Straßenbeschilderung: Wie Bismarck das „c“ abhanden kam

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
Bismarckstraße
Auf den neuen Schildern im Frankenberger Viertel ist ein Schreibfehler - und der wird nun korrigiert. Foto: Petra Jaspers

Aachen. Gestatten: Bismarck, Otto von, Reichskanzler und seit über hundert Jahren mit „c“ geschrieben. Bis die Stadt Aachen das Bewohnerparken im Frankenberger Viertel einführte. Weil dafür neue Schildermasten aufgestellt werden mussten, um auf die Regelung hinzuweisen, wurden auch neue Straßenschilder montiert. Seither gibt es im Viertel eine „Bismarkstraße“ – ohne „c“.

An der Einmündung der Goffartstraße reiben sich nun Anwohner und Passanten verwundert die Augen. Erstere mögen sich fragen, ob sie jetzt Briefköpfe und Adressenangaben in amtlichen Dokumenten ändern müssen, die anderen denken vielleicht, dass an den zuständigen Stellen der Verwaltung Mitarbeiter sitzen, die irgendwann den Geschichtsunterricht geschwänzt haben.

Der Stadt ist die Panne immerhin so peinlich, dass sie umgehend die Schuld von sich weist: „Das waren wir nicht“, sagt Axel Costard vom städtischen Presseamt. Solche Schilder male die Stadt nicht selbst, sondern vergebe die Aufträge dazu extern. Der Rechtschreibfehler sei folglich der beauftragten Straßenschilderbeschreibe­firma unterlaufen, und die korrigiere das nun auf ihre Kosten.

Damit bleiben der Stadt nicht nur die rund 80 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer für so eine Blechtafel erspart, sondern auch weitere Hänseleien: „Wenn der Fehler bei uns gelegen hätte, wäre die Reklamation ja nicht anerkannt worden“, so Costard.

Fehler können schließlich vorkommen. Häufig sei das zwar nicht, berichtet Axel Costard, dennoch sei der falsche Bismarck nicht der erste Fall. Bei der Ausschilderung einer Umleitungsstrecke habe sich eine Firma dereinst an Robert Schuman vergangen. Der französische Politiker und Karlspreisträger war den Beschilderern wohl weniger bekannt als der deutsche Komponist, weshalb die Straße in Burtscheid ein zweites „n“ bekam.

Die Branche hat es sicher nicht leicht, immerhin weisen die Kommunen immer wieder neue Baugebiete aus und müssen anschließend die dort angelegten Straßen benennen. Regionale Besonderheiten (Mattschö-Moll-Weg) sind den Schilderbemalern natürlich nicht so geläufig wie eine Goethe-straße oder eine Adenauerallee.

Sollte mal ein Neubaugebiet in Gänze etwa osteuropäischen Musikern gewidmet werden, müsste die richtige Schreibweise sicherlich schon bei Auftragserteilung vereinbart werden. Sonst nimmt man besser populäre Popmusiker (Abbastraße, Dieter-Bohlen-Damm, Frank-Sinatra-Platz, Guildo-Horn-Gasse, Rolling-Stones-Stiege).

Wenn Aachen weiterhin Straßen nach Karlspreisträgern benennen will, ist auch Vorsicht angebracht. Bei der litauischen Staatspräsidentin Dalia Grybauskait sind Fehler nicht auszuschließen, Martin Schulz ist sicher die bessere Wahl. Aber wer weiß, ob man dem nicht in hundert Jahren mal ein „t“ in den Familiennamen pfuscht.

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