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Terz um Plakate gegen Rechtsextremismus

Von: Christopher Gerards
Letzte Aktualisierung:
Terz: Das ausgewählte Plakat
Terz: Das ausgewählte Plakat vom Marvin Mostert wurde von der Firma JC Decaux geblockt, es durfte nicht aufgehängt werden.
Foto: Heike Lachmann

Aachen. Das Lied der Band „Die Ärzte”, das in Aachen für reichlich Misstöne um einen Schülerwettbewerb sorgt, sagt an einer Stelle: „Was soll all der Terz?” Und diese Frage hat sich auch Tim Schlößer in den letzten Wochen ein ums andere Mal gestellt.

Schlößer sagt: „Ich war total stolz”. Schlößer sagt auch: „Jetzt ist man schon traurig.”

Der Terz dreht sich um den Plakatwettbewerb „SchülerInnen gegen Rechts”, bei dem Schüler aus der Region Plakate zum Thema Rechtsextremismus entworfen haben. Die besten von ihnen wurden im Dezember ausgezeichnet, 200 Euro gab es für die Ersten in beiden Altersklassen, 100 Euro für die Zweiten und obendrauf eine schicke Urkunde.

Das Wichtigste, so sagt Mit-Organisator Schlößer, sei aber der Aushang gewesen: Die vier Gewinner-Plakate sollten seit Dienstag viele Aachener Bushaltestellen schmücken.


Schlößers Problem ist: Nur zwei der vier Plakate wurden ausgehängt - weil sich die für die Flächen zuständige Firma JC Decaux und das Management der Rockgruppe „Die Ärzte” gegen je ein Plakat sperren.

Da wäre zum einen das Objekt von Nastasja Groeger. Es zeigt Springerstiefel, deren Schnürriemen zu einem Herz gebunden sind. Daneben steht der Satz: „Wir gegen Rechts.” So weit, so gut. Was das „Ärzte-Management” stört, ist das Zitat darüber, wie Tim Schlößer erfuhr, als er beim „Ärzte”-Management um eine Erlaubnis zur Veröffentlichung anfragte.

Jenes Zitat entstammt nämlich dem Lied „Schrei nach Liebe” der Rockgruppe: „Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe, deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit.”

Warum der Terz um die Passage? Nora Michel, Sprecherin des Managements der Band, antwortet schriftlich auf die Anfrage der „Nachrichten”: „Das wurde nicht freigegeben, da wir weder mit parteipolitischen Organisationen noch mit Bundesministerien in Verbindung gebracht werden möchten. Auch wenn der Plakatwettbewerb offensichtlich eine ganz gute Sache ist.”

Schlößer sagt: „Wir hatten von einer Band wie den Ärzten mehr Unterstützung im gemeinsamen Kampf gegen Rechtsextremismus erwartet, vor allem da sie nur ihre Zustimmung hätten geben müssen und ihnen keinerlei Schaden entstanden wäre.”

Und weiter: „Es hätte ja auch eine gute Promotion für die Band sein können.” Ferner werde der Wettbewerb von fast allen politischen Lagern getragen, sei also überparteilich. Und auch die Stadt Aachen ist auf Seiten der Organisatoren involviert.


Hakenkreuz

Anders gestaltet der Zwist sich beim Plakat von Marvin Mostert: Zwischen den Worten „Schüler gegen Rechts” zeigt es ein Hakenkreuz in der Mitte - dieses ist allerdings halb übersprüht. Dennoch blockt die Firma „JC Decaux”, die die Plakatflächen betreibt. „Diese Medien sind nicht für politische Kampagnen geeignet.

Und in unserem Vertrag mit der Stadt Aachen ist untersagt, verfassungsfeindliche Symbole zu zeigen”, sagt Sprecherin Frauke Müller auf „Nachrichten”-Anfrage. Aus Erfahrung wisse man auch, dass solche Plakatflächen Vandalen zum Opfer fielen. „Für die Schäden müssten wir dann aufkommen.”

Und: Mit dem Presseamt sei schon frühzeitig abgestimmt worden, dieses Motiv abzulehnen: Abgesehen vom strittigen Hakenkreuz-Plakat unterstütze die Firma die Aktion aber „voll und ganz”, erklärt die Sprecherin.

Tim Schlößer hält das Vorgehen der Firma für „stumpfsinnig”: „Decaux muss sich fragen: Stellen wir Firmenvorschriften über die Arbeit Jugendlicher gegen Rechtsextremismus?”

Doch wie geht es nun weiter mit den Plakaten? Schlößer: „Wir werden das so belassen und wollen nichts provozieren. Auch wenn das kein guter Abschluss ist.”

Nun säumen immerhin 117 Plakate gegen Rechtsextremismus 65 Flächen in der Stadt. Die wurden von allen Seiten abgesegnet - ganz ohne Terz und Misstöne.


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