Streit um eine Gebärmutter-OP

Von: wos
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Aachen. Der Prozess gegen den ehemaligen Chef der Walheimer Itertal-Klinik, Dr. Christoph K. (62), wurde am Dienstag von dem Verfahren gegen seine Assistenzärztin, Dr. Stefanie Z. (56), juristisch abgetrennt.

Der Aachener Gynäkologe, der sich wegen Körperverletzung in einem Fall aus dem Jahr 1999 vor dem Aachener Schöffengericht verantworten muss, war laut seinem Anwalt Alexandros Tiriakidis nicht verhandlungsfähig.

Der Anwalt legte ein ärztliches Attest vor, das dem angeklagten Christoph K. ein schweres Leiden attestiert und seine Anwesenheit am Dienstag nicht zuließ. Der Vorsitzende Richter Christoph Gast sah es aber als eine Form der juristischen Rechtschaffenheit an, das Verfahren gegen die wegen des gleichen Deliktes angeklagte Assistenzärztin durchzuführen.

Die beiden sollen bei einer gynäkologischen Operation im Mai 1999 einer damals 38-jährigen Krankenschwester ohne ausreichende medizinische Indikation die Gebärmutter entfernt haben, die Ärzte bestritten das. Angeklagt war bei beiden ein Fall von schwerer Körperverletzung, die Anklage vertrat Oberstaatsanwalt Alexander Geimer.

Das Gericht bedauerte, nach so langer Verfahrensdauer keine aktuellen Zeugen mehr hören zu können. Denn auch die Krankenschwester hatte wegen länger andauernder Krankheit nicht erscheinen können, ihren behandelnden Arzt von damals hatte sie allerdings nicht von der Schweigepflicht entbunden. „Wir haben aber das Gutachten, das auch bereits im Zivilprozess vorlag”, erklärte der Vorsitzende.

Nach dem Gutachten, das am Dienstag verlesen wurde, sei es zwar richtig gewesen, dass sich die ursprüngliche Diagnose nicht bestätigt habe. Sowohl der Hausarzt der Krankenschwester wie auch Christoph K. hatten ein Myom, eine meist gutartige Geschwulst an der Gebärmutter, diagnostiziert. Als das Organ damals entfernt und zur Untersuchung eingeschickt wurde, stellte sich heraus, dass es kein Myom gab. Danach suchte die Krankenschwester andere Ärzte auf.

Der Gutachter kam allerdings trotzdem zu selben Auffassung wie die operierenden Ärzte, dass bei der Krankheitsvorgeschichte der Patientin eine Entfernung der Gebärmutter durchaus angezeigt gewesen war. Auch das Aufklärungsgespräch und die Einwilligungserklärung in die OP seien vollständig vorgenommen worden, die Operateure hätten subjektiv die Auffassung gehabt, die Gebärmutter entfernen zu können. „Bei der Angeklagten Z. kommt noch hinzu, dass sie als Assistentin die Anweisungen ihres Chefs befolgen musste.”

Man könne auch nicht nachweisen, dass sie aktiv an der Entfernung des Organs beteiligt war. Für beide Angeklagten gelte nun, dass nach der jetzigen Sachlage der Operateur sich nur über die Tragweite der von der Patientin erteilten OP-Erlaubnis „geirrt” habe - juristisch wird dies ein „Erlaubnistatbestandsirrtum” genannt.

So sei die schwere Körperverletzung juristisch nicht haltbar und es bleibe, wenn überhaupt, eine niedriger strafbewehrte fahrlässige Körperverletzung im Verfahren übrig. Das sei allerdings bereits verjährt, führte Richter Christoph Gast aus. Die Ärztin sprach das Gericht sogar frei, die Staatsanwaltschaft hatte dies von sich aus beantragt.

So wird es in diesem Fall, der im Jahr 2000 sogar zu Demonstrationen vor der Itertal-Klinik führte, voraussichtlich kein Urteil mehr geben, es sei denn, Arzt K. gibt sich mit einer bloßen Einstellung nicht zufrieden.

In einem weiteren Verfahren gegen K., das aus dem Jahr 2003 anhängig war, kündigte Richter Gast die Verhängung einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen von je 100 Euro an. Der damalige Chefarzt soll eine Bauchfellentzündung bei einer Patientin nicht erkannt haben. Auch dagegen sind Rechtsmittel noch möglich.
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