Aachen - Theaterleitung beklagt Absperrungen wegen Nazi-Demo

Theaterleitung beklagt Absperrungen wegen Nazi-Demo

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Kaum mehr als 90 Nazis haben es geschafft, knapp 1000 Theaterbesuchern den Abend zu vermiesen.

Dies beklagt die Leitung des Stadttheaters in einer jetzt veröffentlichten Stellungnahme zu dem rechten Aufmarsch vor anderthalb Wochen in der Innenstadt. Einmal mehr stellen Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck und Verwaltungsleiter Udo Rüber die Frage, warum die Demonstration über den Theatervorplatz geführt wurde. Es ist nicht das erste Mal, dass damit indirekt auch die Polizeitaktik im Umgang mit Nazis in Frage gestellt wird.

In diesem Fall konnten Theaterbesucher nur aus Richtung Elisenbrunnen in die zwei ausverkauften Vorstellungen des Abends gelangen. Sie mussten Kontrollen durchqueren, zudem kreiste ein Hubschrauber über dem Haus. „Wir waren also – ohne unser Zutun – mitten im Zentrum der Demonstrationen“ beklagt die Theaterleitung. Das sei für die Besucher „kein schöner Umgang und keine schöne Einstimmung auf den Theaterbesuch“ gewesen.

Deutlicher wird die Linke in einer nahezu zeitgleich versandten Presseerklärung. Sie vermisst die Verhältnismäßigkeit, wenn für Nazis „aus Sicherheitsbedenken die halbe Stadt abgeriegelt wird“. Den Nazis werde ihre Hetze erlaubt, empört sich Fraktionschef Andreas Müller, aber „was ist mit dem Recht der Bürger?“

Zwar habe die Polizei den einstimmigen Beschluss der Kulturpolitiker beachtet, wonach braune Hetzer ihre Parolen nicht mehr auf dem Theatervorplatz verbreiten dürfen. Doch Mitarbeiter und Besucher hätten das Theater nur unter erheblichen Behinderungen erreichen können. Laut Matthias Fischer habe selbst der Generalmusikdirektor Kazem Abdullah Zeugen herbeirufen müssen, die seine Identität bestätigen konnten.

Derlei Erschwernisse seien „der Preis der Demokratie“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen. Er habe Verständnis dafür, dass die Absperrungen für viele Menschen unangenehm seien. „Aber wir haben die Belastungen für die Bürger, die Verkehrsteilnehmer und die Theaterbesucher so gering wie möglich gehalten. Mehr war nicht drin.“

Er betont, dass die Polizei weder den Demonstrationsweg beantragt, noch die Route am Theater vorbei festgelegt habe. „Das kommt von den Demonstranten.“ Man habe dem Veranstalter zwar viele Auflagen gemacht, gegen den Zugweg aber man wenig Handhabe. „Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut“, betont Kemen.

Die Behinderungen sollen nun auch Thema im Theaterausschuss werden.

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