Suchtprävention an der Viktoriaschule: Harte Bilder, deutliche Worte

Von: Jule Klieser
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Alkopops und K.-o.-Tropfen: Polizist Udo Bertram und Prof. Thorsten Orlikowsky vom Uniklinikum (von links) präsentieren den jungen Leuten zahlreiche Foto: Heike Lachmann

Aachen. Mit fiesen Bierdeckel-Bildern beginnen in der Viktoriaschule derzeit einige Unterrichtseinheiten. Alkoholisierte junge Leute in schrecklichen Lebenslagen sind darauf abgebildet und dazu die Bleistiftstriche, an denen man die Zahl der konsumierten Getränke ablesen kann.

Die Schulstunde ist der Suchtprävention gewidmet und basiert auf der Aktion „staygold.de” der Polizei. Schockeffekt ist das eine. Wie eine Party oder ein Fußballspielbesuch stattdessen aussehen könnte - bei nur zwei Strichen auf dem Deckel - zeigt die andere Seite des Bierdeckels.

„Der müsste sofort zu uns kommen, und wenn Ihr so jemanden seht, ruft die 112 an”, kommentierte bei einer der Präventionsveranstaltungen Prof. Thorsten Orlikowsky ein Bierdeckel-Bild. Es zeigt das Antlitz eines jungen Mannes, Schrammen an Mund und Nase, Blut und Dreck im Gesicht, halbgeschlossene Augen. „Der ist ganz daneben, er ist sich seiner Lage gar nicht bewusst.”

Als Leiter der Kinder- und Jugendintensivstation des Universitätsklinikums kann Orlikowsky den Schülern der 8. und 9. Stufe Dinge erzählen, die sichtlich Eindruck machen. Er spricht in einem sachlichen Tonfall, kein bisschen von oben herab.

„Dieser Junge hat die Hosen voll. Es kann sein, dass sein Gehirn nicht mehr richtig funktioniert.” Wenn volltrunkene Jugendliche eingeliefert werden, wachten sie mit einer Windel wieder auf. Normale Funktionen des Körpers seien ausgesetzt.

Starke Persönlichkeit

Der Mensch wird hilflos, schutzlos gegen Kälte oder Demütigung durch andere, kann an Erbrochenem ersticken und ganz schnell tot sein. „Alkohol enthemmt und wirkt stimmungsverstärkend. Wenn der Fußballverein schlecht spielt, ein Wort das andere gibt, kann schnell eine Schlägerei entstehen”, ergänzt Udo Bertram, Jugendschützer bei der Polizei.

Auch bei ihm ist kein erhobener Zeigefinger spürbar, die Jugendlichen hören zu. K.-o.-Tropfen werden thematisiert und wie leicht man in alkohloisiertem Zustand Opfer werden kann. Uli Grande und Annette Abt von der Offenen Tür Gut Kullen haben die garstigen Bierdeckel ausgeteilt, denn sie sind seit einigen Jahren mit ihrem Suchtpräventionsprogramm „Klarer Kopf ohne Tropf” in verschiedenen Schulen unterwegs.

Sie lassen eine kleine orangefarbene Flasche herumgehen, einen Alkopop. Manche Schüler finden das Getränk nicht ansprechend, andere sagen „das sieht gut aus, ich würde es trinken”. Doch es enthalte fast 6,9 Prozent Alkohol, wissen die Experten.

Alkohol, der sofort ins Blut geht und deshalb seine Wirkung mir nichts, dir nichts entfaltet. „Bei zwei Stück davon geht einem schon die Klappe runter.” Ganz schnell könne man weg vom Fenster sein.

Die Präventionsveranstaltung der OT Kullen wird in der Viktoriaschule speziell vor Karneval angeboten, ist dort aber eingebunden in ein dauerhaftes Konzept der Suchtprävention für alle Jahrgangsstufen.

Unter anderem werden Oberstufenschüler ausgebildet, um die Jüngeren in Sachen Alkohol und andere Drogen zu informieren. Wichtig ist den Pädagogen, die Persönlichkeit der Schüler zu stärken, etwa mit Rollenspielen zum Thema „Nein sagen”.

„Eine starke Persönlichkeit schützt vor der Suchtkarriere”, so Heiko Kleinfeld, Lehrer für Suchtprävention. „Suchtprobleme sind eine gesellschaftliche Realität. Wir setzen uns damit auseinander.”
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