicht gesehen, auch die Wohnung der Beschuldigten, das hätten weitere Nachbarn berichtet, habe so ausgesehen. „Die Wohnung des Opfers war vollkommen zerlegt“, wunderte sich der Polizist im Zeugenstand.

Zu klären war am ersten Verhandlungstag nicht, warum die Ehefrau des Opfers nicht in der Wohnung war. Sie war anscheinend schon nachts nicht da, als Doris B. aus ihrer gegenüberliegenden Wohnung in die des Opfers übergesiedelt war. Das schien regelmäßig so stattzufinden - man trank viel zusammen.

Aus den Akten gehe hervor, dass die Ehefrau mittags an der Wohnungstür geklingelt habe, ihr aber niemand aufmachte. Warum sie an ihrer eigenen Türe klingeln musste, erschloss sich nicht weiter.

Erst der Notarzt stellte gegen 17 Uhr den Tod des Mannes fest. Er war verblutet. Die Beschuldigte war nach eigenen Angeben kurz zuvor wach geworden und hatte Nachbarn benachrichtigt. „Er wollte mich mit der Wodka-Flasche schlagen“, sagte sie immer wieder vor dem Schwurgericht. Von seiner Krankheit habe sie nichts gewusst.

Der Prozess wird am 10. September fortgesetzt.

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