Sträßchen um die Hälfte kürzer

Von: Wolfgang Schumacher
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Um die Sanierung und Ertüchtigung des Viertels rund um die Antoniusstraße sowie den Ausbau der „Bel Etage“ am Büchel zu steuern, beschloss die Stadt die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Von unten an der Einbiegung zur Mefferdatisstraße ist Aachens Bordellmeile nun endlich abgepollert, von oben soll die Anto­niusstraße sogar mittelfristig bis zur Mitte „eingedampft“ werden – der Sperrbezirk wird dann entsprechend erweitert.

Das jedenfalls soll unter anderem mit dem Bebauungsplan „Antonius-/Mefferdatis­straße“ bezweckt werden, dessen Neuaufstellung der Planungsausschuss in dieser Woche einstimmig beschloss.

Hintergrund ist jedoch nicht alleine die Einsicht der Verwaltung, endlich die wenig ansehnliche Situation im durchweg schäbigen Rotlichtviertel aufwerten zu wollen. Für diesen Zweck plant man im übrigen auch, eine Sanierungssatzung für die Straße zu erlassen. Inzwischen kommt ein zweites Motiv für die Erweiterung und Neufassung des alten Planes hinzu.

Denn die ständig geänderten Bauziele für das einst als Einkaufs-Mall „Bel Etage“ hochgejubelte Bauvorhaben der Kölner Strabag Real Estate auf dem Gelände des Parkhauses Büchel erfordere jetzt einen neugefassten Bebauungsplan, dem auch dieses Projekt unterliege, erklärte Baudezernentin Gisela Nacken. Denn die Kölner wollen dort aktuell weder ein Einkaufszentrum bauen, noch eine zeitweilig angedachte Hotelnutzung verwirklichen. Jetzt sollen 65 Wohneinheiten innerstädtisch zentral gebaut werden. Darunter im Erdgeschoss entstehen dann ganz traditionell Räume für Geschäfte, Boutiquen oder Gastronomie, also klassischer Einzelhandel.

Mit dem Aufstellungsbeschluss des neuen Bebauungsplanes schlägt man für das seit mehr als 30 Jahren arg heruntergekommene Hinterhofgebiet zwei Fliegen mit einer Klappe. So soll das gesamte Gebiet durch das Zurückdrängen des Prostitutionsbereichs um die Hälfte der jetzigen Fläche aufgewertet werden. Die obere Hälfte des Sträßchens soll dann völlig frei von käuflicher Liebe werden. Auch sollen sogenannte „Vergnügungsstätten“ wie Sexshops, Spielhallen und Pornokinos untersagt werden. Kurios: Bordellbetriebe fallen planerisch nicht unter den Begriff „Vergnügungsstätten“, so dass sie nicht von dem Verbot betroffen wären.

Das Eindampfen des Rotlichtbezirks wird mancherorts sehnlich erwartet. Schon seit mehr als zwei Jahren beabsichtigt beispielsweise der Seniorchef der Mayer‘schen Buchhandlung, Helmut Falter, auf dem brachen Eckgrundstück Nikolausstraße/Antoniusstraße gleichermaßen Geschäfte und Wohnbebauung zu errichten. Seine Forderung damals: Zumindest ein Sichtschutz wie in Hamburg solle zugelassen werden. Falter macht den Beginn seiner Bauaktivitäten von dem Fortgang des Projektes „Bel Etage“ am Parkhaus Büchel abhängig.

Hier hofft Schäfer, dass der Bebauungsplanbeschluss keine weitere Zeit kosten wird: „Wir waren gerade im Aachener Architektenbeirat mit unserem Projekt“, sagte er. Und das Vorhaben „werde immer schöner“, auch wegen der Ratschläge des Beirats. Nach wie vor plane die Strabag, „Ende 2014“ am Büchel mit dem Parkhausabriss anzufangen. Aber auch wegen des Karlsjahres 2014 dürfte der Start eher auf Anfang 2015 fallen.

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