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Suchthilfe zeigt ungewöhnliche Ausstellung zum Thema Essstörungen

Von: Martina Stöhr
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Kleine Schatzkisten, die den Blick auf das Innere von Magersüchtigen freigeben. Die Ausstellung „Klang meines Körpers“ behandelt das Thema Essstörungen mit viel Kreativität. Foto: Harald Krömer

Aachen. Fünf junge, magersüchtige Frauen haben in einer musiktherapeutischen Gruppe den Zugang zu ihren Gefühlen gefunden. Danach wollten sie ihre Erfahrungen mit anderen teilen, und konzipierten gemeinsam mit ihrer Musiktherapeutin und einer Grafikerin eine interaktive Ausstellung.

„Es gibt so viele Horrorbilder von Magersüchtigen“, meinten die jungen Frauen und setzten den Akzent auf das Positive und die Kreativität. So laden sie den Besucher ein, in ihren „Schatzkisten“ zu stöbern und dabei mehr darüber zu erfahren, was ihnen bei ihrer Erkrankung geholfen hat. Die Worte „Die Kraft liegt in dir selbst“ muten da fast wie eine Zauberformel an, zumal der Blick in die entsprechende Schatzkiste ein Blick in den Spiegel ist.

Bis Freitag, 7. November, werden Essstörungen das Schwerpunktthema der Suchthilfe Aachen in der Hermannstraße sein. Schüler, Lehrer und natürlich auch die Betroffenen selbst sind eingeladen, die Ausstellung „Klang meines Körpers“ zu besuchen. Laut Yvonne Michel, Fachstelle für Suchtprävention, nehmen Essstörungen bei jungen Mädchen, aber auch bei Jungen ständig zu. „Es gibt so etwas wie einen lauten Schrei nach mehr Information“, sagt sie. In der Ausstellung können sich die Besucher auf ungewohnte Weise mit dem Thema auseinander setzen. Neben den herkömmlichen Informationen gibt es vor allem im inneren Kreis der Ausstellung die Möglichkeit, die fünf betroffenen Mädchen und ihre Gefühle kennenzulernen.

In einem anderen Raum steht eine Art Mauer, die ein Mann entwickelt hat. Dass auch Jungen unter Essstörungen leiden können, ist nicht neu. Hier hat ein Betroffener Material aus seiner Jugend zur Verfügung gestellt: Auf der Mauer prangt der „Kerkerkopf“, vor dem es offensichtlich kein Entkommen gab für den jungen Mann. Es sei generell gut, über das Thema zu reden, meint Yvonne Michel. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass immer mehr Leute Menschen kennen, die unter Essstörungen leiden. Sei es der Freund, der seine Freundin dabei beobachtet, wie sie immer dünner wird und nichts mehr isst, seien es Freundinnen oder Eltern, die aufmerksam werden.

Sie alle brauchen laut Michel die Möglichkeit, ihre Erfahrungen auszutauschen. Um das Thema in den Blick zu nehmen, hat die Suchthilfe die Wanderausstellung deshalb nach Aachen geholt. In einem ersten Workshop setzten sich Multiplikatoren damit auseinander. Jetzt haben Schulen die Möglichkeit, sie zu besuchen.

Die Ausstellung vermittelt mit ihren kreativen Texten, Bildern und Musikstücken eine gesunde Portion Optimismus. Die Besucher bekommen Gelegenheit, in die alltäglichen Probleme, Ängste und Wünsche der Betroffenen einzutauchen.

„Klang meines Körpers“ ist bis Freitag, 7. November, in der Suchthilfe Aachen, Hermannstraße 14 zu sehen. Am Mittwoch, 5. November, um 20 Uhr offener Elternabend für interessierte Eltern.

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