Aachen - Tausende radeln bei der „Tour Becquerel“ gegen Tihange und Doel

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Tausende radeln bei der „Tour Becquerel“ gegen Tihange und Doel

Von: Martina Stöhr
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Beeindruckendes Bild auf dem Aachener Markt: Rund 4500 Radfahrer haben bei der zweiten Tour Becquerel teilgenommen. Foto: Andreas Steindl
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Aus allen Himmelsrichtungen kamen die kleinen und großen Teilnehmer der Fahrrad-Demo in die Aachener Innenstadt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es ist ein beeindruckender Anblick, als am Elisenbrunnen nach und nach aus allen Himmelsrichtungen Fahrradfahrer eintreffen: Viele tragen gelbe Sicherheitswesten mit der Aufschrift „Tihange abschalten“. Rund 4500 Menschen haben sich nach Angaben der Organisatoren am Sonntag mobilisieren lassen, um bei der zweiten „Tour Becquerel“ gegen Tihange zu protestieren.

„Abschalten, abschalten“ skandieren sie. Dass Tihange 2 und Doel 3 noch am Netz sind, beschreibt Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen auf dem Markt als „russisches Roulett mit uns und unseren Kindern“.

Muriel Gerkens, belgische Abgeordnete des Nationalen Parlaments, ist mit dem Rad aus Lüttich gekommen. Insgesamt sei sie 50 Kilometer gefahren, sagt sie. „Die Atomenergie ist eine Sackgasse“, betont sie und meint, dass die beiden Reaktoren heute nicht mehr zugelassen würden. Sie freut sich, dass „so wichtige Themen in der Euregio gemeinsam angegangen werden“.

Und die „Tour Bequerel“ sei eine eine tolle Idee. Das meint auch Sabine Göddenhenrich, umweltpolitische Sprecherin der Grünen. „Da sind gerade 1000 Radler aus der Eifel eingetroffen“, gibt sie bekannt. Sie ist überzeugt, dass der Protest auch in Belgien wahrgenommen wird. Allerdings würden dort laut Muriel Gerkens immer noch Argumente wie „ohne Atomstrom gehen die Lichter aus“ und die Furcht vor dem Verlust von Arbeitsplätzen schwer wiegen.

„Kein Grund, arrogant zu sein“, meint Krischer. Denn auch hierzulande habe es Zeit gebraucht, bis die Politik sich von der Atomenergie abgewendet habe. Die Radler auf dem Markt lassen keinen Zweifel daran, dass das ihrer Meinung nach die richtige Entscheidung war.

Bei der Tour gab es laut Polizei keine nennenswerten Probleme. Dass Autofahrer beispielsweise an der Kleinmarschierstraße oder am Parkhaus Jesuitenstraße eine Weile warten mussten, sei bei einer Demo nicht immer zu vermeiden.

Die Ordner geraten ins Schwärmen

Armin Waffenschmidt, Sprecher der Grünen Jugend, und sein Freund Michael Dappen haben die Radler als Ordner auf der Jülicher Straße begleitet. Sie haben dafür gesorgt, dass sich der Pulk nicht allzusehr auseinanderzieht. Sie sind in Würselen gestartet, in Haaren kamen weitere Radler hinzu, und dann sind alle am Bushof vorbei auf den Grabenring gefahren. „Und die Jakobsstraße bot einen tollen Anbblick“, schwärmt Waffenschmidt.

„Es war alles voller Fahrräder“, erzählt er. Und genauso sieht es jetzt auf dem Markt aus. Als das „Fivecicle“ einfährt, bekommen die fünf Freiwilligen Feuerwerhrmänner aus Monschau einen Riesenapplaus. Das rote Rad mit seinen fünf Plätzen ist der absolute Hingucker. „Die Anfahrt aus Monschau ist problemlos verlaufen“, erzählt Arthur Schuff. Nur das Tempo habe man drosseln müssen, um sich der Menge anzupassen.

 

Heute findet in der Aachener Innenstadt eine Fahrraddemo gegen das Atomkraftwerk Tihange statt. Viele Teilnehmer sind aus der Städteregion, Belgien oder den Niederlanden bis zum Elisenbrunnen geradelt. #stoptihange #demo #aachen #tihange #sternfahrt #westeck

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„Wir sind hier, damit das blöde Ding endlich wegkommt“, sagen Miriam und Stephan Wirl. Sie sind in Würeseln losgefahren und fanden es toll, mitten auf der Jülicher Straße und zudem auch noch über rote Ampeln fahren zu dürfen. Jetzt harren sie am Marktz der Dinge, die da noch kommen.

Getreu dem Euregio-Gedanken gibt es hier drei Statements: von Oliver Krischer, Muriel Gerkens (Belgien) und Coen van der Gugten (Niederlande). Alle drei sprechen sich für das sofortige Abschalten von Tihange aus. Und kündigen an, nicht zu ruhen, bis das Ziel erreicht ist. Die Zukunft sehen hier alle in den Erneuerbaren Energien.

Iris Moraals und ihre Begleiterin aus Vaals verfolgen, was oben auf der Bühne gesagt wird. „Ich habe schon bei der Menschenkette mitgemacht“, sagt Iris und weist auf das gelbe Band, dass sie sich umgehängt hat. Sie ist mit ihrem Rad aus Vaals gekommen. „Wir haben etwa eine halbe Stunde gebraucht und alles ist problemos gelaufen“, sagt sie.

Viele Unterschriften gesammelt

Und auch für die „Intiative 3 Rosen“ war es offensichtlich ein guter Tag. Sie hat ihr Ziel, eine halbe Million Unterschriften gegen Tihange und Doel zu sammeln, fast erreicht. Und alle gemeinsam sind sich einig: „Wir werden solange gegen die maroden Atomkraftwerke protestieren, bis sie abgeschaltet werden.“

 

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