Radarfallen Blitzen Freisteller

Todesfahrer wollte wohl nichts vertuschen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
todes_bu
Grauenvolle Szene auf der A44 kurz hinter der belgischen Grenze im Februar: Ein Audi A6 hatte in der Frühe einen Sattelzug gerammt. Der Vorwurf auf, der Fahrer habe den dabei getöteten Beifahrer hinter das Lenkrad gezogen, um schuldlos davonzukommen, wurde jetzt vor Gericht entkräftet. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zwei Monate nach dem schweren Unfall am 9. Februar dieses Jahres auf der A44 zwischen der belgischen Grenze und dem Autobahnkreuz Aachen verhandelte am Dienstag das Schöffengericht gegen den wegen fahrlässiger Tötung angeklagten Pkw-Fahrer Alexander L. (35).

Der hatte an jenem frühen Montag Morgen - es war noch stockdunkel - mit hoher Geschwindigkeit einen schweren Sattelzug gerammt - die rechte Seite seines silberfarbenen A6-Kombi wurde völlig zerstört. Durch den heftigen Aufprall wurde sein Beifahrer Dimitri I. getötet.

Nach damaligen Berichten wurde der Todesfahrer wegen merkwürdiger Begleitumstände direkt nach dem Unfall in Untersuchungshaft genommen, zudem stellte die Polizei einen Blutalkoholwert von rund 1,8 Promille fest.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Christoph Gast verurteilte den geständigen Unfallfahrer nun wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung, das Urteil entsprach exakt dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Der Fall hatte überregional Schlagzeilen gemacht. Damals hieß es nach ersten Beobachtungen des Lastwagenfahrers, Fahrer Alexander L. habe seinen getöteten Beifahrer auf den Sitz hinter dem Lenkrad gehievt und so den den Eindruck erwecken wollen, dass der Getötete und nicht er bei dem Unfall am Steuer saß.

„Kein gefühlskalter Krimineller”

Dem widersprach das Gericht in seiner Urteilsbegründung ausdrücklich, wie der Kölner Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Christoph Klein, feststellte. „Es war keineswegs so, wie es damals dargestellt wurde”, bekräftigte der Anwalt gegenüber unserer Zeitung.

Danach schilderte Richter Gast, wie sich das Geschehen für das Gericht darstellte. Der Angeklagte sei im übrigen völlig geständig gewesen „und nicht der gefühlskalte Kriminelle”, als der er dargestellt wurde. Das Opfer sei schließlich sein bester Freund gewesen, er habe jenen morgens zur Arbeit fahren wollen und noch immer leide er schwer unter dem Tod seines Freundes.

Hinter den Sattelzug

Das Gericht habe weiter festgestellt, so Anwalt Klein, „dass der Angeklagte den Verstorbenen aus dem Fahrzeug gezogen und versucht hatte ihn wiederzubeleben.” Erst als dies nicht zum Erfolg führte, hieß es weiter, habe Alexander L. den Getöteten auf den Fahrstreifen zum Schutz hinter den stehenden Sattelzug gezogen.

Der Richter merkte an, dass sich für „eine Vertuschungshandlung” keinerlei objektive Anhaltspunkte ergeben hätten.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung verzichteten nach dem Urteil auf die Einlegung von weiteren Rechtsmitteln, so dass das Urteil rechtskräftig ist.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert