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Temposünder in Aachen meist einsichtig

Von: Margot Gasper
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Temposünder im Blick: Die Las
Temposünder im Blick: Die Laserpistole misst Tempoverstöße aus mehreren 100 Metern Entfernung. Kräfte der Einsatzhundertschaft unterstützen die Kollegen vom Verkehrsdienst beim „Blitzmarathon”. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Morgens im Berufsverkehr, da fahren manche hier wie die Irren”, klagt Walter Bock. Er steht an der Schlossparkstraße in Laurensberg. Zwei Spielplätze und eine Kindertagesstätte gibt es hier, und in weiten Bereichen gilt für die Autofahrer Tempo 30.

Walter Bock wohnt hier nicht, wohl aber seine Tochter mit ihrer Familie. Und um die Sicherheit der drei Enkel, vor allem der beiden Kindergartenkinder, macht sich der 67-Jährige Sorgen.

Walter Bock ist einer von vielen „Messpaten”, die am Dienstag mit der Polizei am Straßenrand stehen und den „Blitzmarathon” live verfolgen. Bock gehört zu den 334 Menschen aus Stadt und Städteregion, die sich im Vorfeld der Aktion eine Radarkontrolle an einer bestimmten Stelle gewünscht haben. An 159 Messstellen hat die Polizei, unterstützt von den Radarwagen aus Stadt und Städteregion, von Dienstagmorgen um sechs Uhr bis heute Morgen um sechs Uhr geblitzt.

Acht in einer halben Stunde

Für die Beamten der Einsatzhundertschaft um Truppführer Christian Hilger war die Schlossparkstraße bereits die fünfte von insgesamt acht an diesem Tag. Eine erste Einschätzung? „Durchwachsen”, sagt Hilger. Seine erste Messstelle war morgens kurz vor sieben auf der Horbacher Straße. In der Tempo-30-Zone an der Grundschule, erzählt er, „haben wir in einer halben Stunde acht Temposünder erwischt, aber alle noch im Verwarngeldbereich”. Der Schnellste war mit 46 km/h unterwegs. Das kostete ihn 35 Euro.

Als die Einsatzkräfte an der Schlossparkstraße nach einer halben Stunde ihre Laserkamera wieder einpacken, haben sie insgesamt drei Verwarngelder verhängt. „Die meisten zeigen sich einsichtig”, sagt Polizeikommissar Hilger. Durchaus einsichtig ist auch der letzte Autofahrer, der an diesem Tag auf der Schlossparkstaße erwischt wird. Der 77-Jährige war im Firmenauftrag unterwegs und hatte 42 km/h auf dem Tacho, als die Laserkamera ihn erwischte. Er geht mit 25 Euro Verwarngeld in die Statistik des Blitzmarathons ein. „Die Aktion finde ich richtig”, sagt der Vielfahrer. Durch die Schlossparkstraße komme er zwei- bis dreimal am Tag. „Und hier fahre ich ab sofort ganz sicher langsam.”

Solche Einsichten hören die Organisatoren des Blitzmarathons gerne. „Wir wollen den Leuten ja nicht das Geld aus der Tasche ziehen”, betont Truppführer Hilger. „Die Leute sollen langsamer fahren. Das wollen wir mit unserer Präsenz erreichen.” Anwohnerin Elisabeth Lagrange findet, dass eigentlich noch mehr kontrolliert werden müsse. „Hier wird den ganzen Tag schnell gefahren”, erzählt sie, „hier rasen auch Leute, die hier in der Gegend wohnen.” Sie hätte sich den Einsatz der Laserpistole ein Stück weiter die Schlossparkstraße entlang gewünscht. „Dahinten am Spielplatz sausen die Kinder von einer Straßenseite zur anderen. Das ist echt gefährlich.”

Zwölf Uhr mittags, Lichtenbusch: An der Raerener Straße zieht der Einsatzleiter der Aktion, Polizeioberrat Ralf Mallmann, nach sechs Stunden Blitzmarathon eine erste kleine Zwischenbilanz. „Allgemein wird sehr diszipliniert gefahren”, lobt er die Autofahrer. Der höchste gemessene Verkehrsverstoß sei eine Tempoübertretung von 20 km/h in der 30er Zone gewesen. „Das ist für uns ein sehr gutes Ergebnis.”

An der Raerener Straße haben sich die Beamtinnen und Beamten der Bereitschaftspolizei direkt am Kindergarten postiert. Auch hier gilt Tempo 30. Jetzt um die Mittagzeit ist es sehr ruhig und beschaulich. Erwischt wird in dieser halben Stunde lediglich ein Autofahrer, der mit zwei Kindern im Auto und Tempo 49 unterwegs ist.

Als „Messpate” verfolgt Anwohner Herbert Hammers die Messungen mit der Laserpistole. Die Raerener Straße, erzählt er, sei ein beliebter Schleichweg im Berufsverkehr. „Morgens, wenn die Monschauer Straße dicht ist, dann kommen die alle von Sief rüber. Und die fahren mit 50, 60 Sachen und mehr.”

Einsatzleiter Mallmann bittet um Verständnis, dass die Kollegen die Laserpistole ausgerechnet zur ruhigen Mittagszeit in Position gebracht haben: „Wir haben 159 Messstellen zeitlich zu koordinieren. Wir können leider nicht überall gleichzeitig sein.” Mallmann ist überzeugt: „Auch jetzt zur Mittagszeit wirkt sich unsere Aktion aus.”

In der Kindertagesstätte Anna Roles drücken sich unterdessen die Kinder abwechselnd die Nasen an der Fensterscheibe platt. So viele Polizisten vor dem Haus bekommen sie schließlich nicht jeden Tag zu sehen.

Kita-Leiterin Christiane Hauch begrüßt die Radarkontrolle vor der Tagesstätte. „Hier wird sehr schnell gefahren”, berichtet sie. „Und morgens zwischen sieben und acht Uhr ist es am schlimmsten.”

In sechs Stunden mehr als 200 Temposünder

Eine Bilanz des landesweiten Blitzmarathons will NRW-Innenminister Ralf Jäger am heutigen Mittwoch ziehen.

Die Aachener Polizei registrierte in den ersten sechs Stunden der 24-Stunden-Aktion im Bereich der Städteregion mehr als 200 Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Auf der Monschauer Straßewar ein Autofahrer mit 97 km/h unterwegs. Erlaubt sind dort 70 km/h.

Auf der Vaalser Straße, wo Tempo 50 gilt, wurde ein Autofahrer mit 74 km/h erwischt.

An die 100 Polizisten aus der Region waren im Einsatz, dazu acht Lasergeräte, zwei Radarmesswagen und die Radarwagen von Stadt und Städteregion.
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