Theaterdinner in der Brasserie Aix: Schmausen und schmunzeln

Von: Grit Schorn
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Theater im Restaurant: In der
Theater im Restaurant: In der Brasserie Aix begeisterte das Das Da Theater die Zuschauer. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ess- und Theaterkultur in Einklang zu bringen, das ist schon im zeitlichen Ablauf keine einfache Sache. Dass dies dennoch köstlich gelingen kann, zeigte der Freitag in der Brasserie Aix.

Die Premiere des diesjährigen Theaterdinners fand wieder in dem Restaurant in der Bismarckstraße statt, mit einem fantastischen Ensemble, das etwas ganz Neues in das urkomische Theater-im-Theater-Stück brachte: Gesang und Musik, arrangiert und am Piano begleitet von Christoph Eisenburger.

Der schöne Auftakt mit „Theater”, Katja Ebsteins Schlager-Oldie von 1980, ließ bereits aufhorchen. „Die können ja ganz toll singen”, wisperte es zwischen den gedeckten Tischen. Wie es schon in Ebsteins Eurovisionshit heißt - „Wir geben alles für euch” - übertraf das Mimen-Sextett alle Erwartungen.

Der Titel „Gretchen 89 ff” bezieht sich auf Goethes „Faust I”, abgedruckt im Reclamheft („Kästchenszene”) auf Seite 89 fortfolgende? Diese Szene zieht sich durch das ganze Stück und erfährt stets neue Variationen, da sich die „natürlichen Angstgegner des Theaters”, Mime und Regisseur, immer wieder in anderen Konstellationen gegenüberstehen. Zwischen Comedy, Kabarett und irrwitzigem Schau-Spiel formiert sich ein formidabler Bühnenspaß, der mit feinem Timing das Auftragen der Speisen in der Brasserie einbaut.

Der improvisierte Bühnenraum (Frank Rommerskirchen) im Restaurant ist eng, hautnah erleben die Zuschauer den Auftritt der sechs wandlungsfähigen Schauspieler, die immer wieder für neue Überraschungen sorgen. Songs wie „Money, money” oder „Männer sind Schweine” verbinden sich mit zwerchfellerschütternden Szenen. Ein Kotzbrocken von Regisseur (Philipp Scholz) trifft auf eine zaghafte Elevin (Michaela Spänle), die in die berühmte Kästchenszene „sinnliche Qualität und nicht diese Stadttheaterscheiße” bringen soll. Köstlich die scheue Männergruppe mit Mike Kühne, Philipp Scholz und Tobias Steffen.

Der Autor Hübner, Jahrgang 1964, fast schon so etwas wie ein „Hausautor” im Das Da Theater, bedient sich hier kunstvoll des Bühnen-Sprachgebrauchs und Typen der Theaterszene, alles lustvoll auf die Spitze getrieben. Theaterchef und Regisseur Tom Hirtz setzt Hübners fulminantes Stück ebenso fulminant um. Man will kaum glauben, dass Hübners Stück ohne Musik und Gesang entstand. Als arrogante Diva gefällt Rebecca Selle, die mit toller Stimmkraft den Regisseur in seine Schranken weist: „Don´t Stop Me Now”! Die Gesangseinlagen sind optimal eingepasst dank Maren Duponts Dramaturgie und Heike Sieverts Choreografie.

Michaela Gabauers Kostüme, besonders die der Damen, lassen nicht nur Männeraugen strahlen. Als hin- und hergeworfene Dramaturgin setzt Mona Luana Schneider tragikomische Akzente. Grandios-selbstverständlich mimt Mike Kühne den „Streicher”, der Goethes Text immer kürzer fasst und endlich „kleinkriegt”. Mutig, grell und komisch wie Jack Lemmon in „Manche mögen´s heiß” zeigt sich Tobias Scholz als üppige Blondine mit verrutschter Perücke und behaarten Beinen. Passend dazu der Song „Big, Blonde and Beautiful”!

Gegen Ende setzt das Ensemble noch einen drauf: Nicht nur mit der Glatzenperücke von Tobias Steffen und seinem Einsatz als Regisseur Riedel, sondern mit dem ollen Goethe ganz neu - Michaela Spänle legt als „Anfängerin” im Bühnengewerbe einen hinreißenden Auftritt hin, den das Publikum mit Beifallsstürmen begleitet.

Weitere Aufführungen auch noch im Januar

Weitere Dinnershows mit „Gretchen 89ff” im Aachener Restaurant Brasserie Aix (Nichtraucherbereich), Bismarckstraße 79, gibt es am 21. und 22. September, am 16., 17., 23., 24. und 30. November sowie am 1., 7., 8., 14., 15., 21. und 22. Dezember. Beginn ist immer um 20 Uhr. Im Januar 2013 geht es weiter.

Karten gibt es zum Preis von 59 Euro (inklusive 5-Gänge-Menü, ohne Getränke) im Theaterbüro, Liebigstraße 9. Karten-Telefon: 0241/161688.

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