Talbötter: „Wenn Worte nicht helfen, muss man Fakten schaffen”

Von: Heiner Hautermans
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Aachen. Die große Keule können die Talbötter (noch) nicht rausholen, aber: „Wir werden alle legalen Mittel im Rahmen der Friedenspflicht, der wir unterworfen sind, nutzen”, sagt IG Metall-Chef Franz-Peter Beckers.

Und das werde wohl zwangsläufig dazu führen, dass die vorhandenen Großaufträge nicht so abgewickelt werden könnten, „wie es mit den Kunden vereinbart worden ist”.

In diesem Fall drohen dem Schienenfahrzeughersteller Bombardier, wie berichtet, Konventionalstrafen in zweistelliger Millionenhöhe. Rechtzeitig abgeliefert werden könnten die Züge nur, wenn im Dreischicht-Betrieb gearbeitet würde. Und dazu sind die 600 Mitarbeiter des von der Schließung bedrohten Werks nicht mehr bereit.

In einer „sehr, sehr gut besuchten Betriebsversammlung” schilderten am Montag Beckers und Betriebsratsvorsitzender Josef Kreutz die Ereignisse vom letzten Mittwoch aus erster Hand. Fazit: „Wir sind mit weniger als nichts rausgegangen.” Jetzt müsse die Macht des Faktischen sprechen, sagte Beckers anschließend auf Anfrage. Die „erstaunliche Mannschaft” sei nämlich weiterhin kämpferisch gestimmt und werde nun Dienst nach Vorschrift leisten.

Dazu gehört nach seinen Worten die Auflösung der Zeitarbeitskonten. Schon geleistete Überstunden sollen vergütet werden, Mehrarbeit werde nicht mehr vom Betriebsrat genehmigt. „Ich habe die Leute aufgefordert, Urlaub zu nehmen”, schildert der Gewerkschafter eine weitere Maßnahme, Sand ins Getriebe zu werfen: „Das wird ihnen sehr wehtun.”

Und es könnte durchaus sein, dass die Situation noch verschärft wird, wenn man nämlich in die Verhandlungen um einen Sanierungstarifvertrag und Sozialplan eintritt. „Dann wären wir aus der Friedenspflicht raus.” Und dann könnte auch gestreikt werden. Er warnt auch die Unternehmensleitung davor, die Aufträge in ein anderes Werk zu verlagen. „Das wäre rechtswidrig.” Zumindest, solange kein Interessenausgleich vorliege: „Dagegen würden wir sofort juristisch vorgehen.”

Der Gewerkschafter fordert außerdem den Bombardier-Aufsichtsrat auf, den Vorstand, der für den Schließungsbeschluss verantwortlich sei, fristlos zu entlassen. „Die treten die Leute, die ihnen helfen wollen, in den Hintern - so als ob sie Bombardier schaden wollten.”

Die Zahl der Unterschriften gegen die Schließung ist inzwischen auf mehr als 13 000 angewachsen. Heute um 18 Uhr tagt in St. Elisabeth wieder das Solidaritätskomitee. Heute beschäftigt sich auch der Gesamtbetriebsrat mit den Plänen für Aachen, am 13. November der Wirtschaftsausschuss. Beckers: „So schnell kann man uns nicht beerdigen.”
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