Aachen - Technikcamp für Mädchen: Hier haben Jungs nichts verloren

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Technikcamp für Mädchen: Hier haben Jungs nichts verloren

Von: Nadine Preller
Letzte Aktualisierung:
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Noch dominieren Männer die technischen Studiengänge an der Fachhochschule. Damit sich daran in Zukunft etwas ändert, nehmen diese Mädchen am Technikcamp teil, wo sie auf technische Berufs- und Studienmöglichkeiten aufmerksam gemacht werden. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Drei Tage Technik, drei Tage ohne Jungs - 18 Mädchen aus ganz Deutschland genießen sichtlich ihr Privileg beim Technikcamp an der Fachhochschule Aachen (FH). Da wird geschweißt und gefräst, gebastelt und gewerkelt.

Und dass hier Maschinen bedient werden, die sonst nur den großen Fünftsemestern vorbehalten sind, macht die Sache umso spannender.

„Wir wollen die Mädchen intensiv auf technische Berufs- und Studienmöglichkeiten aufmerksam machen”, erklärt Miriam Aldenhoven von der FH, die gemeinsam mit der Initiative „ANTalive” (Angewandte Naturwissenschaften live erleben) das Pilotprojekt für junge Frauen zwischen 13 und 17 Jahren möglich macht.

Mit einer Frauenquote von gerade einmal vier Prozent erlebt Aldenhoven an ihrem Arbeitsplatz den ganz normalen Berufsalltag in einer Männerdomäne. „Der geringe Frauenanteil liegt jedoch nicht am Technikstandort Aachen”, betont sie. „Die Zahl spiegelt den Bundesdurchschnitt wider.”

Grund genug für Tugba Korkar zu erklären: „An der Frauenquote muss sich was ändern, definitiv!” Die 16-Jährige ist Teilnehmerin des Technikcamps, wurde von ihrer Lehrerin motiviert, mitzumachen. Tugba glänze in Mathe und Physik, das Camp sei genau das Richtige für sie. Jetzt steht die Schülerin im Schweißlabor der FH, lötet konzentriert zwei Kunststoffplatten aneinander.

„Ziemlich stabil”, erklärt sie anschließend und tritt kurzerhand beherzt auf den Probekörper. Er hält. Tugba grinst erfreut. „Mit eigenen Händen etwas herstellen, das erweitert den Horizont der Mädchen ungemein und schafft Verständnis für Themen, die ihnen sonst oft vorenthalten werden”, weiß Aldenhoven.

Test im Windkanal

Nach so einigen Probekörpern geht für Tugba und ihre jungen Kolleginnen der Tag bald zu Ende. Doch schon morgen geht es ans Programmieren - im Fachbereich Elektrotechnik und Informationswissenschaften. Tugbas ganz persönlicher Höhepunkt aber kommt am dritten Tag. Mit eigens gebauten Segelflugzeugen wird der Windkanal des Fachbereichs Luft- und Raumfahrttechnik getestet.

Für Aldenhoven steht bereits fest: „Ich freue mich jetzt schon auf das Technikcamp 2011.” Und auch die jungen Frauen sind überzeugt: „Zukünftig Männerberufe ausüben? Warum nicht!” Doch Mädchen sein sei mindestens genauso cool.

Und so wird an den drei Abenden in der Jugendherberge nicht nur Kraft für den nächsten Tag gesammelt. Es wird geschwatzt, geklönt und gelästert. Und hierbei hätten dann die Jungs mal so gar nichts zu suchen.
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