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Theater 99: Das Urkomische an der Verzweifelung

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Erhitzte Gemüter: Im Einakter „Der Heiratsantrag“ geht es emotional heiß her, das Theater 99 zeigt zwei Stücke dieser Sorte. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der berühmte russische Schriftsteller Anton Tschechow (1860-1904) konnte auch sehr witzig sein: Mit „Tschechow undsoweiter…“ soll ein ganz besonderes Theatererlebnis die Zuschauer im Aachener Theater 99 erfreuen.

Die beiden Einakter „Tragödie wider Willen“ und „Der Heiratsantrag“ präsentieren nicht nur pointiert menschliche Schwächen, sondern auch das Urkomische an der Verzweiflung.

Erfahrene Schauspieler

Im beliebten Kellertheater präsentieren sich drei Schauspieler und ein Regisseur, der auch Schauspieler ist. Raphael Fachner, in Aachen schon mehrfach erfolgreich in Erscheinung getreten, inszeniert nicht nur, sondern spielt auch den Erzähler und berichtet einiges über Tschechow. Katja Kuhlmann wurde in Aachen 2008 mit dem renommierten Nachwuchspreis des Grenzlandtheaters ausgezeichnet: für ihre überaus berührende Darstellung der Anne Frank. Hans-Jürgen Helsig kann sogar den Vater einer heiratsfähigen Tochter spielen, obwohl er dafür eigentlich zu jung ist. Und Stefan Peters ist nicht nur Schauspieler, sondern tritt auch als semiprofessioneller Sänger am Theater Aachen auf.

Die Kostprobe ist echt köstlich: Als der Anzugträger, der sich vor der Tür nervös die Schuhe zubindet und an seiner Fliege nestelt, eingelassen wird, setzen sich die beiden Männer an den Tisch. Ein Interieur mit Rosentapete, das man als „Gelsenkirchener Barock“ bezeichnen könnte. Schrecklich aufgeregt ist der Herr, denn er möchte den freundlichen Mann um die Hand seiner Tochter bitten. Was dann allerdings geschieht, ist unglaublich – unglaublich komisch, hysterisch und überdreht.

Der Vater lässt den Bräutigam in spe und die Tochter allein, doch die beiden geraten schnell in einen aberwitzigen Streit. Um ein winzig kleines Grundstück geht es und um die Besitzrechte dafür. Wird es zu Gewalt zwischen den eigentlich Verliebten kommen? Die gelungene Kostprobe mit Hans-Jürgen Helsig als künftiger Brautvater, Katja Kuhlmann als Angebetete und Stefan Peters als Gatte in spe macht schon sehr neugierig auf das Ende der „Schlacht“.

Da darf man auch auf das andere Stück „Tragödie wider Willen“ sehr gespannt sein: Dort geht es um einen gestressten Beamten, der kurz vor einem Burnout steht. Zwei fast tragikomische Stücke voller Sprachwitz, mehr als 100 Jahre alt, mit durchaus „zeitlosen Charakteren“, meint die ambitionierte Macher-Riege.

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