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Streit in Flüchtlingsheim: Das Opfer ist einfach verschwunden

Von: wos
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Auseinandersetzung im Flüchtlingsheim: Ein Streit unter Landmännern endete nun vor dem Gericht in Aachen. Symbolbild: Colourbox

Aachen. Hamza Z. (31) wird einer Tat beschuldigt, die er am 30. Mai 2016 in der Richtericher Flüchtlingsunterkunft Roermonder Straße 615 begangen haben soll. Vor der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht wurden ihm in der Anklageschrift erhebliche Vergehen vorgeworfen, die von räuberischer Erpressung und Körperverletzung mittels eines Messers bis zum Widerstand gegen Vollzugsbeamte reichen.

So begann der Vorsitzende Richter Hans Günter Görgen am Dienstag einen Prozess, der eine tätliche Auseinandersetzung in einem Aachener Flüchtlingsheim zum Inhalt hat – ein eher seltenes Vorkommnis, wie die Erfahrungen der letzten Monate in Aachen zeigen.

Z. soll an besagtem Tag gegen 17 Uhr in seinem Zimmer einen Mitbewohner mit einem scharfen Teppichmesser bedroht und ihn dazu gezwungen haben, sein Portemonnaie abzugeben. Er habe gedroht, dem Mitbewohner in Gegenwart von dessen Lebensgefährtin Schnitte im Gesicht zuzufügen, falls dieser sich dagegen sträuben sollte. Zusätzlich habe der Angreifer gefordert, der Bedrohte müsse künftig pro Monat 100 Euro an ihn zahlen. Dies wäre ein typischer Fall von Erpressung.

Um dem Ganzen richtig Nachdruck zu verleihen, hieß es in der Anklage, habe er den Mitbewohner am Arm festgehalten, mit einem Stuhl auf ihn eingeschlagen und ihn während der körperlichen Auseinandersetzung auch an der Hand und am Oberschenkel verletzt. Der Vorfall sei erst durch das Eingreifen der Security und schließlich durch die Polizei beendet worden. Die Beamten nahmen Z. gefesselt mit auf das Revier, wo er anscheinend Widerstand leistete. Schließlich wurde er ins Gefängnis gebracht.

Der Angeklagte schilderte die Geschehnisse nun komplett anders. Der in der Westsahara in einem entlegenen Teil von Algerien geborene und später in Algier als Fischer tätige Mann erzählte, dass sein Landsmann, mit dem er eigentlich seit Monaten befreundet war, die Auseinandersetzung begonnen hatte. Ihn habe er nach einem Stadtbesuch in seinem eigenen Zimmer überrascht, als dieser das Handy des Angeklagten habe stehen wollen.

Das habe der auch unumwunden zugegeben. Im Übrigen habe ihm der angebliche Freund noch 100 Euro geschuldet, die er bereits am Tag zuvor habe kassieren wollen und die er dann einforderte. Das habe der andere zum Anlass genommen, ein Küchenmesser zu nehmen und ihn zu bedrohen. Schnell habe er das Handgelenk des anderen umfasst und ihm das große Küchenmesser wieder abnehmen können.

Unmittelbar danach habe der andere dann das Teppichmesser aus der Hosentasche gezogen und gedroht, er werde sich jetzt selber verletzen, um ihn öffentlich in Misskredit zu bringen. Als die Polizei kam, habe sein Gegenüber die Beamten angelogen. Es dürfte schwierig werden, die Angelegenheit aufzuklären. Denn das vermeintliche Opfer sowie die als Zeugin benannte Lebensgefährtin sind inzwischen verschwunden. Dies habe ein Anruf des Richters in der Flüchtlingsunterkunft ergeben.

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