Aachen - Sturz vom Rad mit üblen Folgen: 106,25 Euro für Untersuchung

WirHier Freisteller

Sturz vom Rad mit üblen Folgen: 106,25 Euro für Untersuchung

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:

Aachen. „Das muss man wissen. Schließlich kann das jedem passieren”, sagt Angela W. frustriert. Sie ist vor Monaten böse mit dem Rad gestürzt, hat immer noch Beschwerden. Was sie aber noch mehr schmerzt: Obwohl sie an dem Unfall nach ihrer Ansicht nicht schuld war, bleibt sie auf einer Rechnung von 106,25 Euro sitzen.

70,25 Euro muss sie für die „Inanspruchnahme des Rettungsdienstes ohne Transport” berappen, weitere 36 Euro für die „Leitstellengebühr”. Viel Geld für die arbeitslose Diplom-Sozialarbeiterin, zahlbar an die Feuerwehr Aachen. Dabei wollte sie gar keinen Rettungswagen rufen lassen.

Am 20. September war Angela W. auf der Harscampstraße unterwegs, auf dem abschüssigen Abschnitt zwischen Suermondtplatz und Adalbertstraße. Vom Parkplatz eines Kaufhauses setzte rückwärts ein Mercedes zurück, der Platz wurde eng für Angela W., und sie bremste scharf. Sie flog auf die Fahrbahn und landete unsanft auf der rechten Seite. Passanten erkundigten sich, ob sie einen Krankenwagen rufen sollten. Sie verneinte, weil sie die Praxisgebühr fürchtete: „Ich blieb liegen, weil es wehtat.”

Irgendjemand verständigte dennoch die Feuerwehr, Rettungswagen und Polizei trafen gleichzeitig ein. Ein Sanitäter forderte sie auf, in den Rettungswagen mitzukommen, wo er sie untersuchte und ihr empfahl, mit ins Krankenhaus zu fahren. „Nein, ich will nicht, ich habe die zehn Euro nicht”, schildert Angela W. das schlimme Erlebnis. Sie humpelte davon. Die 54-Jährige befand sich zu der Zeit in Behandlung und ließ sich vom Hausarzt (ohne Praxisgebühr) zu einem Chirurgen überweisen. Gebrochen war nichts, aber die rechte Seite stark geprellt. Die Kosten übernahm die Krankenkasse.

Groß war ihre Überraschung, als mehr als einen Monat später die Rechnung von der Feuerwehr eintraf. Und auch die Hoffnung auf Schmerzensgeld zerschlug sich. Ein Zeuge gab der Polizei zu Protokoll, dass sie unverhältnismäßig stark gebremst habe. Vor Gericht hätte sie schlechte Karten, teilte ein ihr bekannter Rechtsanwalt mit. Und auch ihr Versuch, die Feuerwehr zur Rücknahme des Rettungsdienst-Gebührenbescheides zu bewegen, scheiterte. Ein Mitarbeiter habe sich auf die Gebührenordnung der Stadt Aachen für die Inanspruchnahme des Rettungsdienstes berufen, sagt Angela W.. Als sie darauf verwies, dass sie das Geld nicht habe, sei Ratenzahlung das einzige Zugeständnis gewesen.

Krankenkasse winkt ab

Auch die Krankenkasse winkte ab, selbst der Einwand, dass es teurer geworden wäre, wenn sie mit ins Krankenhaus gefahren wäre, zog nicht. BEK-Abteilungsleiter Norbert Haupts berichtet, dass nur wenige Städte Gebühren für diese Fehlfahrten, die nicht ins Krankenhaus führen, fordern. Das Bundessozialgericht habe in mehreren Fällen entschieden, dass die Krankenkassen nicht zahlungspflichtig seien: „Andere Städte stellen das nicht in Rechnung.”

Angela W. findet das nicht o. k. : Sie muss nicht nur die 106,25 Euro abstottern, sondern bleibt auch auf den Kosten für die zerbrochene Uhr (50 Euro) und für die Fahrradreparatur (60 Euro) sitzen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert