Taxifahrer protestieren in Aachen

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Taxifahrer treten kräftig auf die Bremse: Protest gegen Billig-Konkurrenz

Von: Thomas Vogel
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Vor dem Elisenbrunnen endet die Protestfahrt: Gegen Mittag kommen die knapp 100 Fahrzeuge am Schlusspunkt der Demonstration an. Nach einer kurzen Kundgebung ist die Aktion dann beendet. Foto: Ralf Roeger
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Sollte sich nichts ändern, wollen viele der Aachener Taxiunternehmer die Proteste ausweiten. So viele Taxischilder auf einem Haufen könnten künftig häufiger in der City zu sehen sein. Foto: Ralf Roeger

Aachen. 10.45 Uhr, Hauptbahnhof: So langsam wird es eng an der Hackländerstraße. Hellelfenbein ist am Mittwochvormittag die bestimmende Farbe auf dem Bahnhofsvorplatz. 50 bis 70 Taxifahrer, so schätzt die Polizei, haben sich mit ihren Fahrzeugen kurz vor Start der Protestfahrt durch die Innenstadt zusammengerottet.

Zum ersten Mal schallt weithin hörbar der Protestruf aus dem Lautsprecher: „Kasse leer, Schnauze voll!“ Letzte Plakate werden auf die Autos geklebt. Im Schritttempo soll in den kommenden rund anderthalb Stunden nun der Verkehr auf dem inneren Grabenring lahmgelegt werden. Die Taxibranche will auf zunehmenden Druck durch Mietwagen aufmerksam machen und Behörden und Politik zwingen, endlich zu reagieren.

10.58 Uhr: Die Kolonne setzt sich unter dem Dröhnen dutzender Hupen langsam in Bewegung. Wenn den Passanten rund um den Bahnhof die vielen Taxis nicht sowieso schon aufgefallen sind – spätestens jetzt nehmen sie Notiz. Vorneweg machen ein Streifenwagen und ein Motorrad der Polizei den Weg frei und aufmerksam auf das, was da anrollt. Auf einem der Plakate steht: „Behörden aufwachen!“ Droschke 176, irgendwo in der Mitte der Schlange, wird von Taxiunternehmer Naim Tukhi gesteuert. Er erläutert, was damit gemeint ist, spricht von offensichtlichem Fehlverhalten von Mietwagenfahrern, denen es egal sei, ob sie über Busspuren fahren und am Straßenrand auf Fahrgäste warten dürften, sie würden das einfach so machen. Eigentlich sei das aber nur Taxis erlaubt.

11.10 Uhr: Das Hupkonzert schiebt sich über die Kreuzung am Kaiserplatz. Schon die Wilhelmstraße hinunter waren Ladenbesitzer vor ihre Geschäfte getreten und hatten Anwohner die Handys aus den Fenstern der Häuser auf die Kolonne gerichtet. Die Sprechchöre aus den Taxis setzen wieder ein. „Kasse leer, Schnauze voll!“ Auf dem Plakat auf der Heckscheibe eines Taxis heißt es: „Stopp illegale Personenbeförderung“. Illegal, weil nicht immer ein Fahrer mit dem nötigen Personenbeförderungsschein hinterm Steuer sitzen soll. Außerdem wollen die Taxifahrer wissen, dass Mietwagenfahrer zum Teil für Hungerlöhne unterwegs sind.

Der Wille, besser zu kontrollieren

Holger Benend von der Pressestelle der Städteregion kennt die Vorwürfe. Er sagt: „Wir werden eine zusätzliche Stelle schaffen und wollen besser kontrollieren, stoßen da aber auch an Grenzen.“ So dürften Mitarbeiter des Ordnungsamts etwa den fließenden Verkehr nicht kontrollieren. Mietwagen, die über Busspuren fahren und am Elisenbrunnen zum Beispiel abkürzten, könnten die städtischen Mitarbeiter deshalb nicht anhalten. Und auch was etwaiges Lohndumping betreffe, müsse mit anderen Behörden zusammengearbeitet werden. Aktionen gemeinsam mit Polizei und Zoll könnten ein Mittel sein.

11.20 Uhr: „Der Bürger unterscheidet nicht zwischen Mietwagen und Taxi. Deswegen leidet auch unser Ruf unter den schwarzen Schafen, die im Mietwagen rauchen oder einfach Fahrgäste ablehnen, die ihnen nicht passen“, erklärt Tukhi, während ein Taxi nach dem anderen die Blondel­straße hinter sich lässt und die Peterstraße überquert. „Wenn sich die Behörden und die Politik nicht bewegen, dann werden wir den Streik ausweiten“, fährt er fort, während er im Rückspiegel von Droschke 176 kontrolliert, ob die Kollegen noch alle dran sind. In seinem Unternehmen arbeiten zwei Fahrer Vollzeit. „Wenn das so weiter geht, werde ich den Taxibetrieb einstellen müssen, weil es nicht mehr rentabel ist.“

11.44 Uhr: Gerade ist am Karlsgraben ein Mann ans Beifahrerfenster des Taxis getreten und fragt, was so viele Taxis auf einem Haufen machen. Tukhi hat nur Zeit für eine knappe Antwort. „Demonstrieren“, ruft er während er der Wagen schon wieder losrollt. Auf einem Plakat am Seitenfenster eines anderen Taxis ist der Grund noch einmal zusammengefasst: „Unsere Existenz ist gefährdet.“ Die Mietwagen machen den Taxis das Geschäft streitig und es werden immer mehr.

„Die Zahl der Taxis orientiert sich an der Zahl der Einwohner einer Stadt. Für die Mietwagen aber gibt es keine Obergrenze“, erzählt Fahrer Hossein Baskin. Statistische Zahlen belegen das. In der Städteregion gab es im Mai 2008 genau 245 Taxikonzessionen. Zehn Jahre später, im Mai 2018, hatte sich die Zahl kaum verändert, 239 Taxis waren unterwegs. Die Zahl der Mietwagenkonzessionen hatte sich im gleichen Zeitraum von 217 (Mai 2008) auf 347 erhöht (Mai 2018). Der Appell richtet sich in diesem Problem vor allen Dingen an die Politik. Sie soll sich auf die Suche nach einer Lösung machen.

11.50 Uhr, Alexianergraben: Droschke 176 hält neben einem Smart, der am Straßenrand steht. Der Fahrer, ein älterer Herr, hat das Fenster heruntergelassen und fragt deutlich genervt, wie lange das noch gehen soll. So lange, bis die mittlerweile knapp 100 Taxis vorbeigeschlichen sind, wäre die korrekte Antwort. Es ist die erste negative Resonanz, die aus dem übrigen Verkehrsraum zu vernehmen ist. Wen immer man auf dem Bürgersteig oder am Zebrastreifen fragt: für die Taxifahrer herrscht Verständnis vor.

12.15 Uhr: Eine kurze Schlusskundgebung vor dem Elisenbrunnen später wird das Ende der Protestaktion verkündet. Was bei den Fahrern bleibt, ist Hoffnung. Darauf, dass die Botschaft angekommen ist und darauf, dass sich bald etwas ändert, die Kasse wieder stimmt und die Laune in der Branche sich bessert.

 

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