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Tödlicher Arbeitsunfall 2008: Freispruch für AM-Bauleiter

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Polier Gerd B. (43) brachte es vor dem Aachener Amtsgericht auf den Punkt: „Kein Mensch auf der Welt hätte diese Stützen weggenommen”, beteuerte der ehemalige Vorarbeiter im „Haus fünf” auf der Baustelle des neuen Aachen-Münchener-Direktionsgebäudes in der Borngasse.

Er selbst und der Geschäftsführer einer Krefelder Baufirma, Hans M. (46), waren am Dienstag vor Richterin Julia Jansen angeklagt, weil am 9. Dezember 2008 ein 45-jähriger Bauarbeiter einen tödlichen Unfall erlitt. Der Maurer hatte damals die Seitenhalterungen an bis zu fünf Tonnen schweren und noch freistehenden Betonplatten abgeschraubt - aus für die Zeugen völlig unerfindlichen Gründen.

Als er die letzte Spange, mit der die Platten vor dem Umfallen geschützt waren, abgeschraubt hatte, begrub das fünf Meter breite und drei Meter hohe Fertigteil den Mann unter sich. „Wir hörten einen Knall”, beschrieben Augenzeugen die Schrecksekunde, nur die Hände des Opfers hätten noch hervorgelugt. Der 45-Jährige überlebte nicht, obwohl ein Kran das Betonteil sofort anhob. Ein angehender Mediziner war zufällig vor Ort und machte Wiederbelebungsversuche - vergeblich.

Unterweisung fand statt

Polier und Geschäftsführer der damaligen Baumannschaft wurden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt - auch weil es zunächst so schien, als ob vor dem Geschehen eine Einweisung und Aufklärung der Bauarbeiter über mögliche Gefahren im Umgang mit den Fertigwänden unterlassen worden war. Doch die Beweisaufnahme bestätigte das nicht. Übereinstimmend sagten Zeugen, darunter ein langjähriger Mitarbeiter der Firma, dass eine Einweisung stattgefunden habe, auch das spätere Unfallopfer war dabei.

Die Richterin kam im Urteil zu dem Ergebnis, dass den Angeklagten eine Verletzung ihrer Sorgfaltspflicht nicht vorzuwerfen sei. „Selbst Laien”, so Jansen, „müsste klar sein, dass diese Wände umfallen” - wenn man die Sicherungsanker entfernt. So berichteten alle Zeugen übereinstimmend, der Getötete habe die Baustelle nur aufräumen sollen.

Warum er zu Werkzeug, zu Ratsche und Schraubenschlüssel, griff und die noch nicht verarbeiteten und ausgegossenen Zwischenwände aus ihren Halterungen demontierte, erschloss sich niemandem. „Das Motiv bleibt völlig unklar”, meinten beide Anwälte beinahe ratlos.

Eines stellte die Richterin fest: „Es war dort nicht alles optimal in puncto Sicherheit. Es wurde unter erheblichem Zeitdruck und Stress gearbeitet.” Das ergebe zwangsläufig eine erhöhte Fehleranfälligkeit.
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