Theater K: Ein Hörbuch zum Anschauen

Von: Eva Onkels
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Barbara Portsteffen, Mona Creutzer und Oliver Matthiae lesen die einzelnen Rollen in dem Stück „Tödliches Venedig“, das am Mittwoch Premiere im Theater K. feierte. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es ist Aschermittwoch, die Karnevalsfeiern sind herum, die Kostüme abgelegt – aber nicht überall verschwinden die Masken in den Schränken. Im Venedig der Jahre 1767 bis 1797 scheint sich eine ganze Familie, vielleicht eine ganze Stadt hinter einer einzigen, großen, tödlichen Maske zu verbergen: „Tödliches Venedig“, so lautet der passende Titel zum neuen Stück des Theater K.

Genau genommen ist es kein Theaterstück, sondern eine szenische Lesung, die am Mittwochabend Premiere feierte. Zweifelsohne hat das Stück einen morbiden Charme, der bisweilen an den frühen Gottfried Benn erinnert; es ist gleichzeitig Erzählung und Theater. Ein Lauschen und ein Sehen.

Das Geschehen selbst wird nicht direkt dargestellt, sondern vorgelesen. Barbara Portsteffen, Mona Creutzer und Oliver Matthiae springen von Rolle zu Rolle, von Hocker zu Hocker und in dem von Irene Frackowiak gestalteten Bühnenbild auch von Fenster zu Fenster. Dabei entsteht keine Hektik, das betonte und gut akzentuierte Lesen der Darsteller erleidet keinen Schaden.

Allerdings bedarf es einiger Konzentration, um das Stück genießen zu können. Vieles spielt sich allein in der Phantasie der Zuschauer ab, unterstützt von kleinen Gesten und der Mimik der Darsteller. Nicht die Ausgestaltung des Theaters verlangt dies vom Zuschauer, wie es in einigen modernen Stücken der Fall ist, sondern die Inszenierung des Textes.

Der Zuschauer wird mitgenommen in die verwinkelten Gassen und Kanäle der Lagunenstadt Venedig, es ist die Zeit Giacomo Casanovas und Venedig ist voll von Intrigen, Familienstreitigkeiten und Morden. Auch im Hause des Herrn Alvise Lanzi ist der Tod ein regelmäßiger Gast, drei seiner vier Ehefrauen sind zu Anfang des Stückes bereits verstorben. Alle an merkwürdigen Krankheiten, die in dem von Mona Creutzer komprimierten Stück genauestens beschrieben werden. Das es sich keineswegs um Krankheiten handelt, sondern um diverse Arten, jemanden zu vergiften, ist für den Zuschauer recht schnell ersichtlich. Auch der Täter, der am Ende überführt wird, ist vielleicht nicht mehr die große Überraschung.

Aber betrachtet man sich den eigentlichen Erzähler des Theaterstücks, Fadenzieherin (Creutzer) genannt, fragt man sich zum Schluss doch, was denn an der Geschichte wahr ist – und was vielleicht Intrige bleibt. So ist Venedig. Undurchsichtig. „Eine sterbende Stadt.“

Greta Seidler betont als regelmäßige Besucherin, dass sich die Darsteller immer besonders viel Mühe geben, ein solches Stück zu spielen – auch bei diesem. Dem Publikum hat das Stück gefallen, auch wenn man nicht mit der Erwartungshaltung hingehen sollte, ein klassisches Theaterstück zu sehen. Es ist eher ein Hörbuch zum Anschauen.

Und das können Interessierte noch einmal. Der geplante nächste Termin am Mittwoch, 20. März, muss allerdings entfallen, wie das Theater K am Donnerstag mitteilte. Ein Ersatztermin wird demnächst bekannt gegeben.

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