Teppichkante ist oft die größte Stolperfalle

Von: Nina Krüsmann
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Ganz schön holprig: Speziell geschulte Physiotherapieschüler begleiten die Teilnehmer der Rollator-Fahrschule durch den Parcours. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Die größte Gefahr im eigenen Heim ist die Teppichkante“, weiß Prof. Hans-Christoph Pape. Oft hat der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Aachener Uniklinik ältere Patienten, die mit ihrem Rollator gestürzt sind. Das muss nicht sein. Für einen Tag verwandelte sich deshalb der Seminarraum des Klinikums in eine Rollator-Fahrschule.

„Und am Ende gibt es natürlich einen originalen Rollator-Führerschein“, sagt Pape. In einem Parcours üben die Teilnehmer das Fahren über einen unebenen Boden oder den Transport von Tellern und Tassen mit dem Rollator, sie öffnen eine schwere Tür nach draußen und befahren eine enge, sich immer weiter verjüngende Gasse.

„Unser Ziel ist Prävention, also Stürze zu vermeiden. Deshalb packen wir bei den Ursachen an“, betont Matthias Knobe, Oberarzt in der Orthopädie und Unfallchirurgie. Nach einem Sturz sei die Komplikationsrate bei älteren Patienten besonders hoch. „30 Prozent der Patienten mit einem Schenkelhalsbruch versterben nach einem Jahr. Nicht nur die hohe Sterblichkeit, auch die Pflegebedürftigkeit nach einem solchen Unfall und das gesamte damit verbundene Leid wollen wir vermeiden helfen“, betont Knobe. Und natürlich handele es sich auch um einen enormen Kostenfaktor, den man durch Vermeidung von Stürzen reduzieren kann. „Beim Rollator handelt es sich um eine Maschine, die man ebenso beherrschen muss wie ein Motorrad“, vergleicht Knobe schmunzelnd.

Für Treppen nicht geeignet

„Der Rollator ist heute ein beliebtes Hilfsmittel, bietet Sicherheit, man kann sich zum Ausruhen kurz darauf setzen und zum Beispiel kleine Einkäufe bequem damit transportieren“, zählt Pape auf. Dr. Jürgen Förster, Leiter der Lehranstalt für Physiotherapie, gibt zu bedenken, dass ein Rollator zwar Sicherheit und Komfort bietet, aber die Selbstständigkeit mindert: „zum Beispiel kann man damit keine Treppen nutzen, ist auf den Aufzug oder geeignete Eingänge und öffentliche Verkehrsmittel angewiesen.“ Auch die Kraft-Koordination werde dadurch nicht mehr trainiert.

Im vergangenen Jahr hatten die Experten bereits einige Seniorenheime und Altenpflegeeinrichtungen besucht, um Bewohner, Mitarbeiter und Betreuer über die vielen Herausforderungen im Umgang mit dem Rollator zu schulen. Das Seminar in der Uniklinik kommt bei seiner Premiere sehr gut an.

„Die Teilnehmer sind vor allem ältere Menschen, die schon etwas wacklig auf den Beinen sind und einen Sturz vermeiden möchten“, erklärt Pape. So auch Hubert Nievenstein aus Herzogenrath. Der 83-Jährige kennt die Grundregeln für den sicheren Umgang mit dem Rollator zwar schon von einem Kuraufenthalt. Aber der Parcours fordert auch ihn. „Teppichkanten, Bürgersteige und Hauseingänge sind auch für mich oft Hindernisse im Alltag, vor denen ich mich in Acht nehmen muss“, sagt der Rentner. Die optimale Haltung mit der Gehhilfe können die Teilnehmer vor einem Spiegel üben.

Auch ein Technik-Check

Immer dabei sind eigens geschulte Physiotherapieschüler, die die Teilnehmer von Station zu Station begleiten. Auch ein Technik-Check gehört dazu. Die meisten Teilnehmer haben ihren eigenen Rollator dabei. Ansonsten stehen auch drei Leihrollatoren zur Verfügung. Nach Abschluss des rund einstündigen Seminars erhält jeder Teilnehmer ein Zertifikat, einen Sturzpass mit vielen Tipps und einen Aufkleber für den Rollator. Und auch Hubert Nievenstein ist glücklich: „Ich bin nicht durchgefallen und fühle mich jetzt viel sicherer.“ Eine Wiederholung des erfolgreichen Seminars ist für den Herbst geplant. Informationen gibt es unter Telefon 0241/80-88123.

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