Aachen - Teure Tivoli-Brücke: Fast 320.000 Euro „in den Sand gesetzt”

Teure Tivoli-Brücke: Fast 320.000 Euro „in den Sand gesetzt”

Von: Alfred Stoffels
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Aachen. Die einen wollen lieber nach vorne gucken, die anderen hätten gerne ein bisschen mehr Aufklärung über die Vorgänge in der Vergangenheit. Die superteure Brücke am Tivoli, die nun doch nicht gebaut wird, beschäftigt am Donnerstag den Planungsausschuss - und es wird eine muntere Veranstaltung.

Die jüngste Vorlage der Verwaltung zum Thema „wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet”, so ein frustrierter Ratspolitiker. Moniert wird unter anderem, dass Verantwortlichkeiten nicht dargelegt würden, dass kein Wort über Schadenersatzansprüche drinstehe, dass vor allem mit den Zahlen etwas zu fröhlich umgegangen werde.

Besonders auf der Palme ist FWG-Ratsherr Hans-Dieter Schaffrath, der am Dienstag erklärte, bei dem Papier der Verwaltung handele es sich um eine „Dreistigkeit. Die verkaufen den ganzen Vorgang auch noch als Sparmaßnahme”. In Wirklichkeit koste das missratene Projekt den Steuerzahler mehr als 500.000 Euro, „und das für nichts und wieder nichts”.

Mit ganzen 800.000 Euro war das ehrgeizige Projekt, die Rad- und Fußgängerbrücke über die Krefelder Straße zu einem echten Hingucker zu machen, zunächst veranschlagt worden. Dann wurde der Fall teurer und teurer, zuletzt war von 2,1 Millionen Euro die Rede - und nach Ende der Ausschreibung stellte sich heraus, dass der billigste Bieter 2,35 Millionen Euro haben wollte. OB und Dezernentin zogen die Reißleine und beerdigten das Vorhaben.

In ihrem Papier für den Ausschuss muss die Stadt nun einräumen, dass dennoch 317.000 Euro für Planungskosten aufgebracht werden müssen - „die sind in den Sand gesetzt”, so der schnörkellose Hinweis der zuständigen Beigeordneten Gisela Nacken. Und weitere 200.000 Euro muss die Stadt zahlen, um den Tivoli-Vorplatz an der Stelle, wo der Brückenfuß hin sollte, in Ordnung zu bringen. Rechnung der Stadt: 2,1 Millionen Euro hätten wir an reinen Baukosten gehabt, 200.000 werden es jetzt, „die Gesamtersparnis beläuft sich daher auf 1,9 Millionen Euro”. Dafür hat man natürlich auch keine Brücke.

Und das ist der Punkt, mit dem die SPD nicht klarkommt: Laut Verkehrsgutachten, sagen die Sozialdemokraten, muss an der Stelle eine Brücke hin, aus Gründen der Sicherheit. Ihr Sprecher Norbert Plum: „Wir haben keine Erkenntnisse, die es erlauben, davon abzuweichen. Was ist denn, wenn da ein Unfall passiert?” Man erwarte in dieser Angelegenheit eine fundierte Stellungnahme, „so einfach auf Zuruf ist das nicht zu regeln”.

Damit meint Plum auch die Art und Weise, wie der Baustopp von der Verwaltungsspitze verfügt worden sei, nämlich irgendwie an einem anderslautenden Ratsbeschluss vorbei. Auch bei der schwarz-grünen Mehrheit hat der Vorgang Befremden ausgelöst, dort vermutet man aber keine böse Absicht, sondern eher Ungeschicklichkeiten in der Kommunikation.

Der grüne Fraktionssprecher Michael Rau: „Die Verwaltung hat nichts falsch gemacht, als sie die Ausschreibung anhielt, aber der Rat entscheidet, wie es weitergeht, niemand sonst.”

CDU-Fraktionschef Harald Baal: „Es war richtig, auf die Bremse zu treten. Wie es weitergehen könnte, lassen wir uns jetzt in Ruhe vortragen.” Für Michael Rau gibt es da drei Möglichkeiten: die teure Brücke abspecken; eine neue Billigbrücke konzipieren; dafür sorgen, dass die Zuschauermassen auf andere Weise sicher über die Straße kommen.

Zu den permanenten Kostensteigerungen hat laut Verwaltung auch beigetragen, dass „entgegen anders lautender Absprachen ein Entwässerungskanal über den Vorplatz so verlegt (wurde), dass er die für die Brücke geplante Pylon-Gründung kreuzte”. Zu Details wollte sich Gisela Nacken nicht äußern, aber: „Alle Regressfragen wurden geprüft, es ist da nichts zu machen.” Schaffrath: „Allmählich muss man nach der persönlichen Verantwortlichkeit fragen.”
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