Syrien: Aachener Freunde sorgen sich

Von: Eva Onkels
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Aachen. Der Syrienkonflikt scheint geographisch weit entfernt zu sein. Aber auch in Aachen leben Syrer, die Kontakt in das vom Bürgerkrieg erschütterte Land haben und deren Familie und Freunde dort wohnen. Sie machen sich Gedanken wegen einer möglichen Intervention des Westens. Die Vorstellungen, Hoffnungen und Befürchtungen unterscheiden sich.

Dr. Ali Al-Jalloud vom Uniklinikum ist skeptisch, ob ein zeitnahes Eingreifen der Westmächte den erhofften Erfolg bringe. Die Situation in Syrien sei unüberschaubar, es gäbe viele kämpfende Gruppen, nicht immer sei klar, wer gegen wen kämpfe. Eine Intervention hält er jedoch für notwendig. Jalloud, der im Juni diesen Jahres einen voll ausgestatteten Krankenwagen nach Syrien fuhr, erklärt, dass er eine Lösung auf politischem Wege nicht mehr sehe. Die Zeit dafür sei vorbei.

Es gäbe „keine schlimmere Menschenrechtsverletzung“ als den Giftgasanschlag auf die Zivilisten in Damaskus, den er den Truppen Assads zuschreibt. Er hofft, dass die Situation bei einem Angriff der USA nicht eskaliere. Er zieht einen Vergleich zum Eingreifen der Nato in den Kosovokonflikt. Damals wurde – so Jalloud – dieser Eingriff negativer betrachtet als heute. Er hofft auf baldigen Frieden für die Region, auch wenn er glaubt, dass es tatsächlich noch ein langer Weg bis dahin sei. Zunächst einmal wird er im Dezember einen außer Betrieb gestellten Krankenwagen der Feuerwehr Aachen übernehmen. Es ist der dritte, den er nach Syrien bringt.

Giftgasanschlag

Jamal Sobeh, Mitarbeiter am Institut für Psychologie der RWTH Aachen denkt ähnlich. Seiner Meinung nach will die Mehrheit der Syrer eine Intervention, damit das Leid der Zivilbevölkerung beendet wird. Wie massiv diese Intervention sein werde oder sein müsse, wisse er aber nicht. Der Giftgasanschlag dürfe allerdings nicht ohne Konsequenzen der internationalen Gemeinschaft bleiben. Es könne nicht sein, dass das Regime tun könne, was es wolle. Er geht davon aus, dass die Syrer enttäuscht davon seien, dass der Westen nicht bereits viel früher interveniert habe.

Zuletzt organisierte Sobeh Workshops für Aktivisten vor Ort, es ging um den Umgang mit traumatisierten Jugendlichen und Kindern. Seine Familie lebt momentan etwa zwei bis drei Kilometer von dem Ort des Giftgasanschlags in Damaskus entfernt. Im Oktober will er das nächste Mal nach Syrien fahren, wieder für einen Workshop.

Ayicha Hawari ist Zahnärztin in Aachen. Als sie drei Jahre alt war, flohen ihre Eltern aus Syrien. Ihr Vater war als Professor an der Universität von Damaskus mehrmals in Vorlesungen verhaftet worden. Sie sieht eine Intervention mit großer Skepsis. Sie fragt sich, weshalb sie erst jetzt erfolgen soll und nicht vor zweieinhalb Jahren, als die Bevölkerung Syriens um Hilfe bat. Ihre Befürchtung ist, dass eine Intervention des Westens möglicherweise mehr Leid zu den Menschen bringe als es derzeit der Fall sei. Sie fragt sich, ob ein militärisches Eingreifen Assad überhaupt zum Aufgeben zwingen könne.

Um ihren Landleuten zu helfen und mehr Aufmerksamkeit für das Land zu erreichen, organisiert sie die am Samstag, 31. August um 14 Uhr stattfindende Benefizveranstaltung „Hand in Hand for Syria“ in Stolberg mit.

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