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Thouet-Mundartpreis: Was früher unfein war, bringt jetzt Ehrung ein

Von: Georg Dünnwald
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Keine Sprachbarrieren: Ina Gröbner spricht Öcher Platt, Ehemann Robert bayrisch. Am Familientisch verständigt man sich auf „Hochdeutsch mit Knubbelen“. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ihre Dankesrede hat Ina Gröbner schon geschrieben. „In Reimform werde ich sie halten“, sagt sie. Am kommenden Sonntag wird die Krankenschwester in den Olymp der besten Öcher Platt parlierenden, dichtenden oder singenden Bürgern dieser Stadt aufgenommen. An diesem Sonntag, dem Dreikönigstag, wird der 46-Jährigen der Thouetpreis der Stadt Aachen verliehen.

Ein großer Bahnhof ist da sicher: Im Krönungssaal des Rathauses geht die Chose über die Bühne. Rund 750 geladene Gäste werden das Ereignis verfolgen, das in der Mundart-Szene auf einer Stufe mit dem Karlspreis oder dem Orden wider den tierischen Ernst rangiert.

Die Laienschauspielerin (Erholungsgesellschaft Eilendorf) darf selbst um die 40 Gäste mitbringen. „Das reicht eigentlich nicht, denn der Kreis aus Verwandten und Bekannten ist sehr groß“, sagt sie. Auf jeden Fall sind ihr Ehemann Robert und die Kinder Carina (20), die zwölfjährige Miriam und der neunjährige Florian mit von der Partie. Und natürlich die Ensemblemitglieder der Erholungsgesellschaft Eilendorf und –ganz wichtig – viele Mitstreiter der Tropigarde. Denn Ina Gröbner ist seit 31 Jahren ein begeistertes Mitglieder der Öcher Ausnahmegarde, die absolut Wert auf das „n.e.V.“ (nicht eingetragener Verein) legt.

Sie gehört dort einer Damenriege an, „die nicht so bekannt ist wie die 4 Amigos oder Josef, Jupp und Jüppchen, aber auch gut ist“.

Auf die Preisverleihung ist sie gespannt: „Ich freue mich. Am 30. Oktober vorigen Jahres, als im Weißen Saal bekanntgegeben wurde, dass ich die Auszeichnung bekomme, fühlte ich mich ein bisschen überrumpelt.Ich war aber gleichzeitig stolz, aufgeregt und auch wahnsinnig nervös. Und nervös bin ich jetzt auch, weil ich nicht weiß, was auf mich zukommt, ich muss mich eben überraschen lassen.“

Dabei ist Ina Gröbner gar nicht auf den Mund gefallen. Bei der Bekanngabe als 29. Preisträgerin reagierte sie schlagfertig und trocken: „Danke für die ausgezeichnete Wahl.“ Dabei hatte sie nach eigenen Worten „nicht die geringste Ahnung“. Sie war – wie alle Preisträger zuvor – unter einem Vorwand zur Bekanntgabe gelockt worden.

Kind des Ostviertels

Ina Gröbner ist ein Kind des Ostviertels. In der Viktoriastraße ist sie aufgewachsen, in der Sophien­straße verbrachte sie die ersten vier Schuljahre, an der Hugo-Junkers-Realschule setzte sie ihre Schulkarriere fort. „Ich habe die Schule gehasst“, bekennt sie, die gleich nach Schulabschluss Schwesternschülerin wurde.

Fast 30 Jahre ist Ina Gröbner nun am Marienhospital im Einsatz, dort ist sie OP-Schwester, 1986 machte sie ihr Pflegerinnen-Staatsexamen. „Ich war im Kindergarten Schleswigstraße“, erzählt sie aus ihrer frühesten Kindheit. „Im Kennedypark haben wir oft gespielt“, erinnert sie sich an schöne Zeiten im Ostviertel. Mit der Pfarre St. Josef war sie innig verbunden. „Dort bin ich zur Kommunion gegangen, dort war ich auch Messdienerin.“ Und irgendwie ist es die Gemeinde St. Josef, die auch verantwortlich für ihr Tropi-Dasein ist. Denn die Tropigarde ist aus dem Pfarrkarneval der ehemaligen Ostviertel-Pfarrei hervorgegangen. „St. Josef ist ja leider keine eigene Gemeinde mehr“, bedauert Ina Gröbner. Gerne erinnert sie sich an den legendären Pfarrer Lambert Drink. „Der hatte eine so mächtige Gestalt.“ Im Übrigen wäre sie sowieso nicht mehr Mitglied der Pfarrei.

Als sie ihren Robert, einen waschechten Bayern aus Waging am See im Jahr 1991 heiratete, wurde die erste gemeinsame Wohnung in der Soers bezogen. Einige Zeit später zog es die Familie Gröbner in ein Einfamilienhaus in Alsdorf.

Respekt vor Hubert Crott

Die beiden verstehen sich, trotz der unterschiedlichen Dialekte: Er spricht bayrisch, für rheinische Ohren ist das nicht sehr verständlich. Sie spricht selbstverständlich Öcher Platt, für bayrische Ohren ist das möglicherweise ein Graus. Also unterhalten sich die Eheleute auf Hochdeutsch mit Knubbelen. „Ich glaube nicht, dass ich perfekt Öcher Platt spreche“, bekennt die designierte Preisträgerin. „Der Hubert Crott spricht ein schönes, ja ein feines Platt“, ist Ina Gröbner überzeugt. Hubert Crott war auch ihr erster General bei der Tropigarde, ihm folgte Uwe Brandt (4 Amigos), der inzwischen von Sarah Siemons abgelöst wurde. „Alle drei sind wunderbare Menschen“, findet Ina Gröbner. Und sie muss es als „altes“ Tropi-Mitglied ja wissen.

„Als ich Kind war, galt Platt als unfein, also haben wir zu Hause Hochdeutsch gesprochen oder besser das, was wir dafür hielten.“ Aber, ihre Großeltern, die sprachen mit offenem Herzen die Aachener Mundart, und von den Altvorderen hat Ina Gröbner ihre Kenntnisse erworben. „Es wäre schade, wenn die Öcher Sproech sang-und klanglos den Bach runtergehen würde“, ist Ina Gröbner fest überzeugt.

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