Aachen - Theater 99 lässt auch die Männer zu Wort kommen

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Theater 99 lässt auch die Männer zu Wort kommen

Von: Grit Schorn
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Aachen. Wer kennt nicht die zornigen Gestalten aus Christine Brückners „Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“ – von Desdemona bis hin zu Luthers tüchtiger Gemahlin Katharina oder Goethes Geliebte und späterer Ehefrau Christiane konnten da die Frauen unverblümt den Männern die Leviten lesen.

Jutta Kröhnert, Chefin des Theater 99, hat jetzt den Spieß umgedreht und lässt drei Männer aus Sage und Historie zu Wort kommen: In der Aufführung von „In aller Herrlichkeit“. Wortgewaltig kommen alle drei daher: der listenreiche Held des Trojanischen Krieges, Odysseus, der zum Bau des hölzernen Pferdes riet und nach dem Sieg über Troja eine jahrelange Heimfahrt voller Abenteuer antritt. Und warum geben die Götter dem Sänger und Musiker Orpheus eine Chance, seine verstorbene Gemahlin Eurydike aus der Unterwelt zu befreien? Überaus spannend sind auch die Geschichten von Freiherr von Münchhausen, der übrigens keine Sagengestalt ist, sondern ein historisch verbürgter Jäger und Offizier. In der unterhaltsamen Inszenierung von Jutta Kröhnert können sich die drei Figuren endlich mal in ihrer wahren Gestalt offenbaren – übrigens in fantastisch gelungenen Kostümen.

Stark wie ein Bär zeigt sich der heimgekehrte Odysseus, der nach 20 Jahren Irrfahrt zu seiner Penelope nach Hause kommt, die allerdings auch hübsch keifen kann. Markus Hesterkamp als Odysseus imponiert mit Gestalt und kraftvollem Spiel, das bisweilen köstliche Untertöne hat.

So wird er stimmlich auch mal zur zänkischen Penelope, die während der 20-jährigen Abwesenheit des Gatten viele Versuchungen und Freier hatte. Die allerdings dann alle von Odysseus und seinem Sohn Telemachos getötet wurden… „Prost! Nicht schlapp machen!“ macht sich der berühmte Abenteurer Mut. Schließlich hat er dem Zyklopen widerstanden, ist Circe entkommen und hat sieben Jahre lang bei der Nymphe Kalypso gelebt. Da kann doch Penelope froh sein, dass er alles überstanden hat und wieder da ist: „So, Weib, da bin ich!“

Ganz andere Töne schlägt Orpheus an, Sänger und kunstvoller Leierspieler, Liebling der Götter. Die wiederum sind bereit, Orpheus‘ verstorbene Gemahlin Eurydike aus dem Hades zu entlassen. Doch er hat es verpatzt – entgegen dem göttlichen Gebot, sich nicht umzudrehen bei der „Übergabe“…Wie ein Rocker mit Lederjacke tritt Maik Schulte auf die Bühne und bittet die Götter verzweifelt um eine zweite Chance. „Jeder macht doch mal ´nen Fehler“, fleht Orpheus, der auch Komponist ist und der „etwas erreichen will mit meiner Musik“.

Noch einmal will er mit Charon „über den Totenfluss Styx rudern“ und die Geliebte retten. Barde, Liebender und Songschreiber im Twen-Alter – Maik Schulte glaubt man die rotzige Sprache und das Leid zwischen Komik und Tragik. Hier hat Jutta Kröhnert, die insgesamt für Text und Regie verantwortlich ist, genau den richtigen Ton getroffen.

Das gilt auch für den Baron von Münchhausen, der auf der Theaterbühne von Thomas van Gent verkörpert wird. Der Freiherr ist keine fiktive Gestalt, sondern hat wirklich gelebt: auf Gut Bodenwerder (Weser) von 1720 bis 1797. Bekannt wurde er durch seine abenteuerlichen Kriegs-, Jagd- und Reiseanekdoten.

Später wurden ihm auch viele andere unglaublichen Geschichten zugeschrieben, die in England von dem Kasseler Bibliothekar Raspe anonym herausgegeben wurden. Beide verband eine lebenslange Feindschaft, wahrscheinlich wegen des durch Raspe verbreiteten Ausdrucks „Lügenbaron“.

Thomas van Gent geht ganz in seiner abenteuerlichen Rolle auf – ein wundersames Bühnenerlebnis, so wie der ganze Abend im Theater 99.

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