„Theater in Ruinen”: Ausstellung erinnert an den Wiederaufbau

Von: Werner Czempas
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In der Stadtbibliothek ist die Ausstellung „Theater in Ruinen” zu sehen. Eröffnet wurde sie gestern von Marc-André Mainz, Verleger des gleichnamigen Buchs, Peter Sardoc, Manfred Sawallich, Leiter der Bibliothek, und Klaus Schulte (von links). Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Freunde des Aachener Stadttheaters und an der Stadtgeschichte interessierte Zeitgenossen sollten sich ein wenig Zeit gönnen für einen Besuch der Stadtbibliothek in der Couvenstraße 15. Dort bietet eine Ausstellung einen kultur-historischen Leckerbissen: „Theater in Ruinen” erzählt von den Gründerjahren und vom Wiederaufbau des Musentempels in den Jahren 1945 bis 1951.

Vitrinen und Schautafeln sind voll gespickt mit kostbaren Erinnerungsstücken. Von der Galerie der Intendanten, beginnend mit dem ersten Bühnenleiter Kurt Sieder, über Programmhefte, Premierenfotos und Drehbücher und Bildern von Schauspielerinnen und Schauspielern, Sängerinnen und Sängern, Tänzerinnen und Tänzern bis hin zu den Bühnenbildern des Mattschö Stevens reichen die Exponate.

Eine Kopie des ersten Dienstvertrags von Kurt Sieder aus dem Jahr 1945 ist unter vielem anderen zu entdecken. Wer ihn studiert, erfährt einiges über die Nachkriegssituation in Deutschland, heißt es doch darin: „Der Vertrag tritt mit sofortiger Wirkung außer Kraft, wenn die Militärbehörde die Beschäftigung aus politischen Gründen verbietet.”

Oder zwei ältere Damen pilgern von Schautafel zu Schautafel und eine ruft begeistert: „Schau mal, die Leonie - mein Gott, das ist schon so lange her.” Andächtig verharren die beiden Damen vor den Bildern der ersten Ballettmeisterin Leonie Renoldi. Eine kleine Tafel spöttelt ein wenig: „Es gab eine Zeit, da hatte das Aachener Theater noch ein richtiges Ballett.” Ein anderes Dokument enthält den Aufruf des Theaters an die Bevölkerung zu Material- und Utensilienspenden - 1947!

Ausstellungsmacher sind Klaus Schulte (71) und Peter Sardoc (73), zwei schon durch mehrere Bücher über die Aachener Theatergeschichte erwiesene Experten. Mit liebenswürdigen Worten beschreiben die beiden ihre Intention: „In einer Zeit, als die Stadt in Trümmern lag, viele Einwohner in Ruinen und Bunkern hausten, es also nur ums nackte Überleben ging, noch an Theater oder Musik zu denken - eigentlich eine absurde Vorstellung! Aber es gab sie: Menschen, die ohne idealistische Visionen nicht leben konnten, die es sich selbst in dieser Situation zu eigen machten - wenn auch mit knurrendem Magen - Theater zu spielen, Konzerte aufzuführen, um anderen etwas Freude und etwas Ablenkung in einer hoffnungslosen und trostlosen Zeit zu bereiten. Künstler, die für Lebensmittel auftraten, für etwas Kaffee und ein paar Zigaretten.” Diesen „Idealisten der ersten Stunde” widmen Schulte und Sardoc ihr Buch, „damit ihre Arbeit nicht vergessen wird”.

Wie die Stadt lag nach dem Krieg auch das Stadttheater in Trümmern, von Bomben schwer getroffen beim Angriff vom 13. Juni 1943, nur der Portikus mit den acht dorischen Säulen stand noch. Schwer getroffen, aber nicht tödlich, denn es waren die „Idealisten ersten Stunde”, die das Theater aus den Ruinen zu neuem Leben erweckten.

Schon im November 1945 hob sich erstmals wieder der Vorhang zu Goethes Schauspiel „Die Laune des Verliebten” - gegeben im Musiksaal der Stadtbibliothek in der Peterstraße. Das Asyl in der Peterstraße erklärt, warum gerade die Stadtbibliothek mit der Ausstellung „Theater in Ruinen” an den Neuanfang erinnert.

Mit Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg” eröffnete das wiederaufgebaute Stadttheater erst am 23. Dezember 1951 - vor gut 60 Jahren - an alter Stelle.

„Theater in Ruinen” wird bis zum 25. Februar in der Stadtbibliothek gezeigt. Öffnungszeiten: dienstags, mittwochs und freitags jeweils von 11 bis 18 Uhr, donnerstags von 13 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr.

Klaus Schulte und Peter Sardoc sind auch die Autoren des neuen Buchs „Theater in Ruinen”. Herausgegeben vom Aachener Druck- und Verlagshaus Mainz ist es ab 1. Februar zum Preis von 23,80 Euro im Buchhandel erhältlich. Mit Fotos und Berichten vieler Augenzeugen schildern die Autoren die Geschichte des Stadttheaters von der „Stunde Null” bis zur Wiedereröffnung des neuen Hauses im Dezember 1951.
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