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Studenten stöhnen über das „Nadelöhr Ausländeramt“

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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„Völlig überlaufen und überlastet.“ Derzeit häufen sich die Beschwerden internationaler Studenten über allzu lange Wartezeiten beim Ausländeramt der Städteregion. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Ein Aushängeschild für die RWTH sei die Außenstelle des städteregionalen Ausländeramts im SuperC ganz sicher nicht, ist Gerd Scholz überzeugt. Lange genug hat der Aachener Geschäftsmann verfolgt, wie sich nicht nur seine künftige Schwiegertochter „durch das Nadelöhr Ausländeramt“ quetschen muss, um ihr Studium in Aachen fortsetzen zu können. Auch viele andere ausländische Studierende machen offenbar gerade höchst unliebsame Erfahrungen mit der Behörde.

„Völlig überlaufen und überlastet“ sei die Außenstelle im Super C, meint Scholz, der seinem Ärger jetzt in einem Schreiben an die „Nachrichten“ Luft machte. Teils würden sich Studenten bereits kurz nach Mitternacht am SuperC treffen, nur um am nächsten Tag noch einen der raren und begehrten Termine im Ausländeramt zu erhalten. Oft genug würden sie vergeblich warten und müssten an Folgetagen erneut anstehen. „Abschreckend“ sei es, wie dort mit den Studenten umgegangen werde.

Eine junge Ägypterin schildert ähnliche Erfahrungen. Auch sie hat sich sogar schon um 3.30 Uhr in der Frühe angestellt, um überhaupt eine Chance zu haben, ihre Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern. Oft genug würden derzeit 60 Studenten und mehr auf den Gängen im SuperC auf einen Termin beim Ausländeramt warten – bestenfalls 30 könnten jedoch während der knapp bemessenen Öffnungszeiten bis zur Mittagszeit bearbeitet werden.

Einer Uni, die sich gerne zur Elite zählt, sei das nicht angemessen. Und schon gar nicht könnten sich die jungen Leute, die immerhin zu den Fachkräften von Morgen ausgebildet werden sollen, als „gerne empfangen und umworben“ fühlen.

Die „problematische Situation“ ist der RWTH bekannt, wie Pressesprecherin Renate Kinny am Dienstag mitteilte. Denn alle Jahre wieder sei der Andrang zu Beginn des Wintersemesters besonders groß. Unter anderem stelle daher auch die Hochschule eine studentische Hilfskraft zur Verfügung, um die Situation für die Studierenden aus aller Welt etwas zu entspannen.

Überraschend kommen die Beschwerden hingegen für die Städteregion, wie Pressesprecher Detlef Funken am Dienstag erklärte. „Wir nehmen die Hinweise sehr ernst“, betonte er. Noch am Mittwoch werde sich daher ein Referent des Städteregionsrats die Situation vor Ort ansehen. „Wir sind bei diesem Thema hochsensibel“, bekräftigt Funken, der zugleich an die internationalen Studierenden appelliert, auch selbst etwas zur Entzerrung beizutragen.

So sollten betroffene Studenten vor allem auf die Laufzeit ihres Einreisevisums achten und mit dem Gang zur Ausländerbehörde nach Möglichkeit noch etwas warten. „Erfahrungsgemäß entspannt sich die Situation Mitte November“, sagt Funken.

Das Problem sei, dass viele Studenten mit der Einschreibung im Oktober auch ihren Aufenthaltsstatus erhalten wollen. Dies sei aber oft noch gar nicht nötig. „Wer rechtzeitig vor Ablauf des Visums die Aufenthaltserlaubnis beantragt, ist auf der sicheren Seite“, so Funken. Auch auf Aushängen und im Internet weisen Hochschule und Ausländeramt auf die längeren Fristen hin, doch bislang scheinen die Appelle wenig zu fruchten.

„Richtig gute Schlagzahl“

Dass das Ausländeramt im SuperC personell allzu schwach ausgestattet sei, will Funken hingegen nicht gelten lassen: „Da arbeiten drei gut eingearbeitete Leute mit richtig guter Schlagzahl“, versichert er. Die Ausgabe der Aufenthaltstitel erfolge zudem im Verwaltungsgebäude am Hauptbahnhof, damit die Warteschlangen an der Hochschule nicht noch zusätzlich verlängert werden.

Nahezu alle Studenten aus Nicht-EU-Ländern benötigen für ihr Studium an RWTH oder FH eine Aufenthaltserlaubnis, die auch regelmäßig verlängert werden muss. Insgesamt sind laut Funken derzeit rund 4235 internationale Studenten und Hochschulmitarbeiter beim Ausländeramt registriert – gut 900 von ihnen benötigen in diesem Jahr eine neue Aufenthaltsgenehmigung.

Ob nun nachgebessert werden muss, wollen die Mitarbeiter der Städteregion am Mittwoch prüfen. Zudem ist für Anfang November ein Gespräch mit Vertretern der Hochschulen angesetzt, „um Abläufe weiter zu optimieren“, wie Funken ankündigt.

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