„Teller statt Tonne”: Aktionstag gegen die große Verschwendung

Von: Robert Baumann
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Hmmm, das sieht lecker aus: Der Aktionskoch Wam Kat kredenzte den Gästen unter freiem Himmel ein vegetarisches Gericht. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. 50 Prozent der Lebensmittel in Deutschland und anderen Industriestaaten werden weggeworfen. Und das nicht erst im Haushalt, sondern bereits auf dem Feld und im Supermarkt. Jeder zweite Kopfsalat und jede zweite Kartoffel werden bei der Ernte aussortiert, weil sie entweder nicht der offiziellen EU-Norm entsprechen oder optische Mängel aufweisen.

Allein in Deutschland landen so jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Diese Zahlen recherchierte der Filmemacher Valentin Thurn für seine neue Dokumentation „Taste the waste”. Vor gut zwei Wochen feierte der Kinofilm in Köln seine Premiere. Heute war der 91-minütige Dokumentarfilm über die globale Lebensmittelverschwendung das erste Mal in Aachen zu sehen.

Bereits einige Stunden vor der Vorführung hatte die Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) im Kapuzinerkarree mit ihrer Aktion „Teller statt Tonne” auf den verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln aufmerksam gemacht. „Wir produzieren enorme Überschüsse und verbrauchen dadurch auch unnötig Ressourcen. Es wird zu viel weggeworfen, und daran ist nicht nur der Konsument schuld. Mit der Aktion wollen wir die Menschen für die Problematik sensibilisieren. Sie sollen sich den Film anschauen. Was man dort sieht, macht einen sehr betroffen”, sagt FET-Geschäftsführerin Irina Baumbach, die durch ihre Masterarbeit mit Regisseur Thurn in Kontakt kam.

Zur kulinarischen Einstimmung zauberte der niederländische Aktionskoch Wam Kat vegetarische Gerichte aus aussortierten Lebensmitteln auf den Tisch. „In einer Welt, in der Menschen Hunger leiden, ist es bescheuert, Nahrung wegzuschmeißen, nur weil Farbe und Form nicht mehr perfekt sind”, ärgert sich Wam Kat. Gespendet wurden die Waren von Biobauern aus Jülich und der Aachener Tafel. Und so konnten hungrige Besucher kostenlos zwischen einer Gemüsepfanne und einer Gemüsesuppe auswählen.

Im Cineplex wurde im Anschluss „Taste the waste” gezeigt. Mit der Frage „Wohlstand oder Wahnsinn?” zeigt der Film in eindrucksvollen Bildern, in welchem Umfang und aus welchen Gründen Lebensmittel entsorgt werden, noch bevor sie den Kunden erreichen. Vier Jahre lang recherchierte Regisseur Thurn dafür auf Feldern, Plantagen und in Supermärkten und Restaurants rund um den Erdball. „Der Film ist für Jung und Alt, weil das Thema jeden betrifft. Ich will eine gesellschaftliche Debatte anstoßen und wachrütteln. Die Menschen sollen aber kein Gefühl der Hilflosigkeit bekommen. Denn Jeder kann etwas tun, indem er bei seinem eigenen Einkaufsverhalten anfängt und im Vorfeld genau überlegt, was er wirklich braucht”, sagt Thurn. Seine Eindrücke und Erkenntnisse hat der 48-Jährige in seinem Buch „Die Essensvernichter” (Kiepenheuer&Witsch Verlag, 16,99 Euro) zu Papier gebracht.
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