Aachen - Straffälligenhilfe kümmert sich auch um die Angehörigen

Straffälligenhilfe kümmert sich auch um die Angehörigen

Von: Martina Stöhr
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Aachen. Die ehrenamtliche Betreuung von Angehörigen ausweiten: Das ist ein Ziel der Straffälligenhilfe in der Königstraße. „Die Angehörigen von Inhaftierten sind mitbestraft. Sie stehen mit ihren Problemen alleine da“, sagt Marina Berman, die kürzlich die erste Angehörigengruppe bei der Straffälligenhilfe ins Leben gerufen hat.

Vier Frauen und Männer treffen sich hier, tauschen Erfahrungen aus und bekommen praktische Hilfen. Laut Marina Berman sind sie sehr aufgeschlossen und dankbar für das neue Angebot.

Damit ausreichend Ehrenamtler zur Verfügung stehen, um in Zukunft Angehörige auch in Einzelgesprächen zu betreuen, gibt es in diesem Frühjahr wieder einen neuen Schulungskurs, über den am Dienstag, 18. März, um 19 Uhr bei der Straffälligenhilfe in der Königstraße 1b informiert wird. Die Ausbildung umfasst Einblicke in das Strafvollzugsgesetz, Rechte und Pflichten der Ehrenamtler, Probleme von Distanz und Nähe, eine Führung durch die Justizvollzugsanstalt und die sogenannte Sicherheitsprüfung, die all jene ablegen müssen, die mit den Inhaftierten in der JVA arbeiten wollen.

Die Einsatzmöglichkeiten der Ehrenamtler sind breit gefächert. Hauptaufgabengebiet war bislang, straffällig gewordene Menschen vor der Inhaftierung zu bewahren, sie während der Haft zu begleiten und sie auf ihre Entlassung und das Leben in Freiheit vorzubereiten. Die Betreuung der Angehörigen fristete dagegen ein eher stiefmütterliches Dasein.

„Dabei sind gerade sie meist völlig schuldlos in prekäre finanzielle und soziale Notlagen geraten“, meint Martin Czarnojan, Geschäftsführer der Straffälligenhilfe. „Sie wissen meist weder, welche Rechte und Pflichten sie haben, wenn ihr Partner oder Sohn inhaftiert wurde, noch wissen sie, welche Behördengänge sie erledigen müssen, um nicht in eine finanzielle Notlage zu geraten“, so Czarnojan. Genau in diesen Punkten sollen sie in Zukunft ehrenamtliche Unterstützung finden.

Laut Catrin Brust, die die Ausbildung der Ehrenamtler übernimmt, betreut die Straffälligenhilfe zwischen 70 und 80 Inhaftierte. „Und auch wenn sie straffällig geworden sind, bleiben sie dennoch Menschen“, meint Iris Seify, die die Gefangenen seit vielen Jahren als Ehrenamtlerin betreut. Schlechte Erfahrungen habe sie dabei noch nie gemacht, sagt sie. Die Inhaftierten haben ihrer Meinung nach einen großen Bedarf an Ansprache, und diesem Verlangen will sie gerecht werden. Wer für die Straffälligenhilfe als Ehrenamtler im Einsatz ist, kann selbst entscheiden, in welcher Form und in welchem Ausmaß er das tun will.

Abseits der konkreten Hilfsangebote bringen Sprach- und Diskussionskurse von Ehrenamtlern Abwechslung in den grauen Gefängnisalltag. Und laut Marina Berman sind die Inhaftierten dankbar für die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wird. Viele würden den Kontakt zu den Ehrenamtlern suchen, da sie keine eigenen sozialen Bindungen mehr hätten. Die Ehrenamtler übernehmen dann die Kontaktaufnahme zu den Familienangehörigen draußen und fragen vorsichtig nach, ob der Inhaftierte nach seiner Entlassung bei ihnen eine Bleibe oder sonstige Unterstützung finden kann.

Laut Iris Seify bricht der Kontakt zu den Betreuten normalerweise ab, sobald sie im Leben wieder Fuß gefasst haben. „Das ist ein schleichender Prozess“, meint sie. In der Zwischenzeit gibt es aber ganz sicher schon wieder jemanden in Haft, der ihre Hilfe braucht.

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