Aachen - Tag der Integration: Mit der Stadt identifizieren

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Tag der Integration: Mit der Stadt identifizieren

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Vier Bühnen waren im Eurogress aufgebaut, auf ihnen wurden unter anderem auch Modenschauen mit Kleidern aus fernen Ländern präsentiert. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Einzug der wilden chinesischen Tiere konnte zunächst ein wenig furchteinflößend wirken. Doch schnell merkten die Umstehenden, dass ihnen die großen bunten Löwen freundlich gesinnt waren. Zu den Klängen asiatischer Trommeln bahnten sie sich den Weg durch die Zuschauer.

Begeisterte Kinder streichelten über das weiche Fell und ritten gar ein Stück mit. Solch exotisches und noch viel mehr buntes Treiben gab es gestern beim fünften Tag der Integration im Eurogress. Viele interessierte Besucher kamen, um sich anzusehen, was die knapp 200 teilnehmenden Organisationen zu bieten hatten. Darunter waren zahlreiche Tanzdarbietungen etwa in iranischem, lateinamerikanischem, koreanischem oder russischem Stil. Zudem wurden auf den Bühnen im Eurogress Musik- und Sportdarbietungen gezeigt. An vielen Ständen lagen Informationen über die Aktivitäten ausländisch geprägter Vereine und Organisationen sowie Informationen speziell für Migranten aus. Dabei standen die Themen Kultur, Religion, Bildung, Arbeitsmarkt oder Sprachförderung im Mittelpunkt. Zudem wurden auf Modenschauen Kleider aus fernen Ländern präsentiert. Wer nach all den Darbietungen hungrig wurde, konnte sich mit Spezialitäten aus aller Herren Länder stärken.

All das zeige, so Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, dass Aachen „eine reiche Stadt” ist. „Unsere Gesellschaft ist sich im Klaren, dass Integration etwas Wichtiges ist. Unserer breiten Vielfalt müssen wir uns positiv bewusst sein.” Und dabei hätten die Organisatoren noch ein bunteres kulturelles Bild von Aachen zeigen können. „Es hätten gerne noch viele Organisationen mehr mitgemacht. Wir haben vier verschiedene Bühnen, aber wir hätten auch sechs Bühnen füllen können”, sagt Moderator Gerd Mertens vom Büro der Regionaldekane des Bistums Aachen.

„Ich bin Öcher”

Davon zeigte sich auch Nordrhein-Westfalens Integrationsstaatssekretärin Zülfiye Kaykin beeindruckt. „Hier werden die Kulturen, die Toleranz und die Weltoffenheit der Stadt präsentiert. Das zeigt, dass Integration gelingen kann.” Nur dank solchen Engagements auf vielen unterschiedlichen Ebenen könne es gelingen, dass sich Migranten in einer Stadt heimisch fühlten. „Damit gibt man Menschen mit Zuwanderungsgeschichte die Möglichkeit, sich mit ihrer Stadt zu identifizieren”, sagte Kaykin.

Um die Identifikation mit der Stadt ging es auch bei der Talkrunde „Ich bin Öcher”. Menschen, die aus verschiedenen Gründen nach Aachen kamen und sich hier niederließen, sprachen darüber, was Aachen für sie zu einer lebenswerten Stadt macht. „Diese Menschen sind zum Leben, Arbeiten und Lernen hierher gekommen und haben hier Fuß gefasst. Das soll jungen Menschen Mut machen und zeigen, dass man seinen Platz in der Gesellschaft finden kann”, erklärte Mona Pursey vom Eine-Welt-Forum.

Insgesamt beheimatet Aachen rund 78000 Menschen mit Migrationshintergrund - das ist etwa ein Drittel der Bevölkerung. Menschen aus 156 unterschiedlichen Nationen haben in Aachen ein Zuhause gefunden. Viele von ihnen gehören auch unterschiedlichen Religionen an. So wurde die „Friedensfeier der Religionen” von Geistlichen vieler unterschiedlicher Weltreligionen gestaltet, daran beteiligten sich etwa Christen, Juden, Muslime, Hindus oder Buddhisten.

Viele Organisationen beschäftigen sich in ihrer täglichen Arbeit mit Integration und friedvollem Zusammenleben. So auch der Türkische Integrations- und Bildungsverein Aachen (Tiba), in der Jugendarbeit aktiv. „Zwischen Jugendlichen treten Probleme meistens auf, weil man die Kultur des anderen nicht kennt. Man muss sich öffnen und die Menschen und deren Kultur kennenlernen”, erklärt Talha Özan, der sich bei Tiba als Nachhilfelehrer engagiert. Dabei gehe es allerdings nicht darum, sich vollständig anzupassen. „Integration bedeutet für mich nicht, dass man seine eigene Kultur und Identität verliert. Allerdings muss man bereit sein, die deutsche und europäische Kultur auch zu übernehmen.”
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