Aachen - Tivoli: Am Ende wird die Stadt wohl zugreifen

CHIO-Header

Tivoli: Am Ende wird die Stadt wohl zugreifen

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
Tivoli
Der Aachener Tivoli. Foto: dpa

Aachen. Wer Spaß an einem schicken Stadion hat, kann noch bis Ende des Monats ein Angebot abgeben. Diese Frist hat Frank Kebekus, Insolvenzverwalter der Alemannia Aachen Stadion GmbH, potentiellen Tivoli-Kaufinteressenten gesetzt. Doch so recht scheint kaum noch jemand an ernstzunehmende Bieter zu glauben.

 So deutet derzeit alles darauf hin, dass die Stadt demnächst um eine bedeutende Immobilie – man muss es wohl in Anführungszeichen setzen – „reicher“ sein wird.

Hinter verschlossenen Türen unterrichtete die Verwaltungsspitze am Mittwoch die Rats­politiker über den Stand der Alemannia-Insolvenzen, deren Auswirkungen auf die städtischen Finanzen bis heute nicht in Gänze zu überblicken sind.

Klar ist einzig, dass die Alemannia auf längere Sicht nicht das Geld einspielen wird, dass für Betrieb und Instandhaltung des Stadions benötigt wird – wofür die Stadt jährlich bis zu 3,5 Millionen Euro veranschlagt.

Zwei Optionen

Da ein Abriss der vor vier Jahren eröffneten und knapp 60 Millionen Euro teuren Spielstätte nicht ernsthaft in Frage kommt, werden derzeit vor allem zwei Optionen geprüft: Der Verkauf an Investoren und eine Übernahme durch die Stadt.

Insbesondere Kämmerin Annekathrin Grehling und Oberbürgermeister Marcel Philipp ließen zuletzt mehr oder minder offen durchblicken, dass ihnen ein Stadionverkauf die liebste Lösung wäre.

Zwar müsste die Stadt dann weiterhin für Zins und Tilgung eines 18,5 Millionen Kredits aufkommen, dafür müssten jedoch keine Folgekosten mehr aufgebracht werden.

Noch in der öffentlichen Ratssitzung machten die Politiker aller Fraktionen hingegen deutlich, dass in dieser grundsätzlich verfahrenen Situation eine Stadionübernahme durch die Stadt die größeren Reize haben könnte.

Die Stadt dürfe sich nicht „zur Lachnummer machen“ und das Stadion für einen symbolischen Euro einem Investor überlassen, der hinterher Kasse macht, warnte SPD-Fraktionschef Heiner Höfken.

Wie die SPD schlossen sich auch alle anderen Fraktionen einem Antrag der Grünen an, wonach die Verwaltung verstärkt ausloten soll, was die Stadt mit dem Stadion machen kann, um die Belastungen zu senken.

Denkbar sei vieles, wie die Grünen bereits in einem Pressegespräch dargelegt haben. Im und am Stadion sei Platz für Messen, Kongresse, Flohmärkte, Konzerte und selbst den Öcher Bend. Geöffnet werden soll der Tivoli auch für andere Vereine und Sportarten.

„Fast alle Vereine nutzen ihre Stadien auch für andere Veranstaltungen“, hat Grünen-Geschäftsführer Helmut Ludwig recherchiert. In Dresden – ebenfalls Schwarz-Gelb – werden jährlich etwa rund 300.000 Euro mit kleineren Veranstaltungen wie Führungen, Kindergeburtstagen, Hochzeiten, Kino, Public Viewing, Firmenevents, Kongressen oder Konzerten zusätzlich erwirtschaftet.

Es sei nicht einzusehen, warum die Aachener Verwaltung diese Entwicklungsmöglichkeiten bislang nicht untersucht hat, bemängeln die Grünen.

Verzicht signalisiert

Den Vorwurf der Untätigkeit hat OB Philipp im Rat zurückgewiesen. Und tatsächlich hat die Verwaltungsspitze im nichtöffentlichen Teil dargelegt, wohin die Reise voraussichtlich gehen wird: Demnach könnte die Stadt den Tivoli für einen Euro übernehmen und dort künftig die Regie führen.

Die Aachen-Münchener als weiterer Großgläubiger und das Land als Bürge sollen bereits signalisiert haben, in diesem Fall auf ihre Forderungen zu verzichten. Sobald bessere Zeiten kommen, werden sie an Gewinnen beteiligt.

Das weitere Zusammengehen mit privaten Investoren bei der Instandhaltung und Vermarktung des Stadions schließt die Stadt nicht aus. Denkbar also, dass dann auch wieder der Aachener Investor Norbert Hermanns zum Zuge kommt, der bisher offenbar als einziger Kaufinteressent Nutzungspläne vorgelegt hat.

Ihm soll vorschweben, eine Teiltribüne durch ein Hotel zu ersetzen und einen Einkaufsbereich zu schaffen. Auch ein Fitness-Studio, Diskothek, Klettergarten und Bowlingbahn sowie ein neues Bürogebäude seien denkbar.

Anders als Hermanns haben die bisher bekannten anderen beiden Kaufinteressenten – ein Investmentfonds und der Rechtehändler Michael Kölmel – ihre Angebote offenbar noch nicht konkretisiert.

Die Stadtspitze will sich Ende des Monats zudem bei einer niederländischen Firma kundig machen, wie Stadien kommerziell besser genutzt werden können. Die Niederländer sind unter anderem für Roda Kerkrade, Fortuna Köln und in Krefeld tätig.

Spätestens im November – nach Ablauf der vom Insolvenzverwalter gesetzten Frist – muss die Stadt also Farbe bekennen, ob sie an der Krefelder Straße zugreifen will. Ein Schnäppchen wird das Stadion selbst für einen Euro ganz sicher nicht. Aber wenn dort schon so viel öffentliches Geld reingesteckt wurde, soll es auch im öffentlichen Besitz bleiben, argumentieren die Politiker.

Ohnehin hat zuletzt auch der Oberbürgermeister den weiteren Ausbau des „Sportpark Soers“ ins Gespräch gebracht: Gleich neben dem Tivoli, so seine Vision, könnte eine neue große Sporthalle hochgezogen werden, in der die Bundesliga-Volleyballerinnen spielen, aber auch andere Veranstaltungen angeboten werden können. Die Hoffnung ist groß, dass die Städteregion den Bau der Halle finanziell unterstützt.

Leserkommentare

Leserkommentare (6)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert