Straßenbahnen als Gewinn fürs Stadtbild

Von: Werner Breuer
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Überzeugungsarbeit für die geplante Campusbahn: Prof. Dirk Vallée, Planungsdezernentin Gisela Nacken und Asta-Vorsitzender Matthias Nick (von links) halten das Projekt für eine gute Sache. Mit der Ausstellung wollen sie darüber informieren. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Sie sind die Stars auf jedem Bild: Straßenbahnen in Straßburg, München, Bordeaux oder Marseille sind derzeit im Foyer des Super C am Templergraben zu besichtigen. In einer Ecke hängen dann auch ein paar Infotafeln zur geplanten Campusbahn. Wer eins und eins zusammenzählen kann, versteht denn auch schnell die Botschaft der kleinen Ausstellung im Eingangsbereich des Hochschulgebäudes: Was die anderen haben, braucht Aachen auch.

Vor allem die Uni braucht sie, meint Prof. Dirk Vallée, der Leiter des RWTH-Instituts für Stadtbauwesen und Stadtverkehr. Skeptikern empfiehlt er, morgens zwischen 7.30 und 8.30 Uhr mit dem Bus die TH-Standorte in Melaten zu bereisen. „Können Sie vergessen“, sagt der Professor, Wegen Überfüllung müsse man oft einen oder zwei Wagen passieren lassen und könne sich erst in den dritten Bus reinquetschen. „Das ist nicht attraktiv“, meint Dirk Vallée trocken.

Matthias Nick muss er gar nicht mehr überzeugen: Wenn „Studenten wie Ölsardinen in Bussen“ durch die Gegend gekarrt würden, gebe es wohl „wenig Alternativen“ zur Campusbahn, glaubt der Asta-Vorsitzende der RWTH. Die Uni und das Klinikum hätten „einen großen Nutzen“ durch die Bahn, erklärt Planungsdezernentin Gisela Nacken. Deshalb macht die Straßenbahnwanderausstellung, organisiert von den Münchner Verkehrsbetrieben, zuerst im Super C Station, Am 15. Februar zieht sie dann um zur Uniklinik, und ab dem 25 Februar soll sie dann irgendwo im Umfeld des Bushofs zu besichtigen sein.

„Wir wollen vor dem Ratsbür­gerentscheid informieren“, sagt Gisela Nacken. Und auch Prof. Vallée rät den Aachenern vor der Abstimmung am 10. März: „Man sollte informiert dahin gehen.“ Dass die Ausstellung auch als Werbung verstanden werden kann, ficht ihn nicht an: Jede Information könne auch Werbung sein, und das alles müsste jeder Bürger vor dem Entscheid im März für sich selbst politisch gewichten.

In der Tat erfährt der Betrachter der Schau auch Fakten, die bei Skeptikern manchen Argwohn nähren können. So wird etwa am Beispiel Straßburg gepriesen, dass der „Umfang der notwendigen Maßnahmen“ beim Bau einer solchen Bahn gewisse Möglichkeiten zur Umgestaltung der Stadt biete. Kritiker der Campusbahn könnten das als Wasser auf ihre Mühlen werten. Manche fürchten, dass für das Projekt halb Aachen umgekrempelt werden muss.

Planungsdezernentin Nacken spricht da lieber von Chancen, mit der Campusbahn nicht nur Verkehrsprobleme zu lösen, sondern auch städtebauliche Verbesserungen zu erreichen. Gerade der Bereich rund um den Bushof könne eine „Aufwertung durchaus gebrauchen“.

Vallée richtet den Blick auch auf den Adalbertsteinweg. Der sei keine „gestaltete Straße“, sondern eine Ansammlung von Fahrbahnen. Der Bau der Campusbahn biete sich da als eine „Initialzündung“ an, um das Umfeld aufzuwerten. Davon würden nach seiner Ansicht auch die Anwohner profitieren, die derzeit mit den Nebenwirkungen eines intensiven Busverkehrs auf dieser Achse zu kämpfen hätten. Im Vergleich zu den aufheulenden Dieselmotoren anfahrender Busse sei eine elektrisch anrollende Bahn für sie ein Gewinn.

Segensreich wäre die Bahn nach Ansicht des Professors auch für die Hochschule, die mit Innovativem punkten könnte. Es von Vorteil, wenn man solche Dinge „vor Ort ausprobieren kann“, sagt Vallée. Zudem müsse man Interessenten dann nicht in die weite Ferne schicken, um solche Innovationen zu besichtigen. „Dann können wir den Leuten sagen: Wir haben das auch in Aachen“.

Aachen hätte dann zum Beispiel in Sachen Elektromobilität etwas vorzuweisen. Die für die Stromversorgung der Bahn, die im Innenstadtbereich oberleitungsfrei mit Batteriebetrieb fahren soll, erforderlichen „Unterwerke“ würden ein schnelles Aufladen auch von Elektroautos oder Pedelecs ermöglichen. Vallée ist jedenfalls „überzeugt, dass die Campusbahn eine gute Sache ist“.

Die damit verbundenen Möglichkeiten, das Stadtbild anders zu gestalten, hält die Planungsdezernentin sicher für reizvoll. Das sollte jedoch nur an einigen bestimmten Stellen geschehen.

Trotz der schönen Bilder in der Ausstellung würden die Aachener für eine moderne Tram nicht gleich die ganze Stadt auf links drehen, wie es die Franzosen mitunter getan haben. Zu sehen sind etwa Beispiele von Plätzen, die von einer kunstvoll gestalteten Haltestelle dominiert werden.

Dort ist man auf dem Schienenweg allerdings auch schon ein Stück weiter. In Frankreich begann laut Gisela Nacken die Renaissance der Straßenbahn etwa zu der Zeit, als in Aachen die alte Tram aufs Abstellgleis geschoben wurde.

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