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Tod einer 79-Jährigen: Überraschter Einbrecher schlug zu

Von: Von Wolfgang Schuhmacher
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Aachen/Düren. Drei Mal nahm der Angeklagte Anlauf, am Mittwoch brach ein Geständnis aus ihm heraus. Teilweise unter Tränen verlas Anton P. (45) aus Düren eine Einlassung vor dem Aachener Schwurgericht, wonach er am 10. Mai 2012 eine 79-jährige Wohnungsinhaberin getötet hatte. Dabei schilderte er die Tat nicht als den kaltblütigem Mord, den ihm die Anklage vorwirft.

Die als vermögend geltende alte Dame war eine Bekannte der Schwester des mehrfach wegen Wohnungseinbrüchen verurteilten P. und hatte ihn am Tattag bei einem von langer Hand geplanten Einbruch überrascht. „Es war ein unglückliches Versehen“, versuchte der Angeklagte unter Tränen vor dem Aachener Schwurgericht unter dem Vorsitz von Richter Gerd Nohl Verständnis zu wecken.

Danach sollte die erst kürzlich wegen eines Brandes in ihrer vorherigen Wohnung umgezogene Rentnerin ausgeraubt werden. Die sich derzeit auf freiem Fuß befindliche Schwester Lydia G. (48), die allerdings ebenfalls wegen Beihilfe auf der Anklagebank sitzt, sollte dafür sorgen, dass die alte Dame „im Keller etwas sucht oder mit der Schwester Kaffee trinken geht“, erklärte P. den Plan. Er habe nahe der Hauseingangstüre im Auto auf eine SMS seiner Schwester gewartet, dass sie das Opfer weg gelockt habe. Dann sei er durch die offene Haustüre rein ins Mietshaus.

„Im Flur zog ich mir Wollhandschuhe und eine Sturmmaske auf, so wie ich es immer mache“, erklärte der  Angeklagte.

Er habe sich ein wenig gewundert, dass auch die Wohnungstüre ein paar Stockwerke höher einen Spalt offen stand. Das sei anders abgesprochen gewesen. Doch er habe sich an die Arbeit gemacht, im Wohnzimmer und in der Küche nach Schmuck und Tresoren gesucht. Die alte Dame war bekannt dafür, dass sie gerne und großzügig Schmuck kaufte, beim Teleshopping etwa. Den bewahrte sie, wie auch größere Summen Bargeld, in einem kleinen Tresor auf. Darauf richtete P. sein Augenmerk. Doch dann sei alles aus dem Ruder gelaufen.

„Was machen Sie da?“ habe er urplötzlich eine Stimme von hinten gehört. Dann begann die alte Dame zu schreien, umklammerte den Einbrecher von hinten. „Sie rief laut nach meiner Schwester“, las er aus seinem schriftlich niedergelegten Geständnis vor. Da habe er ihr die Hand auf den Mund gedrückt, woraufhin die wehrhafte 79-Jährige prompt zubiss. „Ich fasste mit meiner Hand einen Gegenstand“, erklärte er. Das sei eine hölzerne Gewürzmühle gewesen. Mit der „schlug ich zwei bis drei Mal zu“. Er traf sein Opfer auf den Kopf, die alte Dame brach zusammen und fiel „hart auf den Boden“.

Völlig erschüttert und unter Tränen habe er sodann immer wieder versucht, sein Opfer wiederzubeleben. „Ich suchte am Handgelenk ihren Puls.“ Doch da war nichts mehr.

Doch dann scheint sich P. wieder gefasst zu haben und begann, den Schlüssel für den Tresor zu suchen. Er stahl nach eigenen Angaben 11.400 Euro Bargeld und 20 bis 30 Schmuckstücke, die er später versetzte. Maske, Handschuhe und die Gewürzmühle habe er später in der Rur entsorgt. Warum das mit der Schwester schief gegangen war, wisse er nicht. Er habe dann versucht, die Spuren zu verwischen, und einen Schwelbrand gelegt. Mit dem ersten Brand in der vorherigen Wohnung der Rentnerin habe er nichts zu tun.

Die Angehörigen im Schwurgerichtssaal brachen bei dem Geständnis in Tränen aus, denn die 79-Jährige galt als sehr selbstständig, munter und lebensfroh.

Der Grund, warum sich Anton P. erst am 17. Verhandlungstag zu dieser Einlassung durchgerungen hatte, war eine Begebenheit, die Kommissar Zufall hätte erfinden können. Denn am gleichen Morgen war ein völlig ehrbarer Verwandter von P. in der Wohnung der alten Damen, für die er Dekorationsarbeiten ausführen sollte. Strafverteidiger Björn Hühne: „Die gefundene DNA hätte ebenso von diesem Verwandten stammen können.“ Da entschloss sich Anton P., reinen Tisch zu machen. Der Prozess wird Freitag fortgesetzt.

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