Tivoli: Stadt spricht mit Kaufinteressenten

Von: Gerald Eimer
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Vor vier Jahren eröffnet und seitdem nie aus den Schlagzeilen rausgekommen: Der neue Tivoli an der Krefelder Straße hat der Alemannia kein Glück gebracht. Nun will die Stadt das Stadion kaufen. Foto: Revierfoto, Montage: ZVA

Aachen. Aachens bekannteste Problemimmobilie hat offenbar doch noch ihre wirtschaftlichen Reize. Drei Interessenten stehen aktuell mit der Stadt über den Erwerb des Tivoli in Verhandlungen. Dies bestätigte Dezernent Lothar Barth auf Anfrage der „Nachrichten“. Einzelheiten wollte er nicht nennen, da Vertraulichkeit vereinbart worden sei.

So kursiert bislang lediglich der Name des Rechtehändlers Michael Kölmel in der Öffentlichkeit, der am Montag auf der Alemannia-Jahreshauptversammlung als Kaufinteressent genannt wurde. Kölmel betreibt – unterstützt durch den österreichischen Getränkehersteller Red Bull – auch das Leipziger Zentralstadion. Ob das dortige Modell als Vorbild für Aachen taugt, sehen viele Experten skeptisch. Gleichwohl werde man sich in Leipzig kundig machen, deutet Barth an.

Symbolischer Preis

Über den möglichen Kaufpreis für das knapp 60 Millionen Euro teure Stadion an der Krefelder Straße will Barth ebenso wenig sagen wie zu den weiteren Plänen der Kaufinteressenten. Nach „Nachrichten“-Informationen geht es jedoch allenfalls um eine symbolische Summe.

Dies würde im Falle einer Einigung bedeuten, dass Stadt und Aachen-Münchener als Hauptkreditgeber der insolventen Stadion GmbH jeweils rund 18,5 Millionen Euro abschreiben müssten. Einzig die laufenden Kosten für Erhalt und Betrieb des Stadions, die aktuell bei rund zwei Millionen jährlich liegen sollen, blieben der Stadt erspart.

Neben Kölmel soll nach „Nachrichten“-Informationen auch ein internationaler Investmentfonds Interesse am Stadion und an einem Einstieg in den pleite gegangenen Traditionsverein haben. Die Idee dahinter: Alemannia wieder in höhere Ligen führen und Geld verdienen.

Und schließlich ist noch von einem privaten Investor die Rede, der ebenfalls an einer Tivoli-Übernahme interessiert sei. Gerüchteweise soll es sich dabei um den Aachener Investor Norbert Hermanns („Landmarken“) handeln. Hermanns selbst bestätigt das Kaufinteresse nicht, erklärt aber auf Anfrage, sich in den vergangenen Wochen intensiv mit dem Stadion und der Frage beschäftigt zu haben, „was man daraus machen könnte, wenn man es denn halbwegs wirtschaftlich betreiben will“. Es gebe Optionen, sagt er, dafür müsse aber auch viel Geld in einen Umbau gesteckt werden.

Hermanns sieht sich dabei weniger als Fußballfachmann und mehr als nüchtern kalkulierenden Immobilienentwickler. Gleichwohl weiß er, dass er sich in Sachen Tivoli in einen „emotionalen Hexenkessel“ begeben würde. Gegen das Einverständnis der Fans gehe daher gar nichts. „Als netter Aachener will ich ja weiter mein Bier in der Stadt trinken.“ Zu welchen Ergebnissen ihn seine Überlegungen geführt haben, will er freilich nicht preisgeben.

Dezernent Barth erklärt derweil, dass die Verwaltungsspitze in den nächsten Wochen mit allen Kaufinteressenten Gespräche führen wird und die Ergebnisse „zeitnah“ der Politik vorlegen wird. Die Ratsfraktionen erwarten ohnehin für Oktober einen Zwischenbericht zur Lage am Tivoli.

Zuletzt hat der Rat mit großer Mehrheit im April eine auf ein Jahr begrenzte Finanzspritze gewährt und damit der Alemannia ihre Auftritte am Tivoli in dieser Spielzeit überhaupt erst ermöglicht. Die laufende Saison soll zugleich genutzt werden, um weitere Nutzungs- und Vermarktungsmöglichkeiten für das Stadion auszuloten. Zu den laufenden Verkaufsgesprächen äußern sich die wenigen bereits eingeweihten Politiker, die sich zudem nicht offiziell äußern wollen, entsprechend zurückhaltend.

Mit leeren Händen?

Noch seien die Übernahmeangebote viel zu unkonkret, um sie bewerten zu können und sich dazu zu äußern. Die Sorge ist zudem groß, dass die Stadt am Ende zwar auf den Schulden sitzen bleibt, dafür aber auch kein Stadion mehr hat. So gibt es nicht wenige Politiker, die die Lösung bevorzugen, die Barth als „4. Variante“ bezeichnet: Die Stadt übernimmt das Stadion einfach selbst und vermarktet es auch selbst.

Dahinter steht nicht nur die Hoffnung, dass die Vermietung der Tivoli-Räumlichkeiten zunehmend besser in Schwung kommt und Geld in die Kassen spült, sondern dass eines Tages auch die Alemannia wieder auf die Beine kommt und einen Beitrag zur Stadionmiete leisten kann.

Welchen Weg die Politik am Ende bevorzugt, wird sich frühestens im Oktober zeigen.

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