Aachen - Stürmische Stimmen gegen frischen Wind

Stürmische Stimmen gegen frischen Wind

Von: Mischa Wyboris
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Viel Lesestoff: Kitty Vaessen überreicht Oberbürgermeister Jürgen Linden im Namen der deutsch-niederländischen Bürgerinitiative die Protestliste mit rund 800 Unterschriften aus Bocholtz. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Von Windenergie hält Christoph Hartmann wenig. Umweltfreundlich? Sicher, aber nicht für die direkte Umwelt der Windkraftanlagen. Wer dort lebt, ist ganz schön gerädert, weiß Hartmann, Sprecher der deutsch-niederländischen Bürgerinitiative gegen die Modernisierung des Vetschauer Windparks.

Nach zuletzt 200 Unterschriften von deutscher Seite haben deshalb jetzt auch rund 800 Bürger aus dem holländischen Bocholtz ihrem Ärger gegen frischen Wind aus 160 Metern Höhe Luft gemacht und Oberbürgermeister Jürgen Linden im Aachener Rathaus ihre Unterschriftenliste zukommen lassen.

Denn besagte 160 Meter hoch könnten die Rotorriesen nach den Plänen einer Betreiberfirma werden, heißt es. Pläne, die ein rot-grüner Ratsantrag ermöglicht hat und gegen die sich der zivile Unmut richtet. Bereits die jetzigen „Windräder” sorgten jedoch für optische „Disco-Effekte” - die sich im Falle neuer Propellergiganten je nach Sonnenstand auch auf Richterich und die Niederlande erstrecken würden, sagt Hartmann, der zusammen mit der holländischen Sprecherin Kitty Vaessen und einer niederländischen Delegation mit Vertretern der Politik die Liste an Linden übergab.

„Windenergieerlass missachtet”

„Wir halten es für skandalös, wie die rot-grüne Fraktion bei ihrem Ratsantrag den Windenergieerlass der Landesregierung missachtet”, sagt Hartmann beim Treffen mit dem OB. Die mittlerweile vorgeschriebenen 1500 Meter Abstand zu Wohnsiedlungen würden genauso ignoriert wie die Tatsache, dass Vetschau als Landschaftsschutzgebiet laut Erlass für die Ausbaupläne gar nicht mehr infrage kommen dürfe. Außerdem sei es „inakzeptabel, dass sich die Antragsteller auf einen Gutachter stützen, der als Geschäftsführer und Miteigentümer massive wirtschaftliche Interessen verfolgt”.

„Mehr als ein Prüfauftrag der Politik ist gar nicht passiert”, beschwichtigt Linden, „und es hat sich nur einer von neun Windradbetreibern bei der Stadt gemeldet.” Der jedoch betreibe vier der neun Anlagen im Windpark, sagt Hartmann. In diesem Jahr sei mit keinem Ergebnis des Prüfauftrags mehr zu rechnen, sagt Linden und verspricht, dass die Liste dem Bürger- und Beschwerdeausschuss sowie bei erstelltem Gutachten dem Fachausschuss vorgelegt werde.

Wer gegen Atomkraft und Steinkohle sei, könne sich nicht allein auf „Offshore”-Anlagen im Meer beschränken, gibt Linden indes zu bedenken. Für Hartmann kein Argument - nicht zuletzt wegen des Lärms der wuchtigen Windturbinen. Fürs erste hat sich der Sturm um die Räder jedoch gelegt - insgesamt 1000 Unterschriften haben erreicht, dass auch Jürgen Linden Wind davon bekommt.
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