Aachen - Tivoli-Brücke: Mächtig Zunder für die Bauverwaltung

Tivoli-Brücke: Mächtig Zunder für die Bauverwaltung

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Kommt sie doch noch oder eher nicht? Die geplante Tivoli-Brücke über die Krefelder Straße sorgt für Riesenärger. Foto: Harald Krömer

Aachen. Richtig Zunder gab es am Abend im Planungsausschuss für die Bauverwaltung. Anlass für die Politikerschelte war die superteure Tivoli-Brücke, die nun erstmal auf Eis gelegt ist. Insbesondere SPD, Linke und FWG hauten mächtig auf den Putz, weil sie nicht einsehen können, dass Kosten dermaßen aus dem Ruder laufen.

Die zuständige Beigeordnete Gisela Nacken gab zu, die ganze Sache sei „sehr unschön” und alles andere als glücklich gelaufen, doch in Sack und Asche wollte sie auch nicht gehen: Sie verwies auf den „wahnsinnigen Zeitdruck” beim riesigen Stadionprojekt und auf die „statisch unglaublich schwierige Konstruktion” der Brücke.

Auf Seiten der Kritiker brachte ihr das freilich nicht allzu viele Pluspunkte ein, immerhin geht es um exorbitante Steigerungsraten - im Verlauf des Verfahrens explodierten die Kosten von 800.000 auf zuletzt 2,45 Millionen Euro (Planungskosten inklusive).

So sagte FWG-Vertreter Hans-Dieter Schaffrath: „Es sind einfach zu viele Fehler gemacht worden, der Vorgang ist nicht durchschaubar, und der Stil gegenüber der Politik war respektlos”. Damit spielte er auf den zunächst sehr dünnen „Sachstandsbericht” der Verwaltung an, in dem gar von einer „Gesamtersparnis” die Rede war und der am Freitag durch eine deutlich umfänglichere Tischvorlage ersetzt wurde.

Andreas Müller (Die Linke) betonte denn auch, dass von Sparen keine Rede sein könne - 317.000 Euro Planungskosten sind auf jeden Fall perdu -, dass vielmehr „ganz teures Lehrgeld” bezahlt worden sei. Selbstkritisch fügte er allerdings hinzu, dass man eher die Reißleine habe ziehen müssen, denn der Rat habe noch im vergangenen September den ganzen Schlamassel abgesegnet.

Gleichwohl betonte Norbert Plum (SPD), man werde sich die „Bärbeißigkeit” nicht nehmen lassen, schließlich sei der Ärger mit der Tivoli-Brücke beileibe kein Einzelfall, und da werde man logischerweise auf Dauer ungehalten. Ganz übel fand Plum einen speziellen Klops an der Krefelder Straße: Die Stawag habe mal eben einen Kanal gebaut, wo der Brücken-Pylon hin sollte, und damit die Kosten noch mehr nach oben getrieben.

Der Sozialdemokrat: „Und hier wird erklärt, dass keiner was dafür kann. Gab es keine Bauaufsicht? Wenn mir jemand einen Kanal durchs Grundstück baut, würde ich das merken”. Fraktionskollege Claus Haase: „Der Fall schreit danach, vom Bund der Steuerzahler in sein Schwarzbuch aufgenommen zu werden.”

Eher moderat äußerten sich CDU und Grüne, deren Ratsherr Michael Rau auch „Versäumnisse” auf Seite der (privaten) Planer vermutete. Die Stadt soll jetzt prüfen, ob doch noch eine (Billig-)Brücke gebaut wird oder die Sicherheit der Tivoli-Besucher auch anders zu gewährleisten ist.
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