Aachen - Theater schließt viele Schwerhörige aus

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Theater schließt viele Schwerhörige aus

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:
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An diesen Orten in Aachen gibt es bereits induktive Höranlagen. Heike Lang, Josef Rothkopf, Erich Stier uns Marion Bergk (von links) präsentieren den neuen Stadtplan für schwerhörige Menschen.

Aachen. „Seit Januar gibt es im Aachener Dom eine induktive Höranlage. Das ist schön und wunderbar“, meint Erich Stier von der Initiative „induktiv besser verstehen.“ Seiner Meinung nach sollten noch viel mehr öffentliche Räume mit diesem System ausgestattet werden, das schwerhörigen Menschen die Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglicht.

Wo das bereits heute möglich ist, zeigt ein neuer Stadtplan. Neben dem Dom soll es demnächst auch im Aseag-Kundencenter, im Bürgerservice am Katschhof und im Centre Charlemagne eine Induktionsanlage geben. Darüber hinaus sind viele Kirchen in Aachen und Umgebung damit ausgestattet. Welche genau, das zeigt der neue Stadtplan.

Hoffnung auf noch mehr Orte

Erich Stier hofft, dass es in Zukunft immer mehr Orte geben wird, die diesen Service für Schwerhörige bieten. Er ermuntert die Betroffenen, ihn auch einzufordern. Dass das Stadttheater bislang über keine Induktionsanlage für Schwerhörige verfügt, halten er und seine Mitstreiter für sehr bedauerlich. „Bei Inklusion geht es auch darum, möglichst vielen Menschen die Teilhabe zu ermöglichen“, meint Heike Leng, Geschäftsführerin des Hörgeschädigtenzentrums in der Talbotstraße. „Und ohne Induktionsanlage bleiben viele Menschen von vielen Veranstaltungen ausgeschlossen“, sagt sie.

Für schwerhörige Menschen ist die Akustik in öffentlichen Räumen eine besondere Herausforderung. Stör- und Nebengeräusche machen das Verstehen trotz Hörgerät nahezu unmöglich. Wird das Signal von der Schallquelle über Induktionsschleifen aber direkt auf das Hörgerät übertragen, ist die Tonqualität wesentlich besser. So können die Betroffenen ein Konzert, die Messe oder einen Vortrag ohne Probleme verfolgen. Und wirklich kostspielig sei eine solche Installation nicht, meint Erich Stier.

Er verweist auf andere Städte, die sehr viel mehr Orte mit Induktionsanlage vorzuweisen hätten als Aachen. Dabei machten die Hörgeschädigten mit 20 Prozent einen wichtigen Anteil der Bevölkerung aus. Viele allerdings gestehen sich die Beeinträchtigung nicht ein und versuchen ohne Hilfen durchs Leben zu kommen. Zehn Prozent der Menschen sind auf ein Hörgerät angewiesen. Damit sie von der Induktionsanlage in öffentlichen Räumen profitieren können, muss die sogenannte T-Spule im Hörgerät aktiviert sein.

Orte, die mit einer induktiven Höranlage ausgestattet sind, erkennt man an dem weißen Ohr auf blauem Grund, dem internationalen Zeichen. Erich Stier träumt davon, dass auch der Krönungssaal im Rathaus eines Tages damit versehen sein wird. Bei der Bedeutung, die der Saal habe, wäre das sehr wichtig, meint er. Dass der Stadtplan, den das Hörgeschädigtenzentrum im Rahmen des Projekts „Hören macht Verstehen“ herausgegeben hat, immer wieder aktualisiert werden muss, nehmen alle Beteiligten gerne in Kauf.

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