„Switch“ soll Studienabbrechern neue Chance bieten

Von: Martina Stöhr
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„Datenlotsen“ Sebastian Maubach (l.) und Sebastian Korte (2.v.l.) haben nach dem Abbruch ihres Studiums eine Ausbildung gemacht und sich entschieden für die Firma „Datenlotsen Informationssysteme GmbH“ mit Dr. Philipp Rohde (r.) an der Spitze. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Sebastian Korte hat acht Semester Informatik an der RWTH studiert. Als er feststellte, dass er mit den Anforderungen in Mathe nicht zurechtkam, orientierte er sich neu. Geholfen hat ihm dabei das Projekt „Switch“ der Stadt Aachen. Heute steht Sebastian Korte kurz vor dem Abschluss der Berufsausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration.

Einen anschließenden Arbeitsvertrag hat er bereits in der Tasche. „Die Ausbildung hat Spaß gemacht“, sagt er.

Er habe in der Ausbildung all das gefunden, was ihm im Studium gefehlt habe. Und wie ihm geht es zahlreichen anderen Studienabbrechern auch. Damit sie nicht auf der Strecke bleiben, hat die Stadt Aachen 2011 unter dem Namen „Switch“ ein Projekt ins Leben gerufen, das Studienabbrechern eine neue Chance bieten will. Sie werden mit Firmen in Kontakt gebracht, die ihnen die Möglichkeit auf eine verkürzte Berufsausbildung bieten.

Dass das sinnvoll ist, hat Dr. Philipp Rohde bereits bei seiner früheren Tätigkeit am E-Learning-Zentrum an der RWTH festgestellt. Denn der Erfolg oder Misserfolg an der Uni macht seiner Meinung nach keine Aussage darüber, ob ein Student ein guter Softwareentwickler werden kann oder nicht. „Viele bewähren sich in der Praxis, auch wenn sie mit der Mathematik an der Uni so ihre Probleme haben“, meint er.

Rund 100 Studienabbrecher konnten laut Peter Gronostaj, Projektleiter „Switch“, bisher vermittelt werden. Angefangen hatte alles vor allem mit den Informatikern, inzwischen kümmert sich das Projekt aber auch um andere Berufssparten. 100 Firmen sind im Pool. Denen werden die Bewerbungen der interessierten Studienabbrecher vorgelegt.

Sebastian Korte bekam daraufhin gleich eine ganze Reihe von Anfragen. Entschieden hat er sich für die Firma „Datenlotsen Informationssysteme GmbH“ mit Dr. Philipp Rohde an der Spitze.

Der ist rundum zufrieden mit den Erfahrungen, die er mit den Azubis von der RWTH gemacht hat. „Die Studienabbrecher haben ihre erste Krise erlebt und sind positiv und gestärkt daraus hervorgegangen“, sagt er. Gerade diesen Grad der Reife wisse er an seinen Auszubildenden zu schätzen.

Auch Sebastian Maubach wird bei „Datenlotsen“ zum Informatiker für Anwendungsentwicklung ausgebildet. Auch er ist froh, nach dem Abbruch des Studiums eine neue Perspektive gefunden zu haben. Allerdings muss er ebenso wie sein Azubi-Kollege Sebastian Korte den Stoff, der eigentlich in drei Jahren zu lernen ist, in 18 Monaten bewältigen. Am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung wird jeweils eigens eine Klasse eingerichtet, die nur aus Studienabbrechern besteht. Und da die jede Menge Vorkenntnisse von der Uni mitbringen, schaffen sie das Pensum schneller.

Hohe Flexibilität

Laut Peter Gronostaj ist das Projekt „Switch“ ein voller Erfolg. Es habe sich im Laufe der Jahre kontinuierlich weiter entwickelt und werde inzwischen vom Land gefördert. Bemerkenswert sei auch seine hohe Flexibilität. Die Studienabbrecher können nahezu nahtlos in die Berufsausbildung einsteigen. Philipp Rohde und seine Auszubildenden jedenfalls sind rundum zufrieden.

Auch in Zukunft will die Firma auf die Studienabbrecher der RWTH Aachen setzen. Die Aachener Niederlassung des Hamburger Unternehmens entwickelt Verwaltungssoftware für die Hochschule und beschäftigt 13 Angestellte, Tendenz steigend, wie Rohde meint.

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