Tag der Offenen Moscheen: „Wir wollen Brücken bauen”

Von: Anke Hinrichs
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Auch die Yunus-Emre-Moschee öffnete am Sonntag ihre Türen. Die Besucher konnten unter anderem die religiöse Unterweisung mit Imam Yakup Kochan (links) erleben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Drei der fünf Moscheen in Aachen öffneten am Sonntag ihre Türen gemäß dem diesjährigen Motto: „Der Koran - 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben”. Diese bundesweite Aktion läuft traditionell am Tag der Deutschen Einheit”. Die „Nachrichten” besuchten die islamischen Gotteshäuser.

Unsere erste Station ist die kleine bosnische Moschee am Eisenbahnweg. Sie ist mit ihren 32 Jahren die älteste bosnische Gemeinde Deutschlands und seit zehn Jahren im Aachener Osten beheimatet. Imam Mehmed Jakubovic empfängt uns, wir ziehen die Schuhe aus und folgen ihm in den kleinen Gemeinschaftsraum, in dem sich schon einige Gemeindemitglieder versammelt haben.

Aus der ganzen Euregio reisen die bosnischen Familien am Wochenende an, um mit rund 150 anderen am Gemeindeleben teilzunehmen. Wir werden mit schwarzem Tee in kleinen Gläsern bewirtet. Aladin Tabakovic, der in Aachen zur Schule ging und studiert hat, erklärt: „Wir sind hier, um unsere bosnischen Wurzeln nicht zu verlieren, aber wir sind Aachener.”

Im Gebetshaus erklärt Aida Admovitsch, die Tochter des Gemeindevortands, die Funktion der zwei großen Waschbecken im Vorraum: „Dort erledigen wir die rituellen Waschungen vor dem Gebet.” Fünf Mal am Tag werden Hals, Mund, Nase, Gesicht, Hände und Füße gewaschen, bevor man sich im Gebetsraum niederlässt.

Flauschiger Velours umschmeichelt die Fußsohlen, orientalische Ornamente sorgen auf dem Teppich für die Illusion eines einzelnen Gebetsplatzes. Die Holz- und Steinarbeiten im Gebetsraum stammen von Imam Jakubovic. Wir bestaunen die Gebetsnische aus original bosnischem Stein mit den 99 Beschreibungen Allahs, die kleine Empore für das Freitagsgebet und den Stuhl, der für Vorträge und Diskussionen reserviert ist. Natürlich richtet sich im Gebetsraum alles gen Mekka. Frauen beten hinten, Männer vorne.

Drinnen blitzen die Lüster

Beflügelt vom freundlichen Empfang fahren wir zur Yunus-Emre-Moschee an der Stolberger Straße. Draußen sitzen Männer in der Sonne und unterhalten sich. Wir betreten das 1977 gegründete islamische Gotteshaus und stellen unsere Schuhe im Vorraum ab. Im Gebetsraum findet gerade eine Führung für Besucher statt. Das Inventar gleicht dem bosnischen Gebetsraum, mit Ausnahme der vier Kristalllüster, die doch sehr deutsch wirken. „Das ist kein Problem für uns”, sagt Jakub Kohan, der „Hoca” (ausgesprochen Hodja) der Ditib Gemeinde, „wir mischen gerne deutsche Sachen mit türkischen”.

Er macht heute den wöchentlichen Koran-Unterricht mit den Jungen, sie knien oder sitzen in einem Vorraum des Gebetssaals auf dem Boden, vor ihnen das Buch mit den arabischen Schriftzeichen. „Die Kinder sollen ihre Religion kennenlernen. Sie lernen die wichtigen Sätze auswendig und die arabische Schrift lesen”, sagt Kohan.

Mert Kaya und Ilker Gürpiner finden es prima, samstags und sonntags in die Moschee zu kommen. „Wir kommen gerne her, alle anderen Kinder sind auch hier” - und das sind rund 35 Schüler, wenn auch die Mädchen kommen. Sie werden allerdings getrennt von den Jungs unterrichtet.

In der Bilal-Moschee, unserer letzten Station, herrscht kurz nach Mittag reges Treiben. Viele Besucher sind gekommen, um sich an den Stellwänden über den Islam zu informieren oder das Gespräch zu suchen. Namensgeber der ältesten - 1964 von Studenten gegründeten - Moschee Aachens ist Bilal ibn Rabah, der wegen seiner schönen Stimme zum ersten Muezzin des Islam wurde.

Dass die Bilal-Moschee in jeder Hinsicht eine besondere ist, erzählen die Soziologin Hadia El-Attar und ihre Tochter Nada Abedin. „Zu uns kommen Gläubige aus 20 unterschiedlichen Ländern, daher ist die Sprache hier Deutsch, außer der rituellen Gebetssprache, die erfolgt natürlich auf Arabisch. Frauen sind sehr aktiv, sie bilden die Hälfte des Vorstandes und leiten viele Arbeitsgruppen.”

Zugang über die Kunst

Eine davon bietet Sara Mousa an. Sie hat einen Stand mit Kaligraphien und Gemälden in der Eingangshalle aufgebaut. „Mit der Kunst haben wir die Möglichkeit, unsere Gesellschaft zu erreichen. Kunst geht ins Herz und darüber in den Verstand”, wirbt die Sozialarbeiterin, die eng mit der Stabstelle „Integration” der Stadt zusammenarbeitet.

Weiterbildung ist dem Islamischen Zentrum, wie die Bilal-Moschee auch heißt, wichtig, so stehen Deutschkurse und Hausaufgabennachhilfe auf dem Programm. „Wir wollen Brücken bauen und unsere Türen für alle weit öffnen”, sagt El-Attar. So haben auch wir das Gefühl, in den Moscheen nicht nur an diesem Tag willkommen zu sein.
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