Templergraben: Weiter Streit um Unterbau

Von: Gerald Eimer
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Umstrittene Baustelle Templergraben: Der Streit um die Tragfähigkeit der künftigen Fahrbahn hat Verzögerungen zur Folge, die nun auch die neuen Studenten zu spüren kriegen. Zwischen Baumaschinen und Absperrgittern geht es zur Einschreibung. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Nach einmonatigem Stillstand ist am Montag wieder Bewegung in die Baustelle am Templergraben gekommen. Vereinbarungsgemäß hat das ausführende Bauunternehmen Tholen aus Geilenkirchen die Arbeiten wieder aufgenommen, um das neue Straßenstück mit Platzcharakter im Hochschulviertel bis spätestens Mitte November zu vollenden.

Doch anders als nach dem Krisengipfel am Donnerstag von der Stadt verlautbart, scheint der Zwist zwischen Planern und Baufirma um die Qualität des Straßenunterbaus längst nicht beigelegt zu sein.

„Wir halten unsere Bedenken aufrecht“, erklärte am Montag Lothar Finken, Prokurist der Firma Tholen, die eigenen Angaben zufolge schon vor einem halben Jahr darauf hingewiesen habe, dass der Untergrund nicht den einschlägigen Richtlinien entspreche und möglicherweise den künftigen Verkehrsbelastungen nicht standhalten könne. „Wir sind nach wie vor der Meinung, dass es nicht halten wird“, sagt er. Er könne sich daher nur wundern über die Entscheidung „schlauer Herrschaften“, wonach nun dennoch wie gehabt weitergebaut werden soll.

Schließlich werde am Templergraben hochwertiger Naturstein verbaut, der eigens aus Vietnam angeliefert wird. „Richtig teuer und richtig aufwendig“, sagt Finken. Ob der Unterbau für die Pflastersteine aber auch dem Gewicht von Aseag-Bussen und weiteren Fahrzeugen gewachsen ist, gehört zu jenen Fragen, über die die Fachleute weiterhin trefflich streiten.

„Mehr blockiert als forciert“

Insbesondere gegen das von der Stadt beauftragte Ingenieurbüro Achten und Jansen erhebt Finken schwere Vorwürfe. Es würde den geäußerten Bedenken nicht Rechnung tragen und sei auch wegen mangelhafter Kooperation für Zeitverzögerungen verantwortlich. „Die Straße könnte längst fertig sein, aber es wird mehr blockiert als forciert“, schimpft Finken. Das derart gescholtene Büro wollte auf Anfrage dazu am Montag keine Stellungnahme abgeben und verwies auf die Informationshoheit der Stadt.

Pressesprecher Hans Poth zeigte sich derweil überrascht über die neuerliche Kritik der Baufirma – schließlich hatte das Presseamt erst am vergangenen Donnerstag eine „zufriedenstellende Lösung“ für alle Beteiligten vermeldet, die den Weiterbau am Montag möglich gemacht hat.

Nach Ansicht der Verwaltung hat die Firma Tholen die vereinbarte Bauweise nicht richtig umgesetzt. „Sie hat nun aber die Tragfähigkeit nachgewiesen“, sagt Poth, „damit sind wir zufrieden.“ Für den Bereich der Bushaltestellen soll die Tragfähigkeit innerhalb der nächsten zwei Wochen nachgewiesen werden. Dank der Nachweise sei ein langer Rechtsstreit und ein womöglich noch längerer Stillstand am Templergraben vermieden worden.

Unterdessen betont Finken: „Wir haben nur klargestellt, dass wir komplett nach Vertrag gebaut haben“ – anhand von Unterlagen, die schon Anfang Juli vorgelegen haben sollen. Er hält daran fest, dass der vom Ingenieurbüro veranlasste Unterbau nicht den gängigen Richtlinien entspreche.

Den gegensätzlichen Darstellungen der verschiedenen Seiten kann somit vor allem entnommen werden, dass in Sachen Templergraben auch nach der „zufriedenstellenden Lösung“ vom Donnerstag das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen ist. Spätestens wenn die ersten Schäden am Straßenbelag auftreten, dürften sich die Fachleute und Gutachter erneut beharken und sich an den Fragen abarbeiten, wer denn verantwortlich ist und für die Schadenbeseitigung zahlen muss. Für Finken ist schon jetzt klar: „Wir sind aus der Gewährleistung raus.“

Fern aller Streitereien müssen sich Autofahrer im Hochschulviertel derzeit noch an die Komplettsperrung des Templergrabens gewöhnen, die seit Montag gilt und viele Fahrer zu Umwegen zwang. Und auch der Weg zum neuen Studienplatz führt über die Baustelle. Auf großen Bannern weist die RWTH den Erstsemestern den Weg ins Kellergeschoss vom Super C: „Hier geht‘s zur Einschreibung“, steht da drauf. Der sichere Zugang werde ebenso gewährleistet wie der ins Hauptgebäude, verspricht die Stadt.

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