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Strunx-Sitzung: Mit Kaffee und Brötchen kommt die Ablösung

Von: Heinrich Schauerte
Letzte Aktualisierung:
Strunx
Für eine Karte nehmen die Fans viel in Kauf. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Mag ja sein, dass die Zeiten vorbei sind, als man vor der Barockfabrik übernachtete, aber das liegt vielleicht auch an der Erderwärmung, durch die es in Aachen immer kälter wird. Oder an den alten Knochen, die das nicht mehr mitmachen.

Kenner wissen, um was es sich da nur handeln kann: den Vorverkauf für die Strunx-Sitzung.

Diesmal war der Rekordhalter schon um kurz nach fünf Uhr da, um mit der Berechtigungsnummer 1 ganz auf Nummer sicher zu gehen; denn beim alternativen Karneval geht alles ganz ordentlich zu. Um halb zehn kam dann seine Ablösung mit Kaffee und Brötchen, um das gemeinsame Werk zu vollenden. Als Heinz Schornstein um halb sieben kam, um das Café Couleur aufzumachen, und auch die ersten Strunxler auftauchten, standen schon 75 Leute draußen. Dann dauerte es immerhin bis 12.11 Uhr, um auch die letzte der 400 Warte-Nummern zu vergeben. Die Nummer 1 hätte also ruhig noch etwas länger im Bett bleiben können.

Derweil wurde das bunte Völkchen mit einem ebenso bunten Programm unterhalten, etwa einer Versteigerung karnevalistischer Utensilien aus vergangenen Sitzungen. Der Erlös von rund 400 Euro wird für einen guten Zweck gespendet. Sogar an einem echt alternativen Gewinnspiel konnten die Strunx-Willigen teilnehmen, dafür mussten sie allerdings sämtliche Strunx-Prinzen und Prinzessinnen, Schwulitäten, Mayonnaisitäten, Freifritten, Pleitegeier und Kohle-Jupps in die richtige Reihenfolge bringen. Was man im Jahre des Strunxes 1992 noch nicht ahnen konnte: dafür genügt heute ein Klick ins mobile Internet, das auch ein Alternativer stets mit sich führt.

Und so gab es massenhaft richtige Antworten sogar von strunxmäßig völlig ahnungslosen Personen. Also musste das Los entscheiden, und Glücksfee durfte spielen, wer bei allen Sitzungen dabei war. Da kommt bekanntlich nur eine in Frage, nämlich Marita, die Galionsfigur des im Karneval allzeit präsenten und durch nichts zu erschütternden Eilendorfer Fanclubs. Die Eintrittskarten gewann dann auch prompt eine Frau, die auf ihren Zettel geschrieben hatte „Ich muss gewinnen, weil ich kein Geld dabei habe”. Also ein echter Glücksgriff der Marke Marita.

Und dann Zins und Hammers. Zum Zwanzigsten verlasen sie waschkörbeweise Grußadressen aus aller Welt, allen voran eine Videobotschaft von einer gewissen A. Merkel. Aufgrund des schönen Sonnenscheins auf der Leinwand war von einem Bild nichts zu sehen, das vermisste aber auch keiner. Der Tenor: „Es gibt keine vernünftige Alternative zum friedlichen Zusammenleben von Karteninhabern und Nichtinhabern. Ich wünsche Ihnen eine richtig geile Zeit.”

Leicht beleidigt hingegen der Herr Westerwelle, der sich stark wunderte: „Der erste schwule Strunx-Prinz Jonathan, der 1992 auf der Aachener Rathaustoilette proklamiert wurde, machte mehr Furore als meine Ehe heute.” Und dann sangen die zebragestreiften Herren noch einen gregorianischen Choral zu Ehren von uns, die wir Papst sind: „Spiritus sanctus intus brutalum egalum” oder so ähnlich, das wird sich vielleicht in der Sitzung dann noch aufklären oder auch nicht. Total egal.

Nicht einverstanden mit dem ganzen Verfahren waren nur einige frierende Damen, die nicht verstanden, warum man es nicht immer so machen kann wie letztes Jahr, als alle nach Ziehen ihrer Nummer zu Hause warten konnten: „Das ist eine Unverschämtheit, dass man hier wieder wie früher stehen muss als alte Frau; schau dich doch mal um, das sind doch alles 50-, 60jährige hier!” „Naja, gutes Mittelalter”, sagt eine andere, und die nächste ruft „Ich habe Rücken!” Alles nicht ganz ernst gemeint, aber jünger wird man bekanntlich auch nicht. Und die Strunxler betonen, dass das letztes Jahr eine Ausnahme wegen des Schneesturms war; denn wer den Strunx will, muss weiter leiden und warten - solange es noch geht.

Um halb drei sind sie bei Nummer 300, und nach weniger als einer Stunde haben alle ihre heiß ersehnten Karten für die inzwischen sieben Sitzungen. Wie immer also ein Festival des Wiedersehens mit allen üblichen Verdächtigen. Und ein Vorgeschmack auf einen phantasievollen, intelligenten Karneval jenseits von Klatschmarsch und Tusch, Alaaf und Täterä.
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